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Nach den Schreckensmeldungen von den Überflutungen
am Yangzi Fluß im Herbst 1998' ist schwer vorstellbar, daß China unter
Wassermangel leidet. Tatsächlich sind die Wasservorkommen in Nord- und Südchina
extrem unterschiedlich. Derart heftige Hochwasserkatastrophen ereignen
sich bereits seit mehreren Jahrhunderten im südlichen China. Die Ursache
liegt vor allem an dem Raubbau an der Natur durch Abholzungen und Übernutzung,
dessen Auswirkungen durch die starken saisonalen Niederschlagsschwankungen
noch verstärkt werden.' Der Norden Chinas hingegen ist sehr trocken und
es herrscht Trinkwassermangel. Aber auch
in den südlichen Ballungsgebieten Chinas ist das Trinkwasser aufgrund der
hohen Wasserverschmutzung und -verschwendung inzwischen knapp geworden. Im
zehnten Fünfjahresplan (2001‑2005) wird nunmehr die Hochwasserbekämpfung
durch Aufforstungsprogramme sowie die Reduzierung der Wasserverschmutzung
eines der wichtigsten Ziele sein.'
Im folgenden wird zunächst dargestellt,
warum die Reduzierung der Ressourcennutzung für die Erstellung eines
Produktes oder einer Dienstleistung einen großen Beitrag zur Verringerung
der Umwelt, und insbesondere der Wasserverschmutzung, leisten kann.
Anschließend werden die Wassersituation in China sowie die erforderlichen
Maßnahmen zu deren Verbesserung beschrieben. Daraus werden Möglichkeiten
für die Zusammenarbeit deutscher Unternehmungen mit der Volksrepublik
China abgeleitet.
In den
vergangenen Jahren wurden weltweit große Anstrengungen unternommen, um
die ökologische Dimension nachhaltigen Wirtschaftens zu
operationalisieren. Für die Wirtschaft wurden gesetzliche Regelungen mit
Grenzwerten und Auflagen formuliert und deren Umsetzung kontrolliert.
Dennoch hat sich global die Qualität und Verfügbarkeit von Wasser nicht
verbessert, sondern eher verschlechtert. Hierfür gibt es mehrere
Ursachen: Die Zahl der produzierten Stoffe wächst weit schneller als das
Wissen über ihre Umweltwirkungen sowie über ihre synergistischen oder
antagonistischen Eigenschaften. Langfristige Umweltwirkungen sind
schwierig vorhersehbar, weil die Zustandsänderungen, und damit die
Reaktionen der Ökosysteme selber, kaum prognostizierbar sind. In
Transformationsländern wie China, mit noch immer weitgehend veralteten
Industrie- und Verwaltungsstrukturen kommt hinzu, daß gerade die
Umsetzung und Kontrolle von umweltpolitischen Maßnahmen weitaus weniger
erfolgreich ist als beispielsweise in den demokratischen Industrieländer
Nordeuropas.
Grundsätzlich ist davon
auszugehen, daß die Herstellung, der Gebrauch, die Verwertung sowie die
Entsorgung aller Güter mit dem Auftreten von Umwelt Störpotentialen
verbunden sind. Diese sind jedoch nur in einem begrenzten zeitlichen und räumlichen
Abschnitt sowie auf einem kurzen Stück der Wirkungskette bekannt. Damit
kann der Einfluß von Stoffen auf die Umwelt wie folgt beschrieben werden:
1 .Jede
Art der Materialnutzung, ob Verbrauch oder Translokation im
Produktionsprozeß, erzeugt ein gewisses Schadenspotential. Unter
Translokationen werden dabei die vom Menschen bewegten Massen verstanden,
die keinen direkten ökonomischen Nutzen haben, wie etwa Abräume und
abgeleitetes Wasser im Bergbau, Erosion, etc.
2.
Die direkte biochemische Wirkung auf die Umwelt ist abhängig von
dem Schadenspotential oder der Toxizität pro Einheit Produkt,
multipliziert mit der Gesamtmenge des in die Umwelt freigesetzten
Produkts. Diese beiden Faktoren spielen für die gesamte genutzte
Materialmenge eine entscheidende Rolle. Die Reduzierung der
Ressourcennutzung ist ein wichtiger Schritt in die Richtung der
Verringerung zukünftiger Schadenspotentiale.'
In diesem Sinne bedeutet
die Reduzierung der Materialmenge für die Ressource Wasser: Je weniger
Wasser für die Erstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung
genutzt und dabei verschmutzt wird, desto weniger muß auch in den
nachsorgenden Umweltschutz und zur Aufbereitung von Wasser investiert
werden. Gerade in einem sich rasch industrialisierenden Land wie China
sind deshalb ökoeffiziente Produkte und Dienstleistungen erforderlich,
die so wenig Material wie möglich benötigen und damit auch einen
wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Wassernutzung und -verschmutzung
leisten.' Diese Güter und Dienstleistungen sollten in ein integriertes
Gesamtkonzept von der Wasserversorgung bis zur Abwasserentsorgung
eingebettet sein.
China gehört mit 2.304
Kubikmeter Wasservorkommen pro Kopf zu den wasserarmen Ländern der Welt.
Die Wasserressourcen in China sind zwar doppelt so hoch wie in Deutschland
mit 1. 172 Kubikmeter pro Einwohner,' allerdings sind die Wasservorkommen
in China regional und saisonal äußerst ungleich verteilt; gerade in
Ballungsgebieten mangelt es an sauberem Trinkwasser.
In den nördlichen
Wasserregionen Chinas stehen der Bevölkerung nur 750 Kubikmeter Wasser
pro Kopf zur Verfügung, das sind ein Fünftel der Wasserressourcen Südchinas.'
Der Süden Chinas verfügt über 81 Prozent des gesamten chinesischen
Wasseraufkommens und es leben dort gut 55 Prozent der Bevölkerung. Das
bedeutet, daß im Norden 43 Prozent aller Chinesen mit nur 14 Prozent der
Wasserressourcen des Landes auskommen müssen. Zudem sind die Regenfälle
saisonal stark schwankend. Beispielsweise fallen am Hai-Fluß 70-80
Prozent des jährlichen Regens in den drei Monaten von Juni bis August.'
In Nordchina leiden
insbesondere die städtischen Gebiete unter großer Wasserknappheit. Die
geringsten Wasservorkommen hat die Millionenstadt Tianjin im Nordosten
Chinas, wo für die gesamte Fläche der Stadt jährlich insgesamt nur 2,1
Kubikmeter Wasserressourcen zur Verfügung stehen.`
Die jährlichen
Wasserressourcen sind in der Abbildung 2 für die einzelnen chinesischen
Provinzen sowie die Städte Beijing, Tianjin und Shanghai graphisch
dargestellt. Im Unterschied zur Abbildung 1 sind in der nachfolgenden
Abbildung 2 die Wasserressourcen für die Fläche dargestellt, unabhängig
von der Bevölkerungsdichte.
2.1 Die Qualität des Wassers
in China
Nach
offiziellen chinesischen Angaben hat die Verschmutzung aller Flüsse, Seen
und Küstengewässer Chinas im Jahre 1996 gegenüber dem Vorjahr weiter
zugenommen. Das Wasser von 78 Prozent der Flüsse, die durch Städte fließen,
war nicht mehr trinkbar und 50 Prozent des Grundwassers in Städten waren
verschmutzt."
Die Ergebnisse chinesischer Meßstationen
über die weitere Verschlechterung der Flußwasserqualität von 1995 gegenüber
1996 stellt sich wie folgt dar:
Tab. 1: Wassergüte der
chinesischen Flüsse
Wassergüteklasse
Anteil der Flüsse (in Prozent)
1996
1995
1 und 11
32,2
38,8
111
28,9
33,7
IV und V
38,9
27,5
1995 hatten noch fast 39
Prozent der sieben großen Flüsse eine Wasserqualität der Kategorie 1
und 11, während es 1996 nur noch gut 32 Prozent waren. Der Kategorie 111
waren 1996 fast vier Prozentpunkte weniger als 1995 zuzurechnen, so daß
1996 fast 40 Prozent des Flußwassers in städtischen Flußabschnitten den
Kategorien IV und V entsprachen' In den nachfolgenden Jahren hat sich die
Wasserverschmutzung weiter erhöht. So erklärte 1999 ein Vizeminister der
State Environmental Protection Administration (fortan: SEPA), 63,1 Prozent
der Gewässer der sieben großen Flüsse sowie der Seen Taihu, Dianchi und
Chaohu hätten eine Qualität von IV, V, und V minus."
2.2 Wassermangel als Folge
schlechter Wasserqualität
Das chinesische
Wasserministerium schätzte den jährlichen Wassermangel für China im
Jahre 1996 auf 60 Milliarden Kubikmeter. Dieser sei zu 60-70% auf
Verunreinigung zurückzuführen' Die SEPA erklärte 1999, die Messungen in
668 Städten hätten für über 300 Städte eine nicht ausreichende
Versorgung mit Trinkwasser ergehen.` Im Jahre 1995 hatten noch 93 Prozent
der städtischen und 85 Prozent der ländlichen Bevölkerung Zugang zu
sauberem Trinkwasser,` dazu waren jedoch erhebliche Wasseraufbereitungen
erforderlich, denn bei 78% der Frischwasserquellen in den städtisch
industriellen Ballungsgebieten lagen die Wasserbelastungen weit über den
zulässigen Werten.`
Chinesische Berechnungen
haben ergeben, daß China aufgrund der Wasserverschmutzung bereits 1992 ökonomische
Verluste in Höhe von 7,2 Mrd. DM erlitten hat. Diese Verluste verteilten
sich folgendermaßen: Gesundheitsschäden 3,9 Mrd. DM, Industrie 2,8 Mrd.
DM sowie Landwirtschaft, Vieh- und Fischzucht 0,5 Mrd. DM.18
Der Wassermangel in China
wird nach Ansicht der Weltbank durch den äußerst schlechten Zustand der
Wasserwirtschaft und mangelnde infrastrukturelle Investitionen in diesen
Sektor erheblich verstärkt. Die Anlagen der Wasserver- und
Abwasserentsorgung seien veraltet, unzureichend ausgelegt und vor allem höchstgradig
defekt)`
Eine Studie der
chinesischen Staatlichen Planungskommission, in der 270 Städte mit großem
Wassermangel untersucht wurden, führte zu folgenden Ergebnissen:
Gemessen an den heutigen
Verbrauchsstrukturen der Wirtschaft und der privaten Haushalte hatten nur
136 Städte tatsächlich keine ausreichenden Wasserressourcen zur Verfügung.
In 110 der untersuchten Städte führte insbesondere die mangelhaft
ausgebaute Wasserwirtschaft und in 74 Städten zudem die hohe
Wasserverschmutzung zu dem akuten Wassermangel."
3 Gewässerschutz im Rahmen der
chinesischen Umweltpolitik
Jahrzehntelange Plan- und
Staatswirtschaft mit dem Erbe einer massiven preislichen Unterbewertung
der natürlichen Rohstoffe haben das einst so sparsame chinesische Volk zu
großen Verschwendern von Ressourcen, nicht nur von Wasser, sondern auch
von Energie und anderen Rohstoffen werden lassen. Diese Preise nun
zumindest auf das Niveau derzeitiger Knappheitsbedingungen in China
anzuheben wird, mit Rücksichtnahme auf die Sozial- und
Wirtschaftspolitik, nur äußerst zögerlich von der Regierung
vorgenommen.` Anders ist dieses in den "umweltpolitischen Modell-Städten"
wie beispielsweise Shenzhen, wo die Erhöhung der Wasserpreise sogar mit
progressiven branchen- und mengenorientierten Tarifen praktiziert wird.`
Wenngleich die Umsetzung
der Umweltgesetzgebung in der VR China im Vergleich zu derjenigen in den
OECD-Ländern noch weit zurückliegt, sollte nicht übersehen werden, daß
China unter den asiatischen Nachbarländern abgesehen von Japan und
Südkorea - Vorreiter in der Umweltpolitik ist.`
Dazu ist China jedoch erst
in den vergangenen fünfzehn Jahren allmählich geworden. Zwar hatte China
direkt im Anschluß an die Weltumwelt-Konferenz 1972 erste Erlässe zur
Wasseraufbereitung am Sang-Gang-Fluß, dem wichtigsten Fluß für die
Trinkwasserversorgung von Beijing, erarbeitet. Aber in dieser Zeit war
China noch von der Kulturrevolution gelähmt, und der Bau des Klärwerkes
kam nicht voran. Erst seit der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik
ab Ende der siebziger Jahre erhielt die Umwelt endlich auch eine
politische Dimension. In ihrem Gefolge wurden mehr als 150 Millionen
Menschen vom Lande in die Städte gedrängt, wo die schnelle
Industrialisierung gute Arbeitsmöglichkeiten bot. So wuchs einerseits der
Wohlstand, andererseits entwickelten sich die urbane Überbevölkerung und
die Umweltverschmutzung zu einem Problem, welches den chinesischen Staat
endlich zum Aufbau einer umfangreichen Gesetzgebung für den Umweltschutz
bewegte.`
Die für die
Wasserwirtschaft wichtigen umweltpolitischen Meilensteine sind in der Übersicht
1 dargestellt.
Übersicht 1: Meilensteine im Aufbau des Gewässerschutzes in der VR China
1979
"Gesetz für den Umweltschutz"
1982 "Gesetz für den
maritimen Umweltschutz"
1984 "Gesetz
zur Verhinderung und zur Kontrolle der Wasserverschmutzung"
"Gesetz
für den Umweltschutz"
1992 China erstellt, als eine der ersten Nationen, im Anschluß an die Rio-Konferenz
eine Agenda 21, die auch die Wasserwirtschaft betrifft.
1996 Staatsrat verkündet
"Neunter Fünfjahresplan für den Schutz der Umwelt bis zum Jahr 20
10 "
1996
Überarbeiteter Erlaß "Vermeidung der Wasserverschmutzung und
Kontrolle der Flußgebietsverschmutzung zur stärkeren Regulierung und
Kontrolle von Trinkwasserressourcen"
1996 "Erlaß zur Kontrolle
der Wasserverschmutzung"
1996 Aufstellung von
Maßnahmen zur Wassereinsparung im Rahmen der Agenda 21 und des
"Nationalen Plans für mittel‑ und langfristige Wasserversorgung"
Quelle: China Environmental Yearbook 1996, 1997; World Bank: Clear Water,
Blue Skies: Chinas Environment in the New Century, Washington 1997
4
Die Verwaltung der staatlichen
Umweltpolitik in China
Dem Umweltschutz wird von
der Regierung in Beijing zunehmend Bedeutung beigemessen und so erhielt
die nationale Umweltbehörde im Jahre 1998 den Status eines Ministeriums
und wurde in State Environmental Protection Administration (SEPA)
umbenannt. Die SEPA ist dem Staatsrat unterstellt und ist zuständig für
die Erarbeitung der umweltpolitischen Strategien und Maßnahmen,
Formulierung von Gesetzen und Umweltstandards, Koordination der
untergeordneten Umweltüberwachung sowie für den Vollzug der
Umweltnormen.
Wie in vielen anderen Ländern
auch, ist in China die Umsetzung der Umweltpolitik schwierig. Zwar hat die
SEPA in den vergangenen Jahren gemeinsam mit de Ministerien in den
Provinzen große Fortschritte in der Umweltgesetzgebung und der
technischen Umweltüberwachung erzielt, aber die Durchsetzung der
Umweltpolitik erfolgt auf lokaler Ebene zur zögerlich. Da in China zunächst,
die sogenannten end-of-the-pipe Technologien wie Klärwerke,
Filterinstallationen, Entschwefelungsanlagen etc. im Zentrum der
umweltpolitischen Maßnahmen stehen und diese einen erheblichen
Kostenfaktor darstellen, befinden sich die lokalen Verwaltungen häufig in
dem Konflikt, entweder die Umwelt, oder die Finanz- und Beschäftigungssituation
eines Betriebes schützen zu müssen. Da der politische Druck zur
Durchsetzung von Umweltmaßnahmen bisher noch gering war und die Preise für
Wasser, aber auch für Energie äußerst gering sind, fehlen größtenteils
die Anreize zur Einsparung dieser knappen Ressourcen und werden die
erforderlichen Umweltschutzmaßnahmen in den Unternehmen bei neuen
Investitionen häufig nicht vorgenommen.
Staatliche
Industrieunternehmen werden regelmäßig und recht intensiv hinsichtlich
der Einhaltung von Umweltnormen kontrolliert. Kleine und mittlere,
meistens private oder kollektive Unternehmen, werden größtenteils nur
ein- bis zweimal im Jahr kontrolliert, derweil gerade diese Betriebe die
Hauptverursacher der Umweltverschmutzung sind. Diese geringen
Umweltkontrollen sind auf die mangelhafte Organisationsstruktur,
finanzielle Ausstattung und das häufig fehlende Durchsetzungsvermögen
der Umweltsituation auf lokaler Ebene zurückzuführen. Die SEPA kennt
diese Probleme selbst am besten und schreibt in ihren Jahrbüchern immer
wieder, daß sich die Durchsetzung der Gesetze und Vorschriften weiter
verbessert habe. Es ist zu hoffen, daß die lokalen Umweltämter personell
und technisch derart ausgestattet werden, daß sie ihre Aufgaben tatsächlich
wahrnehmen können.
Zur Verbesserung der
umweltpolitischen Ergebnisse und damit auch der Wasserqualität wäre es
zudem nötig, eine Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den
verschiedenen Institutionen, Ministerien, Abteilungen etc. zur Umsetzung
der politischen und technischen Maßnahmen zu erreichen. Allerdings ist
nicht zuletzt aufgrund des konfuzianisch geprägten Hierarchieverständisses
die Bereitschaft zum Gespräch mit anderen Abteilungen oder gar
Ministerien in China noch immer kaum gegeben. Ein solcher Schritt wird nur
unternommen, wenn die höhere Hierarchieebene diesen initiiert oder
explizit anordnet. Deshalb ist der - auch in Deutschland häufig beklagte
- Ressort-Egoismus der Behörden in China noch viel stärker als bei uns
ausgeprägt. Diese Kommunikations- und Kooperationslücke zu schließen wäre
hilfreich, um die Durchsetzungskraft der SEPA zu erhöhen und damit auch
integrierte Lösungen für den Wassersektor in China zu ermöglichen. In
der Vorbereitung des zehnten Fünfjahresplanes wurde die SEPA Ende 1999
vom Staatsrat aufgerufen, eine neue Strategie zur Verbesserung des
Umweltschutzes in China zu erarbeiten, denn diese soll ein wesentliches
Ziel des Planes sein. Es bleibt abzuwarten, ob auch die integrative Arbeit
zwischen den Behörden gestärkt und damit die Durchsetzungsfähigkeit der
Umweltverwaltung verbessert wird.
In China ist das
Umweltbewußtsein noch nicht besonders weit entwickelt, und anders als in
demokratischen Ländern sehen sich nicht-staatliche Umweltorganisationen
wie beispielsweise "Friends of Nature" in Beijing noch immer
gezwungen, politisch äußerst behutsam vorzugehen. Ihre Mitgliederzahl
ist noch gering und so können sie sich finanziell nur durch ausländische
Unterstützung über Wasser halten."
Inzwischen sehen die
Spitzenpolitiker in Beijing sehr wohl die Notwendigkeit, das Umweltbewußtsein
der Bevölkerung zu stärken, um umweltpolitische Maßnahmen
durchzusetzen.` Daran soll insbesondere der hochrangig besetzte China
Council for International Cooperation on Environment (CCICED) mitwirken,
in dem die SEPA eine wichtige Rolle spielt. In diesem Umweltbeirat
erarbeiten chinesische und internationale Experten gemeinsame Lösungsvorschläge
für wichtige Probleme in der chinesischen Umweltsituation, die sie dem
chinesischen Staatsrat mit Ministerpräsident Zhu Rongji an seiner Spitze
vortragen.
5
Wasserverwendung und -verschmutzung in der chinesischen
Landwirtschaft
Mit 38 Prozent hat der Agrarsektor in China einen hohen Anteil am
Bruttosozialprodukt, dafür verwendet die Landwirtschaft jedoch auch 87
Prozent der chinesischen Frischwasserentnahmen. Nach Einschätzung der
Weltbank liegt dieser Verbrauch derart hoch, weil das veraltete
Grabensystem zur Irrigation der Felder größtenteils in schlechtem
Zustand ist, wodurch rund sechzig Prozent des in der Landwirtschaft
benutzten Wassers ungenutzt versickern."
Die chinesische Regierung
versucht, dieses Problem mit Demonstrationsprojekten zur Wassereinsparung
in der landwirtschaftlichen Bewässerung anzugehen. 1997 waren bereits 13,33 Millionen
Hektar Land in Pilotprojekte zur Wassereinsparung einbezogen. "
Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den israelischen Erfahrungen mit der
Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft geschenkt.
Die Landwirtschaft ist
jedoch nicht nur der größte Wasserverbraucher in China, sie hat auch
einen erheblichen Anteil an der Umweltverschmutzung. Einhergehend mit den
wirtschaftlichen Reformen hat die Verwendung von Kunstdüngern und
Pestiziden drastisch zugenommen. 1978
betrug die Einbringung von chemischem Dünger 115 kg pro Hektar und
stieg auf 255 kg im Jahre 1988' Seitdem
hat der Düngerverbrauch um weitere 70 Prozent zugenommen, und auch die
Verwendung von Pestiziden stieg seit Mitte der achtziger Jahre um jährlich
drei Prozent.` Eingesetzt werden vor allem Düngemittel auf
Stickstoffbasis sowie ein besonders preisgünstiger Dünger auf Basis von
Ammonium Bicarbonat (ABC), der schnell aus dem Boden ausgewaschen wird und
somit eine große Belastung der Flüsse und des Grundwassers darstellt.
Darüber hinaus tragen die
Viehzucht und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zur
Verschmutzung der Gewässer ganz erheblich bei. Eine Studie über den
Yangzi-Fluß und die Bucht von Hangzhou bestätigt dieses: In den Nährstoffen
aus den Düngemitteln bestand die größte Bedrohung des ökologischen
Gleichgewichts. Das Verhältnis von Stickstoff zu Phosphor, das einen
Quotienten von 16 haben sollte, lag für den Yangzi-Fluß zwischen 80-160
und in einigen Gebieten der Bucht bei über 300.
Als eines der ersten
Zeichen des Umdenkens ist eine Ankündigung der chinesischen Regierung von
Anfang 1998 zu werten, demgemäß die gesamte Landwirtschaft der Provinz
Jiangsu allmählich auf sogenannten biologischen Anbau ohne den Einsatz
von künstlichen Düngemitteln umgestellt werden soll' Auch im zehnten Fünfjahresplan
soll dem biologischen Anbau eine große Bedeutung zugemessen werden
6 Wassernutzung in der
chinesischen Industrie
Die
chinesische Industrie hat einen Anteil von 48 Prozent am
Bruttosozialprodukt und verwendet sieben Prozent der jährlichen
Frischwasserentnahmen Da sich die Industrie vor allem in Städten und
deren Umland befindet, ist sie wesentlicher Verursacher für die
Verschmutzung der urbanen Flussabschnitte (s. Abbildung 3). Verantwortlich
in der chinesischen Industrie sind insbesondere veraltete Anlagen, nicht
vorhandene und unzureichende Umweltschutzmaßnahmen sowie der mangelnde
Anreiz zur Ressourceneinsparung.
6.1 Wassereinsparung in
der chinesischen Industrie
Erst
allmählich werden in der Industrie Bemühungen zur Wassereinsparung in
Angriff genommen. So liegt die industrielle Wiederverwendungsrate des
Wassers in China mit derzeit rund 40 Prozent, verglichen mit einer
Wiederverwendungsrate in OECD-Ländern von 70 Prozent, extrem niedrig. Allerdings
ist diese Rate extrem abhängig von der Industriestruktur und dem Anteil
ausländischer Investitionen. Beispielsweise ist in einigen
Industriebranchen in Shenzhen die Wiederverwendungsrate niedriger als in
Deutschland, weil besonders wasserintensive Produktionsunternehmen nicht
ansässig sind."
Das Wuppertal Institut hat
an diversen Beispielen gezeigt, daß mit der Hälfte des
Ressourceneinsatzes der doppelte Ertrag erzielt werden kann, was einem
Faktor vier entspricht.` Dieser "Faktor Vier" könnte angesichts
der extrem niedrigen ökonomischen und ökologischen Effizienz bei der
Nutzung der knappen Ressource Wasser in China in vielen Bereichen leicht
erzielt werden. So wurde in einer Studie für die EU‑Kommission
nachgewiesen, daß Shenzhen fast vier Prozent des Wasserverbrauchs der Special
Economic Zone einsparen könnte, wenn die Hotels einfache,
wassersparende Installationen und Verfahren einführen würden. Auch der
Flughafen von Shenzhen könnte durch ähnliche Maßnahmen 62 Prozent
seines jährlichen Wasserverbrauchs einsparen. Allerdings ist trotz
erheblicher Preiserhöhungen für die Trinkwasserversorgung im Jahre 1999
die Amortisationsdauer in Shenzhen noch zwei- bis dreimal so lang wie in
Deutschland, weil die Wasserpreise im internationalen Vergleich noch immer
besonders niedrig sind.
In einem Projekt des UNEP
(United Nations Environment Programm) wurde zum Thema "Cleaner
Production in China" mit dreitausend chinesischen Betrieben
errechnet, wie hoch die Einsparungen von Ressourcen und Finanzmitteln beim
Einsatz von no and low cost
options wären. So wurde beispielsweise mit der Shaoxing Seidendruck
und -färberei Gruppe kalkuliert, daß sie beim Einsatz von öko-efflzienter
Technologie ihr Abwasservolumen um 30 Prozent reduzieren könnte. Die
reduzierten Abwasserkosten würden zu einer jährlichen Einsparung von
14.000 US$ führen. Bei einer errechneten Investitionssumme für die neuen
Anlagen von 13.000 US$ amortisierten sich die Investitionen bereits in
weniger als einem Jahr."
Die chinesische Regierung
hat inzwischen in einigen Städten "Centres for the Promotion of
Greener Industry" eingerichtet. In Shanghai ist dieses Zentrum direkt
der Wirtschaftskommission unterstellt und kann dadurch die
Industrieunternehmen bei der Einführung von Cleaner
Production Technology & Know How direkt beraten und unterstützen.
Noch sind diese Zentren im Aufbau begriffen, aber sie weisen die
Unternehmen und die Entscheidungsträger in der Politik in die richtige
Richtung.
6.2 Ressourcen effiziente
Produkte für chinesische Unternehmen
Die Eigentumsverhältnisse
der chinesischen Industriebetriebe haben sich in den vergangenen zehn
Jahren stark verändert. Der Anteil von privaten und kollektiven
industriellen Betrieben am Bruttosozialprodukt ist von 35 Prozent im Jahre
1985 auf 78 Prozent im Jahre 1998 gestiegen." Sofern diese
Unternehmen kein Auslandskapital hinzugezogen haben, verfügen sie, wie
der Mittelstand in marktwirtschaftlichen Ländern, nicht über eine solide
Finanzbasis. Zudem haben sie viel schwierigeren Zugang zu Krediten und
Fonds als die Staatsbetriebe in China. Aus Kostengründen stellen deshalb
nachsorgende Umwelttechnologien wie Filter etc. eine schwer zu bewältigende
Investitionsbarriere für sie dar.
Der zunehmende Druck, umweltschützende
Maßnahmen zu ergreifen, kommt in China nicht von den chinesischen
Verbrauchern, sondern durch den internationalen Wettbewerb, durch
Umweltstandards wie ISO 14000, oder erwächst künftig auch aus
Anforderungen durch den WTO-Beitritt. Solange aber Umwelttechnik für die
kleineren Unternehmen nur ein Kostenfaktor ist, werden sie versuchen,
sowenig wie möglich in den betrieblichen Umweltschutz zu investieren. Nur
wenn mit Umweltschutz eine Verbesserung ihrer Wettbewerbssituation
verbunden ist, besteht für diese Unternehmen ein Anreiz, sich darum zu
bemühen. Vor allem Investitionen, die ressourceneffizient sind und
dadurch sowohl ein ökologisches als auch ein ökonomisches
Einsparpotential darstellen, sind für chinesische private und
kollektive Betriebe von großem Interesse.
Die Emissionswerte der großen,
staatlichen Industriebetriebe werden nicht nur stärker kontrolliert, sie
werden aufgrund der besseren Finanzlage, und damit auch Ausstattung mit
Umweltschutzanlagen, im allgemeinen besser eingehalten. Deshalb ist es für
Ausländer leichter möglich, mit diesen Unternehmen im Bereich der
nachsorgenden Umwelttechniken zusammenzuarbeiten. Mit zunehmender Kenntnis
der internationalen Umweltpolitik und -technik bevorzugen aber auch diese
Staatsuntemehmen sogenannte win-win-Situationen, d.h. Investitionen in
Anlagen, die einen ökologischen und ökonomischen Vorteil aufweisen.
6.3
Einzelne staatliche Maßnahmen gegen industrielle
Wasserverschmutzung
Was die Importpolitik der
chinesischen Regierung anbelangt, so gibt es dort inzwischen Zeichen des
Umdenkens: Bereits im März 1.996 wurde beispielsweise von der SEPA eine
"Notnotiz zur Verhinderung des Imports kleiner Pappe‑ und
Papierfabriken, die starke Umweltverschmutzung verursachen,"
erlassen.` Es ist jahrelange Praxis der chinesischen Behörden, besonders
willkommene Technologien mit Steuervergünstigungen ins Land zu locken.
Die Umkehr zu einem direkten Verbot von umweltbelastenden Produkten ist
jedoch eine neue Tendenz, die für die deutsche Exportwirtschaft durchaus
positiv sein könnte, denn umweltfreundliche Produkte und
Produktionsverfahren sind zunehmend eine Stärke deutscher Unternehmen.
Aber leider überziehen
die chinesischen Umweltbehörden manchmal auch in ihren Reaktionen: Weil
der Hai-Fluß im Jahre 1996 in einigen Abschnitten toxisches Wasser führte,
wurde staatlich eine Verbesserung der Wasserqualität angeordnet.
Daraufhin wurden 1997 wegen der hohen Emissionsquoten der kleinen Betriebe
alle Papierfabriken entlang des Hai-Flusses mit einem Jahresumsatz von
unter 5000 Tonnen geschlossen. Diese Schließungen mögen in vielen Fällen
berechtigt gewesen sein, nur wurden die tatsächlichen Emissionswerte der
einzelnen Betriebe überhaupt nicht berücksichtigt. Diese Maßnahmen
werden von privatwirtschaftlich orientierten Umweltschützern wegen der
Vernichtung von privatem Kapital und der negativen Auswirkungen auf die
Beschäftigung als ein Beispiel für die Unzulänglichkeiten der Umweltbehörden
heftig kritisiert.` Mit solchen radikalen Aktionen wird zwar ein schneller
Erfolg zur Reduzierung der Emissionen erzielt, aber es werden kaum neue
Strukturen für eine ressourcen-schonende Produktion vorgegeben.
7 Wasserbedarf
der privaten Haushalte
Nicht
nur die Landwirtschaft und die Industrie, sondern auch die chinesischen
Haushalte haben einen steigenden Wasserbedarf Während der
durchschnittliche urbane Wasserverbrauch in China 1989 noch 172 Liter pro
Person und Tag betrug, hatten 1995 wasserarme Städte wie Tianjin und
Beijing bereits einen Verbrauch von 197 Liter sowie 298 Liter, während
Shenzhen und Guangzhou sogar 375 Liter bzw. 515 Liter benötigten (siehe
Tabelle 2: Wassernutzung in chinesischen Städten). Im Vergleich dazu
liegen die Durchschnittswerte in deutschen Städten mit 127 Litern
deutlich darunter.
Tab. 2:
Wassernutzung in chinesischen Städten im Jahre 1995 (in Litern pro
Person und Tag)
Changchun
190
Lanzhou
179 Chengdu
205
Jilin
151
Handan
226 Chongqing
153
Shenyang 263
Zhengzhou
169 Changsha
315
Dandong 137
Xi'an
138 Guangzhou
515
Beijing
298
Hefei
224 Shenzhen
375
Tianjin
197
Wuhan
304 Haikou
250
Quelle: X.R. Cao: Investigation, Utilization and Forecast of Urban Water
Resources, Chinese Environmental Science Press, 1998 (chin. Sprache); Hou
Jie (cd.): Development Plan of Technological
Progress on Water Conservation of Chinese
Citiesfor 2010, Shanghai: Wenhui Press, 1998.
Die
chinesische Planung geht für das Jahr 2000 von einem urbanen
Wasserverbrauch von rund 240 Liter und für 2010 von 260 Liter aus."
Diese Planzahlen sollten jedoch dringend reduziert werden, denn sie
spiegeln weder das Einsparpotential aus wassereffizienter Technologie und
sparsamer Wassernutzung wider, noch können die knappen chinesischen
Wasserressourcen den wachsenden Bedarf der chinesischen Gesellschaft
decken.
7.1 Wassereinsparung in
urbanen Gebieten
Beispielhaft auch für
chinesische Wassereinsparungen in urbanen Gebieten könnten die Kampagnen
und Wassereinsparprogramme der Städte Frankfurt und Hamburg sein. So hat
die Stadt Frankfurt den Trinkwasserverbrauch von insgesamt 63 Mio.
Kubikmeter um 12 Mio. reduziert, wodurch inzwischen jährlich zwanzig
Prozent Wasser eingespart werden können.`
Auch die Stadt Beijing,
die für die nächsten drei Jahre einen Wassermangel von 500 Millionen bis
1 Milliarde Kubikmeter Wasser erwartet, hat schon Erfolge mit ihren
Wassereinsparprogrammen vorzuweisen: Bei einer jährlichen
Trinkwassernutzung von 730 Millionen Kubikmetern wurden 1997 gut 43
Millionen Kubikmeter Wasser gegenüber dem Vorjahr eingespart. Das sind 19
Prozent. Die industrielle Wiederverwendungsrate des Wassers konnte von
unter 50 Prozent auf angeblich fast 85 Prozent erhöht werden."
Wesentlich für diesen
Erfolg in Beijing ist das zunehmende Umweltbewußtsein der Bevölkerung.
Untersuchungen der Weltbank haben ergeben, daß die Beschwerden über
Umweltvergehen in Städten mit höherem pro-Kopf-Einkommen zahlreicher
sind als in ärmeren Gebieten. Die Regierungsstadt Beijing hat sowohl das
landesweit höchste Bildungs-, als auch ein vergleichsweise hohes
Wohlstandsniveau. Das zunehmende Umweltbewußtsein in China spiegelt sich
insbesondere in den schriftlichen Beschwerden aus urbanen Gebieten wider:
In den vergangenen drei Jahren nahmen diese von 55.000 auf über 100.000
pro Jahr zu."
Angesichts der
Wasserknappheit in den chinesischen Großstädten müßten die
Anstrengungen zur Wassereinsparung deutlich vergrößert werden. Ausgehend
von den Bedürfnissen der Verbraucher sollte eine integrierte
Ressourcenplanung (IRP) vorgenommen werden, bei der so wenig Wasser und
andere Ressourcen wie möglich von der Wassergewinnung bis hin zur
Abwasserentsorgung in Anspruch genommen werden. Konkrete Maßnahmen
für private Haushalte wären die Trennung von Trink- und Brauchwasser,
Aufbereitung von Grauwasser zur Nutzung als Brauchwasser, wassersparende
sanitäre Installationen, aber auch dezentrale Abwasserbehandlungen,
sofern sie unter Berücksichtigung der Materialintensitäts-Analyse
vorteilhaft sind.`
Die chinesische Regierung
ist an derartigen Maßnahmen äußerst interessiert'. Gemeinsam mit
chinesischen und europäischen Partnern hat das Wuppertal Institut Mitte
1999 Methoden und Maßnahmen zur Umsetzung von Ressourceneinsparung in der
Sonderwirtschaftszone Shenzhen vorgelegt. Diese Studie wurde von der Europäischen
Union gefördert.`
8
Wasserpreise in China
Der alte
staatswirtschaftliche Schlendrian spiegelt sich in China noch immer in
tropfenden Wasserhähnen und Leitungen wider. Insbesondere niedrige
Wasserpreise sind mitverantwortlich für das rücksichtslose
Verbraucherverhalten.
Die Wasserpreise in der VR
China sind regional äußerst unterschiedlich. So variierte der
Wassertarif beispielsweise in der wasserarmen Provinz Hebei im Jahr 1996
zwischen 0,56 Yuan (0, 11 DM) und 0,63 Yuan (0, 13 DM) pro Kubikmeter. Die
privaten Haushalte zahlten 0,40 Yuan, Regierungsorgane 0,60 Yuan, die
Industrie zwischen 0,70 Yuan und 1,20 Yuan, und der Handel zwischen 1,20
Yuan und 2,50 Yuan. In der City der Sonderwirtschaftszone Shenzhen lagen
die Preise im Jahr 1998 für die Industrie bei 1,70 Yuan und für den
Bausektor sowie den Handel bei 2,1O Yuan. Für die privaten Haushalte
wurde folgende, sinnvolle Staffelung für die Verbräuche eingeführt: Bei
einem Verbrauch bis 30 Kubikmeter pro Monat zahlte der Haushalt 1,00 Yuan,
bei darüberliegendem Verbrauch 1,50 Yuan pro Kubikmeter Wasser. Mitte
1999 wurden diese Preise um 25-30 Prozent angehoben."
Diese Wasserpreise sind in
China noch die Ausnahme. Verglichen mit den Gestehungskosten und den
Kosten für Wassereinspartechnologien sind die Wasserpreise im allgemeinen
viel zu niedrig, um Anreize für eine sparsame Wasserverwendung zu
schaffen.
Die chinesische Großindustrie
entnimmt ihr Wasser größtenteils aus eigenen Brunnen. Sie ist noch aus
Zeiten Mao Zedongs an eine gebührenfreie Entnahme gewöhnt und zahlt auch
jetzt -wenn überhaupt- nur extrem niedrige Gebühren für die
Wasserentnahme. Deshalb hat die Weltbank der chinesischen Regierung nicht
nur empfohlen, die Eintreibung der Gebühren zu forcieren, sondern auch
die Wasserpreise deutlich anzuheben.
9 Abwasseraufbereitung und -gebühren
Das
Know-how sowie die technischen Einrichtungen zur Abwasseraufbereitung
Mithilfe von Kläranlagen wurden aus dem Westen übernommen. Erst in den
vergangenen fünfzehn Jahren wurde die Abwasseraufbereitung massiv
vorangetrieben. Die klassische chinesische night
soil Entsorgung in den Städten wurde, einhergehend mit dem Bau von
Hochhaussiedlungen, als veraltet und unhygienisch weitgehend zurückgedrängt,
obwohl diese Art der Entsorgung mit moderner, angemessener Technik im
Hinblick auf einen geschlossenen Kreislauf durchaus sinnvoll wäre.
Im
Landesdurchschnitt werden 79 Prozent
des industriellen Abwassers der regulierten, d.h. meistens staatlichen
Betriebe, behandelt. Auf Kreisebene variiert dieses zwischen 85
Prozent bis zu nur 62 Prozent."
Die dafür vorliegenden Daten umfassen jedoch nur 68.000 staatliche Industriebetriebe. Mehr als 100.000 klein‑
und mittelständische Unternehmen sowie 850.000
industrielle Kollektivbetriebe sind nicht erfaßt. Auch die
Stadt‑ und Dorfbetriebe sind nicht berücksichtigt, deren Abwasser
die chinesische Umweltbehörde im Jahr 1995
auf 5 Milliarden Tonnen schätzte.
In Sonderwirtschaftszonen,
wie beispielsweise Shenzhen, die Vorbildcharakter für das gesamte China
haben sollen, liegt der Anteil des aufbereiteten Industrieabwassers
bereits bei 99 Prozent, wobei 89 Prozent den Abwasserstandards entsprechen. Hier werden
insbesondere die ausländischen Unternehmen in die Pflicht genommen, ihr
Abwasser selbst aufzubereiten.
Die Abwasseraufbereitung
der privaten Haushalte ist in China besonders niedrig. Im
Landesdurchschnitt werden nur sieben Prozent der städtischen Abwasser
durch Kläranlagen behandelt. Selbst in Shenzhen werden weniger als ein
Drittel des Abwassers aus dem tertiären Sektor vor der Einleitung
aufbereitet.
Die wesentlichen Ursachen
der geringen Aufbereitung häuslichen Abwassers liegen in den
unzureichenden staatlichen Investitionen in die Wasserinfrastruktur sowie
in den niedrigen Erträgen aus der Entsorgung. Wie in den meisten
deutschen Kommunen liegen auch in China die Wasserver- und
Abwasserentsorgung nicht in einer Hand. Die Städte haben keinen übergreifenden
Plan zur Integration von Bedarf, Versorgung und Prävention von
Verschmutzung und Umweltkontrolle. Umweltabgaben der Industrie und
Ausgaben für die Entwicklung der Infrastruktur sowie des Umweltschutzes
werden bisher kaum koordiniert. Dadurch fließen den zentralen Ministerien
und den lokalen Behörden keine ausreichenden Finanzmittel zu, um die
erforderlichen Investitionen für den Bau von Klärwerken, oder gar für
Wassereinsparprogramme in den Haushalten, zu ermöglichen.
Ein weiteres Hemmnis für
die Wasseraufbereitung in China ist die mangelhafte Durchsetzung von
Umweltverordnungen. Es werden so wenige öffentliche Investitionen in
Wasseraufbereitungsanlagen getätigt, weil die Abwasserabgaben erst noch
generell in China eingeführt und dann auf ein kostendeckendes Niveau
angehoben werden müssen. Formal ist die Vergabe von Lizenzen für
Abwassereinleitungen zwar bis auf die chinesische Bezirksebene
vorgeschrieben, entsprechende Bestimmungen werden aber nur unzulänglich
durchgesetzt. Das von der chinesischen Regierung unabhängige und von
privaten Unternehmen finanzierte Forschungsinstitut namens UNIRULE in
Beijing stellt für, daß von allen Abgaben für Emissionen in China nur 50-70
Prozent abgeführt werden, weil die Umweltbehörde diese nicht
einzutreiben vermögen. Offenbar liegt dieser Anteil in der
Wasserwirtschaft sogar noch höher."
Fazit:
Integrierte Wasserwirtschaft in China als Herausforderung für
deutsche Unternehmen
Zusammenfassend ist
festzustellen, daß die geringen Wasserressourcen Chinas durch
Verschmutzung und Verschwendung in wichtigen Regionen die weitere
gesellschaftliche Entwicklung begrenzen. China mangelt es nicht mehr an
Gesetzen für die Kontrolle von Emissionen oder den Einzug von Abgaben,
sondern vielmehr an deren Umsetzung auf lokaler Ebene. Die Wasserpreise
und Abwassergebühren sind im allgemeinen viel zu niedrig, so daß weder
genügend Finanzmittel für die wasserwirtschaftliche Infrastruktur zur
Verfügung stehen, noch von diesen Preisen Anreize zum sparsamen Umgang
mit Wasser ausgehen.
Um den Trinkwasserbedarf
zu decken und die Qualität der Seen, Flüsse, Buchten und des
Grundwassers zu verbessern, müßte der gesamte Wassersektor erheblich
saniert und ausgebaut werden. Aufgrund der Hochwasserkatastrophe im Jahr
1998 wird der Wasserwirtschaft im zehnten Fünfjahresplan (2001-2005) große
Bedeutung beigemessen. Dennoch werden die Finanzmittel der Provinzen nicht
ausreichen, um neben der Flutvorsorge auch die Wasserinfrastruktur
angemessen auszubauen. Dazu müssen kostendeckende Abgaben und Gebühren für
die Wassernutzung und Abwasserentsorgung erhoben, eingetrieben und tatsächlich
den Fonds zur Verbesserung der Wasserinfrastruktur zugeführt werden. Aber
Chinas Wasserwirtschaft benötigt nicht nur Finanzmittel. Auch
internationales Know-how ist dringend erforderlich, und deshalb will die
chinesische Regierung auch ausländische Unternehmen finanziell an den Investitionen in der Wasserwirtschaft
beteiligen.1
Bisher sind deutsche
Unternehmen in der VR China zwar bereits in der Abwasserentsorgung im
Geschäft. Die wasserwirtschaftlichen Konkurrenzunternehmen aus den USA,
England und Frankreich zeichnen sich jedoch dadurch aus, daß sie sowohl
die Wasserversorgung als auch Abwasserentsorgung aus einer Hand anbieten können.
Und das ist genau, was China derzeit benötigt: Integrierte Gesamtkonzepte
für die Sanierung sowie den Auf- und Ausbau der Wasserwirtschaft.
Gespräche mit
Wasserministerien, Umweltämtern und Centres for Greener Production haben
ergeben, daß China auch an Wassereinsparmaßnahmen in Industrie, Handel,
Dienstleistung und bei privaten Haushalten äußerst interessiert ist, da
diese dazu beitragen könnten, den Zuwachs des Wasserbedarfs zu reduzieren
und damit die ökonomischen Kosten zu verringern.
Die größere Bedeutung
der Umweltpolitik innerhalb des neuen Fünfjahresplans wird sowohl die
chinesische Wasserwirtschaft als auch die Industrie stärker als bisher
unter Druck setzen, Wasserverbräuche und Emissionen zu reduzieren. Dies
wird nicht nur einen Einfluß auf die Investionen im nachsorgenden
Umweltschutz haben, sondern auch das chinesische Interesse an öko-effizienten
Techniken und Verfahren verstärken, die Wasserverbräuche und
-verschmutzungen schon während der Produktion vermindern.
Zum Ausbau der
wasserwirtschaftlichen Infrastruktur in China ist ein hohes Maß an ausländischen
Know-how erforderlich, wie es in der deutschen Wasserwirtschaft vorhanden
ist. China hat sowohl Bedarf an Anlagenbauern, Betreibern der
Wasserwirtschaft, wie an Produzenten sanitären Produkte u. ä. die
gemeinsam Lösungen für die Sanierungen sowie den Neubau der Wasserver-
und Abwasserentsorgung anbieten können.
Gerade die deutsche
Wirtschaft hat mit ihren in Europa vergleichsweise niedrigen Wasserverbräuchen
in der Industrie und in privaten Haushalten dem chinesischen Markt viel zu
bieten. Das gilt auch für die deutschen Wasserversorgungsunternehmen mit
ihren geringen Wasserverlusten bei der Versorgung.
Die deutschen
Wasserversorger sind im Auslandsgeschäft jedoch wenig erfahren, und
deshalb wäre es für die deutsche Wasserwirtschaft empfehlenswert, wenn
sie sich in einer Art Verbund oder Firmenpool zusammenschließen würde, um
den chinesischen Markt zu erschliessen. Die jüngste Pressekonferenz der
deutschen Verbände ATV, BGW und DVGW im November 1999 in Bonn hat
gezeigt, daß nun die Initiative zur Internationalisierung der deutschen
Wasserwirtschaft gestartet werden soll. Auch wenn der chinesische Markt
eine besonders schwierige Herausforderung darstellt, sollte gerade dieser
jetzt erschlossen werden, denn deutsche Technologie hat in China einen
hervorragenden Ruf und kann der internationalen wasserwirtschaftlichen
Konkurrenz vieles entgegensetzen.
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