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Wohnraumprivatisierung in China 2001
Berlin/Beijing:
Der
chinesische Markt für hochwertige Baustoffe steht vor großen
Zuwachsraten. Interessant für ausländische Unternehmen ist vor allem die
Verbesserung der Qualität im Wohnungsbau, wozu die Behörden durch
Privatisierungen und die angestrebte Einführung marktgerechter Preise
beitragen. Die Geschäftsentwicklung im wichtigen Bereich Hotels und Geschäftsgebäude
leidet hingegen unter hohen Leerstandsraten, wie während des "
Bauzulieferer-Tags China" am 10. April 2000 in Köln deutlich wurde.
Für
günstige Rahmenbedingungen sorgen die zentralen Vorgaben des zehnten Fünfjahresplans
2001 bis 2005, der dem Wohnungsbau eine wichtige Rolle zuschreibt. In den
Städten steigt die Nachfrage weiterhin, zumal deren Bevölkerung in den nächsten
Jahren um rund 100 Millionen Personen wachsen dürfte. Shanghai will 1,5
Millionen Bewohner in die Außenbezirke umsiedeln, und die nordchinesische
Zehnmillionenstadt Tianjin weitet 2000 den Wohnungsbau nach hohen
Steigerungsraten erneut stark aus. Masse statt Klasse - dieses Motto ist
allerdings immer noch das Leitmotiv in vielen Bereichen des chinesischen
Hochbaus.
Dies
gilt auch für die eingesetzten Materialien. Oberste Priorität war lange
Zeit, dringend benötigte Wohnungen schnell und für wenig Geld zu
erstellen. Ein Chinese lebt im Durchschnitt auf rd. einem Fünftel der
Wohnfläche, die einem Deutschen zur Verfügung steht. Lange Zeit hatte
keine Seite ein Interesse an einem hochwertigen (Aus-)Bau der Unterkünfte.
Staat oder Arbeitgeber teilten die Wohnungen als Eigentümer den Bürgern
bzw. Mitarbeitern zu und verlangten nur äußerst geringe Mieten. Der
Markt für hochwertige Baustoffe ausländischer Hersteller beschränkt
sich vorwiegend auf Hotels sowie Einkaufszentren und repräsentative
Verwaltungsgebäude. So kam ein ausländischer Küchenlieferant bei einer
Investition in Shanghai zum Zug, die 90 Hochhäuser umfasste. Der Boom im
Projektgeschäft ist allerdings vorerst abgeklungen.
Neubau
und Renovierung gewöhnlicher Wohnungen werden für die Lieferanten
hochwertiger Baustoffe interessant, seit die Behörden den Wohnungssektor
verstärkt privatisieren. Da es sich nun um die eigenen vier Wände
handelt, achten die Besitzer weit mehr auf die Qualität; schließlich
will man Fenster, Wasserleitungen und Heizung nicht schon nach wenigen
Jahren wieder herausreißen. Darüber hinaus haben es sich mittlerweile
viele Behörden zum Ziel gesetzt, die marode Bausubstanz zu verbessern und
die Heizungssysteme zu modernisieren. Strengere Normen bedingen allgemein
den Einsatz besserer Baustoffe. Nicht nur in Tianjin tropft es durch so
manches Dach. Dort wollen die Verantwortlichen darüber hinaus dringend
Wasserleitungen abdichten und wärme- sowie geräuschdämmende Materialien
anbringen lassen. Verzerrte Preisstrukturen machen auch den Lieferanten
hochwertiger Heiztechnik zu schaffen.
Im
winterkalten Nordchina erfolgt die Temperierung der Räume häufig noch
durch Öffnen der Fenster, was bisher billiger kam als der Einbau eines
Reglerventils. Niemand - außer oberen staatlichen Ebenen - hatte ein
ausreichendes Interesse am Sparen von Energie, weil diese zu dem praktisch
kostenlosen Wohnen dazugehörte. Nach den langen Jahren der
Gratisversorgung mangelt es an einem Bewusstsein für den Wert von
Heizenergie. Im Vorfeld der in Tianjin geplanten Ausstattung aller
Wohnungen mit Thermostatventilen und
Heizkostenzählern erhob eine dänische Abrechnungsfirma 1998 in einer
Eigenheimsiedlung im Voraus eine flächenbezogene Kostenpauschale.
Die
Effizienz der Energienutzung von Heizungen beträgt nach Angaben von
Branchenvertretern nur ein Fünftel des Wertes in Deutschland. Demnach
sind rd. 70 Prozent aller städtischen Haushalte an Fernwärmenetze
angeschlossen, die u.a. wegen schlechter Wohnungsisolierungen und
veralteter Verteilsysteme viel Dampf ablassen. Die schlechte Luftqualität
in Chinas Städten rührt zum großen Teil von den zu 80 Prozent mit Kohle
befeuerten Heizungen her Das inzwischen einsetzende Umdenken seitens der
Verantwortlichen und auch die Schwierigkeiten hierbei verdeutlicht die
Situation in Tianjin. Wie die Vertreter der zuständigen Behörden ausführten,
will die Stadt u.a. eine verbrauchsunabhängige Heizkostenerfassung einführen
und die Heizkostensubventionen "bis Ende 200T völlig abbauen.
Allerdings können die Kosten den Konsumenten zu diesem Zeitpunkt noch gar
nicht zugerechnet werden, denn erst Ende 2000 sollen die Heiztarife und
ein Jahr später die Wärmeabrechnungen administrativ geregelt sein.
Siehe auch: Bericht
der Delegationsreise 2000
Zur
Stadtentwicklung in China:
http://www.ahk-china.org/
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