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BERLIN
- (eberhard j.trempel) - Chinas Bauwirtschaft boomt seit über 20
Jahren und scheint derzeit mit einem jährlichen Wachstum von 30%
gegen den Trend anzuwachsen.
Nicht erst die Entscheidung der chinesischen
Regierung, neue Megastädte zu planen, um die dringend notwendige
Urbanisierung zu fördern macht deutlich, wie wichtig die seit 1978
imposant wachsende Bauwirtschaft Chinas für die Weltwirtschaft ist. Der
derzeit bei nur 30% liegende Urbanisierungsgrad soll in den nächsten 30
Jahren auf 80% ansteigen, was immerhin erkennen lässt, daß die
anhaltende Landflucht erkannt und gelöst werden muß. Vor 1949 lag der
Urbanisierungsgrad noch bei rd. 10%. Innerhalb von 75 Jahren will China
danach die Mehrheit seiner Menschen in den Städten angesiedelt haben, was
vor allem für die dichtbesiedelten Gebiete Ost- und Zentralchinas mit
erheblichen Chancen und Herausforderungen verbunden ist.
Die immer weniger werdenden landwirtschaftlichen
Anbauflächen Chinas – nach wie vor können nur rd. 13% der - stark
erosionsgefährdeten - Fläche Chinas wirklich genutzt werden.
Derzeit leben immer noch ca. 75% der Chinesen auf
dem Land, was rund 900 Mio. Menschen betrifft. Die dringend erforderliche
Modernisierung der Landwirtschaft wird in den nächsten Jahren rd. 500
Mio. Menschen arbeitslos machen. Diese müssen auf andere Weise erfasst
werden. Aus diesem Grunde sieht die chinesische Planung in den nächsten
Jahren die Entstehung von 40 neuen Städten pro Jahr vor. In den nächsten
30 Jahren geht man davon aus, daß China mindestens 30 Städte mit mehr
als 30 Mio. Menschen vorweisen wird.
Die Herausforderungen an die Entwicklung der
Infrastruktur sind gewaltig. Während in den Industrienationen auf 1 Mio.
Menschen durchschnittlich 100 Kläranlagen kommen, sind es in China gerade
mal eine. Der Ausbau der Straßen, die Sicherung des Umweltschutzes, die
Wasserver- und Entsorgung und schließlich die Versorgung von Mensch und
Maschine mit Energie sind die Aufgaben der Zukunft, die nur und allein auf
der Grundlage privater Ko-Investitionen geschaffen werden können.
China kennt keine entwickelte Bauphysik. Wärmeisolierung,
Klimaschutz und sonstige Maßnahmen zur Energieeinsparung und Optimierung
sind weitgehend unbekannt. Eine etwa dem deutschen Standard entsprechende
Baustoffindustrie ist unbekannt. Die Regelwerke für den Ausbau sind noch
immer undurchsichtig und bürokratisch. Immerhin zwingt die geltende
Baugesetzgebung dazu, die Bauvorhaben zwingend mit einem Architekten
abzuwickeln.
Perspektiven für die Bauwirtschaft
Platten-
und Altbaumodernisierung in China Energieeinsparung im Bauwesen
Die
chinesische Regierung verfolgt hochgesteckte Ziele
Chinesen haben Geld. Ganz anders als viele Menschen
in Osteuropa, die aber ebenfalls einen erkennbaren Modernisierungsbedarf
auf fast allen Gebieten haben. Nach dem sich Projektentwicklungen in
Osteuropa in der Vergangenheit als im wesentlichen nicht finanzierbar
erwiesen haben, ergeben sich nunmehr in China ganz neue Chancen. Da die
Gestellungs- und Kaufpreise pro qm in US-§ bemessen werden und weit über
denen in Deutschland liegen, bei geringerer Qualität, muß die Frage
aufgeworfen werden, warum sich die deutsche Bauindustrie und das Handwerk
dem chinesischen Markt nach wie vor entziehen. Dabei ruft der chinesische
Kunde schon seit längerem vor allem deutsche Qualität ab, was zeigt,
welchen Ruf das deutsche Handwerk unabhängig davon genießt, das
Handwerkqualität in Deutschland immer weniger zu finden ist. Das was da
ist, ist aber noch immer besser als das, was der chinesische Markt derzeit
bietet.
Wohnraumprivatisierung in China
Der
chinesische Markt für hochwertige Baustoffe steht vor großen
Zuwachsraten. Interessant für ausländische Unternehmen ist vor allem die
Verbesserung der Qualität im Wohnungsbau, wozu die Behörden durch
Privatisierungen und die angestrebte Einführung marktgerechter Preise
beitragen. Die Geschäftsentwicklung im wichtigen Bereich Hotels und Geschäftsgebäude
leidet hingegen unter hohen Leerstandsraten, wie während des "
Bauzulieferer-Tags China" am 10. April 2000 in Köln deutlich wurde.
Für günstige
Rahmenbedingungen sorgen die zentralen Vorgaben des zehnten Fünfjahresplans
2001 bis 2005, der dem Wohnungsbau eine wichtige Rolle zuschreibt. In den
Städten steigt die Nachfrage weiterhin, zumal deren Bevölkerung in den nächsten
Jahren um rund 100 Millionen Personen wachsen dürfte. Shanghai will 1,5
Millionen Bewohner in die Außenbezirke umsiedeln, und die nordchinesische
Zehnmillionenstadt Tianjin weitet 2000 den Wohnungsbau nach hohen
Steigerungsraten erneut stark aus. Masse statt Klasse - dieses Motto ist
allerdings immer noch das Leitmotiv in vielen Bereichen des chinesischen
Hochbaus.
Dies gilt
auch für die eingesetzten Materialien. Oberste Priorität war lange Zeit,
dringend benötigte Wohnungen schnell und für wenig Geld zu erstellen.
Ein Chinese lebt im Durchschnitt auf rd. einem Fünftel der Wohnfläche,
die einem Deutschen zur Verfügung steht. Lange Zeit hatte keine Seite ein
Interesse an einem hochwertigen (Aus-)Bau der Unterkünfte. Staat oder
Arbeitgeber teilten die Wohnungen als Eigentümer den Bürgern bzw.
Mitarbeitern zu und verlangten nur äußerst geringe Mieten. Der Markt für
hochwertige Baustoffe ausländischer Hersteller beschränkt sich
vorwiegend auf Hotels sowie Einkaufszentren und repräsentative
Verwaltungsgebäude. So kam ein ausländischer Küchenlieferant bei einer
Investition in Shanghai zum Zug, die 90 Hochhäuser umfasste. Der Boom im
Projektgeschäft ist allerdings vorerst abgeklungen.
Neubau und
Renovierung gewöhnlicher Wohnungen werden für die Lieferanten
hochwertiger Baustoffe
interessant,
seit die Behörden den Wohnungssektor verstärkt privatisieren. Da es sich
nun um die eigenen vier Wände handelt, achten die Besitzer weit mehr auf
die Qualität; schließlich will man Fenster, Wasserleitungen und Heizung
nicht schon nach wenigen Jahren wieder herausreißen. Darüber hinaus
haben es sich mittlerweile viele Behörden zum Ziel gesetzt, die marode
Bausubstanz zu verbessern und die Heizungssysteme zu modernisieren.
Strengere Normen bedingen allgemein den Einsatz besserer Baustoffe. Nicht
nur in Tianjin tropft es durch so manches Dach. Dort wollen die
Verantwortlichen darüber hinaus dringend Wasserleitungen abdichten und wärme-
sowie geräuschdämmende Materialien anbringen lassen. Verzerrte
Preisstrukturen machen auch den Lieferanten hochwertiger Heiztechnik zu
schaffen.
Im
winterkalten Nordchina erfolgt die Temperierung der Räume häufig noch
durch Öffnen der Fenster, was bisher billiger kam als der Einbau eines
Reglerventils. Niemand - außer oberen staatlichen Ebenen - hatte ein
ausreichendes Interesse am Sparen von Energie, weil diese zu dem praktisch
kostenlosen Wohnen dazugehörte. Nach den langen Jahren der
Gratisversorgung mangelt es an einem Bewusstsein für den Wert von
Heizenergie. Im Vorfeld der in Tianjin geplanten Ausstattung aller
Wohnungen mit Thermostatventile
n und Heizkostenzählern
erhob eine dänische Abrechnungsfirma 1998 in einer Eigenheimsiedlung im
Voraus eine flächenbezogene Kostenpauschale.
Die
Effizienz der Energienutzung von Heizungen beträgt nach Angaben von
Branchenvertretern nur ein Fünftel des Wertes in Deutschland. Demnach
sind rd. 70 Prozent aller städtischen Haushalte an Fernwärmenetze
angeschlossen, die u.a. wegen schlechter Wohnungsisolierungen und
veralteter Verteilsysteme viel Dampf ablassen. Die schlechte Luftqualität
in Chinas Städten rührt zum großen Teil von den zu 80 Prozent mit Kohle
befeuerten Heizungen her Das inzwischen einsetzende Umdenken seitens der
Verantwortlichen und auch die Schwierigkeiten hierbei verdeutlicht die
Situation in Tianjin. Wie die Vertreter der zuständigen Behörden ausführten,
will die Stadt u.a. eine verbrauchsunabhängige Heizkostenerfassung einführen
und die Heizkostensubventionen "bis Ende 200T völlig abbauen.
Allerdings können die Kosten den Konsumenten zu diesem Zeitpunkt noch gar
nicht zugerechnet werden, denn erst Ende 2000 sollen die Heiztarife und
ein Jahr später die Wärmeabrechnungen administrativ geregelt sein.
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Vor allem der Massenwohnungsbau boomt in China
Seit Mitte 2000 bemüht sich die chinesische
Regierung verstärkt darum, die Bau- und Immobilienwirtschaft für den
privaten Nutzer zu öffnen und zu privatisieren. Bauen hat als
Konjunkturfaktor eine besondere Bedeutung und kann dazu beitragen, den
Binnenmarkt nachhaltig anzukurbeln. Auf diesem Ansatz der Schaffung einer
verstärkten Binnenmarktnachfrage beruht der derzeitige Förderansatz der
Regierung. Die Planungen beinhalten eine gezielte Ankurbelung des
Wohnungsbaus durch die chinesische Regierung. Die durchschnittliche Wohnfläche
pro Kopf soll im Laufe der nächsten 10 Jahre von 10 auf 20 m² verdoppelt
werden (Deutschland: 36 m² Wohnfläche pro Kopf!). Jährlich werden in
ganz China circa 1 Mrd. m² (1000.000.000 m²!) Neubaufläche allein im
Wohnungsbau erstellt. Der Massenwohnungsbau ist daher mittelfristig eine
der zuverlässigsten Wachstumsgrößen im Bauwesen
Derzeit noch
hoher Energieverbrauch
Verglichen mit den westlichen Industrieländern
verbraucht China derzeit noch die dreifache Menge an Energie zur
Beheizung von Wohngebäuden. Das nach 2 Jahren Beratung verabschiedete
erste „Energieeinspargesetz der VR China
“ vom 01.11.1997[2]
hat die Erwartungen an eine dynamische Entwicklung moderner Technologien
zur Steigerung der effizienten Nutzung der Energie nicht ansatzweise erfüllt,
da sich keine Konsequenzen bei einer Nichtbeachtung ergaben.
Die Gründe für den hohen Energieverbrauch
sind:
-
uneffizient arbeitende Systeme aus kleine
Kohleheizkraftwerken
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ungedämmte Außenwände und Rohrleitungen
-
ungedämmte und undichte Fenster und Türen
-
fehlenden Temperaturregelungsmöglichkeiten in den Wohnungen
Seit Anfang der 80er Jahre wird die
Energieeinsparung im Bauwesen vorangetrieben. Ziel: Eine schrittweise
Angleichung an den Verbrauch der westlichen Industrieländer. Der
Energieverbrauch soll in drei Schritten um jeweils 30 % gesenkt werden.
Die Maßnahmen beinhalten:
1. Schritt:
Energieeinsparung von 30 % (Grundlage: Energieverbrauch von 1980), Diese
Forderung wurde 1996 bereits erfüllt
2. Schritt:,
Energieeinsparung von 30 % (Grundlage: Energieverbrauch von 1996), Diese
Forderung ist noch nicht erfüllt, soll aber bis ca. 2005 erreicht werden
3. Schritt:
Energieeinsparung von 30 % (Grundlage: Energieverbrauch von 2005), Diese
Forderung soll ab ca. 2005 eingeführt werden
Schrittweise
Senkung des Energieverbrauchs
Bei der Einführung von Energieeinsparmaßnahmen
soll laut „10. Fünfjahresplan des Bauministeriums zur Energieeinsparung
im Bauwesen“ schrittweise vorgegangen werden:
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Zunächst
nur...
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Später
auch...
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Schließlich...
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im Wohnungsbau
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bei öffentlichen Gebäuden
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im Industriebau
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bei neu zu erstellenden Wohngebäuden
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bei älteren Wohngebäuden mit hohem
Energieverbrauch
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bei allen älteren Wohngebäuden
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nördliche Gebiete, in denen im Winter
geheizt wird
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mittlere Gebiete mit heißem Sommer und
kaltem Winter
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südlichen Gebiete mit sehr heißem Klima
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in größeren Städten
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in kleineren Städten
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auch auf dem Lande
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Technologien
die bis 2005 entwickelt werden sollen
Es wird von Seiten der Regierung ausdrücklich bekräftigt,
dass auch fortschrittliche ausländische Technik zur Energieeinsparung
eingesetzt und weiterentwickelt werden soll. Darunter fallen insbesondere
folgende Bereiche:
1.
Neuartige energiesparende Wärmedämmtechniken und Wärmedämmmaterialien
für Dach- und Wandkonstruktion
2.
Wärmedämm- und Dichtungstechniken für energiesparende
Fenster und Türen
3.
Zentralisierungstechniken zur gemeinsamen Produktion und
Verteilung von Heizwärme, Strom und Kühlung
4.
Temperaturregelungstechniken für Heizsysteme und
Messtechniken zur Erfassung des Energieverbrauchs pro Wohnung
5.
Technologien und Anlagen zur Nutzung von Solarenergie, Erdwärme
und anderer nachwachsender Energien
6.
Energiesparende Gebäudebeleuchtungstechniken und –
produkte
7.
Energiesparende Kühlungstechniken und –produkte
8.
weitere technisch ausgereifte, effiziente
Energieeinsparungs- und Verwaltungs-techniken
Chancen für deutsche Hersteller
-
Das deutsche Energiespargesetz und die DIN Prüf- und
Produktnormung gilt in Chinas als besonders vorbildlich
-
Deutsche Produkte haben in China einen sehr guten Ruf. Sie
stehen allgemein für dauerhafte Zuverlässigkeit und Spitzenqualität
-
Deutschland hat mit der Entwicklung von Niedrigenergie-.
Solar- und Passivhäusern gewaltigen Technologievorsprung gegenüber China
-
Chinesische Experten verfolgen weltweit die aktuelle
Entwicklung im Bereich Energieeinsparung im Bauwesen, v. a. in
Skandinavien, Deutschland und USA
-
Chinesische Experten interessieren sich besonders für
Energiesparmaßnahmen bei der Renovierung von Plattenbauten in
Ostdeutschland, da in China ähnliche Renovierungen anstehen
Facility Management
Ein
Facility-Management nach deutschem
Muster ist in China relativ unbekannt und nur in wenigen Großstädten mit
international tätigen Immobilien- und Projektentwicklern bekannt.
Die Regelung der Verhältnisse der Eigentümer und
Nutzer einer Wohnanlage sind unzureichend. Oft fehlt es überhaupt an
einem Konzept, eine einmal errichtete Anlage zu pflegen oder zu
unterhalten. Schnell wird daher aus einem Neubau ein Altbau: Niemand fühlt
sich berufen, die Verhältnisse der Nutzer zu regeln. Kein Wunder also, daß
bei durchschnittlich deutschen Gestehungskosten von ca. 2.500.-/qm Fläche/Ausbau
in China deutsche Bauqualität in seiner Wohnung wünscht. Derzeit wird
die Bau- und Wohnungswirtschaft privatisiert. Die Chancen für den
deutschen Mittelstand sind grundsätzlich erheblich. Die Risiken sind es
derzeit aber auch.
Rechtsgrundlagen Bauwirtschaft
Das erste chinesische „Baugesetzbuch der VR
China
“[3]
wurde am 01.11.1997 erlassen und trat am 01.03.1998 in Kraft. Das Gesetz
zielt auf die Ordnung am Bau, das Ausschreibungswesen, die Bauaufsicht und
Kontrolle, das Lizenzwesen, die Verwaltung der Qualität
von Bauprojekten sowie die
Sicherheit auf Baustellen.
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