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Kurzinformation
Januar 2000:
Der
neue Trend: Daheim produzieren, in China verkaufen
Weltweiter
Chinaeuphorie der Mittneunziger Jahre folgte
in 1997 die sog. Asienkrise und -
obwohl gerade China sich hier besser schlug als die meisten- ein ebenso
übertriebener Chinakater. Seit Spätherbst letzten Jahres scheint sich
der Wind abermals zu drehen: Ausländische Neuinvestitionen im „Reich
der Mitte“ sind zwar weiterhin rückläufig. Hier und da läutet
jedoch bereits wieder pauschales Hurrageschrei einen neuen Wettlauf auch
deutscher Geschäftsreisender ins „Land des Lächelns“ ein.
In den Neunzigern zog sie die Mär von 1,2 Mrd. „Konsumenten“
ins Land. (Daß in China zwar umsonst alle alles gern genommen hätten,
jedoch auch heute allenfalls 200 Millionen imstande sind, für mehr als
das zum Leben Allernotwendigste auch zu bezahlen, störte damals
niemand). Diesmal ist es der anstehende Beitritt
Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO).
Damit
jedoch nicht auch diese neue Runde der Pilgerfahrten primär nur
Fluggesellschaften und Chinas Businesshotels sicheren Gewinn beschert,
ist es wichtig, die Auswirkungen des chinesischen WTO Beitritts
differenziert zu betrachten:
Wir
meinen, daß mit dem graduellen Abbau chinesischer Importzölle und
Beschränkungen die Neigung des Auslandes, im Lande selbst zu
produzieren, eher abnehmen wird. Bemühungen aus aller Welt nach China
zu exportieren, dürften –und sollten- u. E. dagegen erheblich
steigen:
Zwar
bevorzugte China im Heer der ausländischen Handlungsreisenden, stets
jene, die bereit waren, im Lande auch zu produzieren, d.h. Technologie
einbrachten, Arbeitsplätze schafften. Das mag so bleiben.
Tatsache ist jedoch, daß
Chinas billige Arbeitslöhne in all den vielen Bereichen, wo
weitestgehend maschinell
produziert wird, keine wesentlichen Vorteile bringen. Technisch gesehen,
könnten Maschinen eigentlich überall laufen. Überdies erfordern sie
so wenig Bedienungspersonal, daß dessen Lohnkosten kaum standortentscheidend sind. Über den Ort, an dem
sie aufgestellt werden, entscheiden vielmehr, neben
Investitionssubventionen, hauptsächlich die für das Produzierte im
Zielmarkt gültigen
Importbestimmungen, Gewinnsteuersätze und ein stabiles Umfeld.
So
gesehen, hat China als Standort nicht die besten Karten: Die Vergünstigungen
für Auslandsinvestoren werden schon seit einiger Zeit
zusammengestrichen, die Importzölle fallen dank WTO, Chinas Steuern
sind –zusammen gesehen mit all den vielen Abgaben, wie sie (meist
ebenso kreative wie unberechenbare) Bürgermeister, Bahnhofsvorsteher,
E-Werksleiter usw. usw. „erfinden“-
alles andere als niedrig. Was das Umfeld angeht, so sind willige
und gelehrige Arbeiter zwar leicht zu finden;, bereits ein westlichen Maßstäben
halbwegs entsprechender Buchhalter dagegen kaum. Da zudem alle
Unterlagen, Abrechnungen usw. auf Chinesisch sind, kann dann auch die
Buchhaltung daheim im deutschen Stammhaus nicht helfen bzw. űberwachen.
Das Resultat ist Chaos und als dessen Folge oft genug Betrug (mehrere
kleinere ausländische Betriebe in China haben nach derlei
„Erfahrungen“ die Buchführung inzwischen uns übertragen). Gibt es
im Lande irgendwelchen Streit, so ist die Rechtslage keineswegs immer
ausschlaggebend. Vielmehr scheinen sich chinesische Gerichte vor allem
als Beschützer der eigenen Landsleute gegen alles „Fremde“ zu
verstehen.
Kurz:
Soweit wir es sehen, sind deutsche und ausländische Produktionsbetriebe
in China bis heute nur allzu oft bestenfalls „Investitionen in die
Zukunft“ (ein befreundeter Klient
sagte es mit Mao: „Der Osten ist rot! Meine Bilanz leider auch“).
Warum sich all dem also aussetzen, wenn man seine Produkte auch daheim
herstellen und –durch WTO erleichtert- nach China exportieren kann? U.
E. geht daher der Trend des Chinageschäftes wieder hin zum reinen
Verkauf.
Daß
der internationale Wettbewerb Verkaufen auch in China nicht gerade
leichter macht, versteht sich. Auch unter Konkurrenzdruck sollten Verkäufer
jedoch von einigen Grundregeln nicht abgehen:
Die
Zahlungsmoral war in China nie gut, und die Asienkrise sowie vor allem
anhaltende Strukturprobleme und Arbeitslosigkeit haben sie nicht besser
gemacht. Von Fall zu Fall wird man, um ins Geschäft zu kommen, über
den Preis verkaufen müssen. Bei den Zahlungsbedingungen dagegen
empfiehlt sich größte
Vorsicht: Vorkasse oder Bankakkreditiv sollten die Regel sein, von der
es selbst bei langjährigen Geschäftsbeziehungen möglichst keine
Ausnahme gibt. Wir werden häufig gefragt, ob chinesische Banken zuverlässig
sind, und können das im allgemeinen bejahen. Die zusätzliche Bestätigung
des Akkreditivs durch eine deutsche Bank mag, jedenfalls soweit das eröffnende
chinesische Institut eines der gröberen
ist, und der Akkreditivbetrag nicht in die Millionen geht, daher häufig
verzichtbar sein.
Ein
beliebter Fallstrick sei hier ebenfalls erwähnt: Bisweilen sind
chinesische Käufer, zwar gern bereit, ein Akkreditiv zu stellen,
verlangen jedoch –meist mit der Begründung, daß
die Bank langsam ist, und sie die Ware dringend brauchen- daß
der Luftfrachtbrief an die Order des Käufers (statt der Bank)
lautet. Dieses nur scheinbar kleine Entgegenkommen kann äußerst
gefährlich werden: Der Käufer bekommt die Ware, da im Frachtbrief als
Empfänger angegeben, nämlich sogleich nach Ankunft ausgehändigt.
Haben die unter dem Akkreditiv der chinesischen Bank vom Verkäufer
eingereichten Dokumente dann irgendeinen Fehler, so wird diese auf
Weisung des Käufers (der die Ware ja schon hat) die Zahlung mit Recht
verweigern, und der Käufer selbst nichts mehr von sich hören lassen.
Kurz: Ware und Geld sind weg, und der Rechtsweg oft ebenso langwierig
wie chancenlos.
Für
den deutschen Teil ist ein Geschäft meist schon mit der
Vertragsunterzeichnung fest abgeschlossen. Der chinesische Käufer
dagegen mag noch so lange um Kleinigkeiten im Text gestritten haben: Für
ihn ist das Dokument allenfalls eine Absichtserklärung.
Erst wenn das im Vertrag vorgesehene Geld oder Akkreditiv
vorliegt, kann der Verkäufer sicher sein, daß
das Geschäft zustande gekommen ist. Bei Aufträgen, die einen gewissen
Produktionsvorlauf erfordern, sollte man dies unbedingt berűcksichtigen,
und die Frist zwischen Akkreditiveingang und Verschiffung angemessen
lang halten.
Allerdings
sollte man aus dem hier Dargelegten nicht den Trugschluß
ziehen, daß
der Vertragstext auch für den Verkäufer ganz unerheblich ist:
Akzeptiert letzterer unübliche Klauseln oder (oft sprachlich bedingt)
gar wirres Zeug, kommt er hiervon auch bei Anschlußaufträgen
meist nicht wieder los. Schlimmer noch: Die Bank eröffnet das
Akkreditiv meist auch anhand der Vertragsvorlage. Findet der Verkäufer
ein solches Akkreditiv dann
nicht akzeptabel, lamentiert der Käufer, es sei doch alles abgemacht
gewesen, und der Verkäufer müsse daher zumindest die Kosten der
Akkreditivänderung tragen.
Für
den Verkaufserfolg besonders wichtig, ist meist der Aufbau eines
Vertriebssystems im Lande. Anders als in Hong Kong oder Taiwan tun sich
Festlandschinesen als Verkäufer im Rahmen einer Organisation durchweg
schwer. Ein Ausweg ist deshalb oft, in höheren Positionen Taiwanesen
einzusetzen, denen dann –durch Erfolgsbeteiligungen motiviert- die Führung
und Ausbildung „ihrer“
Verkäufertruppe obliegt.
Ferner
entscheidet schnelle Verfügbarkeit der Ware etwa durch Unterhalt eines
lokalen Lagers und in vielen Fällen mehr noch, daß der Käufer, sie in
lokaler Währung bezahlen kann.
Zwar sind
in vollem Auslandsbesitz befindliche Handelsgesellschaften (noch) nicht
zulässig, und die lokale Währung unterliegt einer Reihe von
Devisenbeschränkungen. Es
gibt jedoch schon heute einige legale Wege, auch diese Käuferwünsche
zu erfüllen. Sie hier aufzuzeigen, würde allerdings den Rahmen dieser
Kurzinformation sprengen.
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