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Das Bildungswesen in Tibet

BERLIN - (firstlaw) - Vor der Einbeziehung Tibets in die Volksrepublik China im Jahr 1951, von den Chinesen heute „friedliche Befreiung“ genannt, gab es in Tibet keine Schulen im modernen Sinn. Kein Wunder also, daß die rein weltlichen Fragestellungen zugewandten Chinesen die Einrichtung von Schulen heute zu ihren Wohltaten zählen, wobei nicht einmal ein Verständnis dafür besteht, daß die beste Bildung immer problematisch ist, wenn sie denn aufgezwungen ist. Über 95% der Leibeigenen vor 1951 waren Analphabeten. Auch Bauern und Kaufleute hatten nur eine geringe Bildung. Die „Bildung“ der Oberschicht, des Adels und der Angehörigen der verschiedenen Glaubensrichtungen des Buddhismus war aus heutiger Sicht bis auf wenige Ausnahmen rudimentär und vor allem auf die Religion und Medizin ausgerichtet. Die Einschulungsrate der schulpflichtigen Kinder betrug knapp 2%. Die buddhistische Bildung in den Klöstern war die Hauptform der Bildung. Außerdem gab es einige Schulen von Beamten und private Einklassenschulen. In allen diesen einfachen Schulen lernten insgesamt höchstens 3000 Schüler. Die Schulen in den Klöstern, in denen die Mönche die Lehrer waren und buddhistische klassische Werke die Lehrbücher darstellten, bildeten Kinder zu Mönchen aus. Die Kashag-Regierung Tibets betrieb zwei Schulen, und zwar: die Schule für geistliche Beamte und die Schule für weltliche Beamte. Es gab noch eine Fachschule für Medizin und Astronomie, die ebenfalls von der Regierung betrieben wurde.

Die weltliche Schule wurde von der Rechnungsprüfungsabteilung, einer der zwei großen Abteilungen der Lokalregierung Tibets, geleitet. Ihr Ausbildungsziel war, Kindern von Adligen notwendiges Wissen in den Bereichen tibetische Grammatik und Kalligraphie, Rechnen und Buchhaltung zu vermitteln.

Die privaten Einklassenschulen befanden sich normalerweise in den Städten Lhasa, Xigaze, Zetang und Gyangze. In den Agrar- und Viehzuchtgebieten fand sich kaum eine Schule dieser Art. Die meisten privaten Einklassenschulen konzentrierten sich auf Lhasa. Vor der friedlichen Befreiung gab es in Lhasa etwa 20 private Einklassenschulen, darunter war die Schule Dakangzhalha am berühmtesten.

Moderne Bildung  1952 wurde die Grundschule Lhasa, die erste Schule im modernen Sinn in Tibet, gegründet. Auch in Qamdo und Xigaze wurden nacheinander Grundschulen ins Leben gerufen. Bis Ende 1958 gab es in Tibet 13 staatliche Grundschulen mit 2600 Grundschülern.

Bis 1965 gab es in Tibet mehr als 1800 staatliche und private Grundschulen mit 66 000 Schülern, 4 Mittelschulen und eine pädagogische Fachschule mit mehr als 15 000 Schülern. Die Tibetische Nationalitäten-Hochschule, die erste Hochschule in Tibet, hat mehr als 3000 Studenten.

1984 hielt die Zentralregierung das 2. Symposium über die Arbeit in Tibet mit dem Bildungswesen im Fokus in diesem Gebiet ab. Es wurde deutlich darauf hingewiesen, daß die tibetische Sprache und Schrift den wichtigsten Unterrichtsinhalt der Schulen Tibets darstellen und die Lehrgänge dem wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungsniveau Tibets entsprechen müssen, und entschieden, daß 19 inländische Provinzen und Städte drei Mittelschulen und 16 Klassen für tibetische Mittelschüler betreiben sollen.

Im Jahr 1984 wurde die Tibet-Universität und im September 1989 die Hochschule für tibetische Medizin offiziell gegründet. Hinzu kommen die Tibetische Nationalitäten-Hochschule und die Hochschule für Agrar- und Viehwirtschaft Tibet. So gibt es derzeit in Tibet insgesamt vier Hochschulen. Die Bildungskommission Tibets hat festgelegt, daß Tibets Hochschulen vor allem Tibeter aufnehmen müssen. Im Jahr 2000 hatte Tibet 4361 Schulen verschiedenen Typs. Neben den vier Hochschulen gab es noch 16 Fachschulen für Pädagogik, Agrar-und Viehwirtschaft, Finanz und Wirtschaft, Sport, Kunst und das Post- und Fernmeldewesen, mehr als  90 Mittelschulen und 4251 Grundschulen, einschließlich von Dörfern betriebenen. Es gab insgesamt mehr als 300 000 Schüler bzw. Studenten in diesen Schulen. Die meisten davon waren Tibeter oder Angehörige anderer nationalen Minderheiten. Das Autonome Gebiet Tibet hat zudem mit 26 inländischen Provinzen und Städten gemeinsam mehr als 100 Fachschulen gegründet. 13 000 Tibeter studierten in anderen Landesteilen Chinas.

Unterstützung der Zentralregierung   Seit den 80er Jahren hat die Zentralregierung ihre Investitionen in die moderne Schulausbildung in Tibet in großem Ausmaß aufgestockt und viele Sondermaßnahmen und Vergünstigungen eingeführt. Sie umfassen:

  • Unentgeltliche Bildung. Die Regierung trägt sämtliche Schulgebühren und Studienkosten für tibetische Schüler und Studenten;

  • Ein Teil der tibetischen Schüler erhält auch kostenlos Verpflegung, Unterkunft und Kleidung. In den Agrar- und Viehzuchtgebieten wurden Internate eingerichtet;

  • In den Mittel- und Grundschulen auf der Ebene von der Gemeinde aufwärts wurden schrittweise Stipendien und Leistungsprämien eingeführt;

Die verschiedenen Schulen sowie Hochschulen nehmen bevorzugt tibetische Schüler bzw. Studenten sowie solche aus anderen nationalen Minderheiten auf;

n mehreren Provinzen und Städten mit relativ guten Bedingungen wurden tibetische Mittelschulen bzw. tibetische Klassen eingerichtet, wo den tibetischen Schülern Sonderbegünstigungen gewährt werden.

Tibetisch als Unterrichtssprache  Im Autonomen Gebiets Tibet wird in den Grundschulen meistens in tibetischer Sprache unterrichtet. An den Mittelschulen sind die Bedingungen in den Bereichen Lehrkräfte, Zusammenstellung und Übersetzung von Lehrbüchern noch nicht gegeben, um den Unterricht in Mathematik, Physik und Chemie generell in tibetischer Sprache erteilen zu können. Deshalb gibt es in der jetzigen Übergangsphase an den Mittelschulen vier verschiedene Klassentypen: 1. Tibetische und chinesische Sprachkurse, alle anderen Fächer werden in Tibetisch unterrichtet; 2. Einige Fächer werden in Chinesisch und andere in Tibetisch unterrichtet; 3. Tibetische Sprachkurse, alle anderen Fächer werden in Chinesisch unterrichtet; 4. Der ganze Unterricht wird in Chinesisch erteilt.

Die Erziehung an den tibetischen Grund- und Mittelschulen hat zum Ziel, daß die Abiturienten der Oberstufe der Mittelschule beide Sprachen beherrschen. In den Mittelschulen mit besseren Bedingungen wird zudem eine Fremdsprache unterrichtet. In den in anderen Provinzen und Städten bestehenden tibetischen Mittelschulen und tibetischen Klassen wird in Tibetisch unterrichtet, und dieser Unterricht wird von aus Tibet entsandten Lehrern erteilt. Entsprechend dem Landeslehrprogramm für allgemeine Mittelschulen und unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Unterrichts für tibetische Schüler arbeiten sie eigene Lehrpläne aus.

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