Mehr privates Kapital im Energiesektor

von Dr. Kurt Wiesegart (PacificConsult GmbH)


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Projektentwicklung in China

 

Mit der seit Ende der 80er Jahre auch in Schwellen­ und Entwicklungsländern begonnenen Entwicklung   der (teilweisen) Privatisierung der Infrastruktur zeichnet sich zunehmend eine fast boom-artige Infrastrukturbereiche ab. Seit Beginn der90er Jahre fließt verstärkt Kapital von Anlegern und   Finanzinstituten -internationalen, bilateralen und kommerziellen -in die Infrastuktur von Ländern, die  privatem (ausländischem) Kapital den Zugang in diese Sektoren eröffnen und "die die erforderlichen  Rahmenbedingungen dafür zu schaffen bereit sind.

Unter den Empfängerländern. wiederum zeichnet sich ansatzweise ein Wettbewerb bei der Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen ab, um verstärkt das erforderliche Investitionskapital für den Aus-   bau der Infrastruktur ins Größenordnung von rund 80 GW an der Welt, Indien, Anfang der 90er   Ressourcen noch Unterversorgung

Zweifellos bieten sich für ausländische Investoren und Lieferanten (im Hinblick auf BOT-Optionen: ebenso für Betreibergesellschaften und kreditgebende Finanzinstitute) grundsätzlich günstige Voraussetzungen in China - im Hinblick auf die Ressourcensituation, gemessen an der gegebenen Deckungslücke in der Stromversorgung als auch hinsichtlich der zu erwartenden Nachfrageentwick­lung nach Strom. Die primären Energieressourcen Chinas reichen aus, um die Basis des eingeleiteten vergleichsweise raschen Industrialisierungsprozesses weiter auszubauen. China hat mit ca. 370 GW erschließbaren Wasserkraftressourcen die größten   erst ca. 12 Prozent davon für die Stromerzeugung erschlossen.

Die nachgewiesenen Kohlereserven sind zwar im internationalen Maßstab gemessen auch sehr umfangreich - mit etwa 980.Milliarden Tonnen (wenn   auch bei anhaltend hohen Verbrauchs­zuwachsraten die Lebensdauer der nachgewiesenen Reserven lediglich bis Ende des nächsten Jahrhunderts gesichert ist). Und es kommen umfangreiche vermutete Kohlewasserstoffreserven hinzu, von denen bisher   nur ein begrenzter Teil als exploriert   gilt. Des weiteren verfügt China über   große Vorkommen an - neben den erwähnten Wasserressourcen - rege­nerativen Energiequellen -Wind, Sonnen- oder geothermische Ressourcen. Trotz der Vorkommen ist China zum jetzigen Zeitpunkt noch weit davon entfernt, die gegebene Nachfrage nach Strom decken zu können. Ob- gleich in den letzten Jahren jährlich 12-15 GW an Kraftwerksleistung zugebaut werden - soviel etwa wie die Schweiz an installierter Leistung verfügbar hat - schiebt China seit Ende der 70er Jahre eine Deckungslücke in der Stromversorgung vor sich her.

Insbesondere die industriell rasch wachsenden Küstenprovinzen sind mit der Unterversorgung konfrontiert. Bis zu 20 Prozent der vorhandenen industriellen Kapazitäten können nicht beschäftigt werden da nicht in benötigtem Umfang Strom verfügbar ist. Reduziert wird das Problem meist durch Rotation. von ar­beitsfreien Tagen. Der Pro- Kopf-Verbrauch an Strom beträgt mit ca. 820 kWh P;d. nur etwa ein Drittel des Weltdurchschnitts.

Markt für private Investoren attraktiv

Und da eine Unterdeckung der Nachfrage - zumindest in einem freien Markt - grundsätzlich immer der entscheidende Anreiz für Anbieter/Produzenten ist. in die Marktlücke mit guten Aussichten auf eine Gewinnerzielung einzusteigen, ist hier eine entscheidende Grundvoraussetzung gegeben. die den Markt für private (ausländische) Investoren attraktiv macht. Nach Einschätzung der chinesischen Regierung ist eine umfängliche Deckung der Nachfrage nicht vor dem Jahr 2010 zu erwarten - dann. wenn in China 553 GW, so die von der Regierung genannte Zielgröße, an installierter Leistung verfügbar sein werden.

Das Sozialprodukt Chinas wächst seit den 80er Jahren mit außerordentlich hohen Zuwachsraten -in einer Größenordnung von 10-14 Prozent jährlich. Im vergangenen Jahr war es gelungen. das überhitzte Wachstum zu bremsen, bei reduzierter Inflation (zuvor zwischen 8 und 20 Prozent) konnte erstmals ein nominales Wachstum (inflationsbereinigt) von ca. 3 Prozent realisiert werden. Für die kommenden Jahre geht die chinesische Regierung von einem Zuwachs des Sozialprodukts von 7 ,4 Prozent aus. Die erwartete steigende Strom­ nachfrage(7 ,2 Prozent p:a.)-,­ wird nicht nur durch die wachsende Nachfrageindustrieller Abnehmer induziert. sondern auch durch private Haushalte. Steigen der Wohlstand führt beispielsweise zu vermehrter Nutzung elektri­scher Haushaltsgeräte. Bislang haben die privaten Haushalte mit 9 Prozent erst einen vergleichsweise geringen Anteil am gesamten Stromverbrauch. Auch das machtdeutlich, daß sowohl der Energiesektor als auch die strom- verbrauchenden Sektoren wie Industrie, private Haushalte, Transport und Verkehr vor allem Anlagen und Ausrüstungen mit hohem energetischen Wirkungsgrad einsetzen müssen, um das gesetzte Planziel, ein unterhalb des Sozialproduktzuwachses verbleibender Zuwachs des Energieverbrauchs. realisieren zu können.

Um dies zu verdeutlichen: Bis Mitte der 80er Jahre noch lag der jährliche Zuwachs des Energieverbrauchs wesentlich höher als jener des Sozialprodukts (eine Folge unter anderem des technisch veralteten Anlagen­ und Maschinenparks in der Industrie, des nachlässigen Umgangs mit Energie oder auch des niedrigenenergetischen Wirkungsgrades chinesischer Kraftwerke).

Entsprechend ist dieser Wachstumsmarkt nicht nur für ausländische Investoren von Interesse. Mit der Zulassung von privatem ausländischen Investitionskapital wird zum einen das für den Einkauf von Anlagen und Ausrüstungen verfügbare Kapital er- weitert und damit auch der Trichter für Lieferanten von Kraftwerksausrüstungen nach oben weiter geöffnet.

Bislang können ca. 75­ 80 Prozent des Zubaus von Ausrüstungen aus eigenen Produktionsstätten geliefert werden. Der restliche Teil wird importiert. Das sind nach heutigem Stand ca. 3 GW an Leistung p.a., bis zur Jahrhundertwende 15-17 GW zuzüglich der Übertragungs-. und Verteilungsanlagen und -ausrüstungen - ein Importbedarf von rund 20 Milliarden US-Dollar. Interesse besteht an kompletten Kraftwerken-Transformatoren, Schaltanlagen. Pumpen, Antrieben, Steuerungen u.a.m.

Umweltschutz gewinnt zunehmendan Bedeutung

Hinzuaddieren sich Anlagen und Ausrüstungen für den Bereich Umweltschutz, der in China wachsende Bedeutung gewinnt -genötigt durch die wachsenden Probleme, die die rapide Industrialisierung der letzten Jahre hervorgerufen hat.

Da der Energiesektor einer jener Be­reiche ist, der zur regional bereits extrem hohen Umweltbelastung beiträgt, ist die chinesische Regierung gewillt. Beim zukünftigen Kapazitätsausbau sowie auch bei der Modernisierung vorhandener Kraftwerke den Umweltschutz -sei es durch Steigerung des Wirkungsgrades im energetischen Prozeß oder durch Einsatz emissionsreduzierender Anlagen und Ausrüstungen stärker als bis- hervorzusehen.

Da sich die chinesische Industrie im Bereich Um­welttechnik noch in den Kinderschuhen befindet, öffnet sich .auch hier verstärkt ein Bereich für ausländische Zulieferer .

Aber auch die andere Seite, das ganze Spektrum der Energieverbraucher bzw. der energieverbrauchenden. Anlagen, Maschinen und Ausrüstungen wird in Chinazukünftig vor allem hinsichtlich hoher energetischer Wirkungsgrade (oder anders: eines möglichst geringen Energieverbrauchs) an Bedeutung gewinnen.

Während einem ökonomischen Ressourceneinsatz in der zentralstaatlich gelenkten Zuteilungswirtschaft­ nahezu keine Aufmerksamkeit gewidmet worden war, sind sich jetzt verantwortliche chinesische Ökonomen und Politiker bewußt, daß die gegebene Energiekrise nicht allein durch eine Ausweitung der Stromerzeugungskapazitäten gelöst werden kann, sondern daß parallel der Einsparung von Energie gleichrangige Bedeutung bei- gemessen werden muß.

Seit den 80er Jahren waren schritt- weise die Energiepreise erhöht worden, so daß mit der einhergehenden Ausweitung der unternehmerischen Eigenverantwortlichkeit im Wirtschaftsgeschehen der Energieverbrauch relativgesenkt worden war. Während beispielsweise noch Anfang der 80er Jahre im Landesdurchschnitt rund 450 Gramm Kohle zur Erzeugung einer Kilowattstundeeingesetzt worden waren, ist diese Rate inzwischen auf deutlich unter 400 g/kWh gesunken - was allerdings noch weit entfernt ist von der Zielmarge, wie sie bei vergleichsweise modernen westlichen Kraftwerken gegeben ist (ca. $00-320 g/kWh). Ähnliche Reduktionen des Energieverbrauchs in den vergangenen Jahren lassen sich auch für viele Verbrauchsgüter aufzeigen.

Die chinesische Regierung ist be- strebt, die eigenen Produktionskapazitäten auszubauen und dazu möglichst ausländisches Kapital, vor allem aber auch modernes westliches Produktions-Know how einzubeziehen. Die Gesamtsumme der Auslandsinvestitionen, die China seit der Öffnung im Jahre 1979 ins land holen konnte - die vertraglich vereinbarten kumulier- ten Gesamtinvestitionen belaufen sich bislang auf über 400 Milliarden US- Dollar - zeigen, daß China bereits von zahlreichen Produzenten als prospektiver Produktionsstandortgewählt wurde, sei es zur "Erschließung des chinesischen Marktes oder auch zur (zusätzlichen) Belieferung südostasiatischer oder anderer Märkte.

Entsprechend wird es auch zunehmend schwieriger werden, die erfolg- reiche Erschließung des Wachstumsmarktes China dauerhaft ausschließlich über Exporte zu realisieren. Eine letztlich erfolgversprechende Strategie wird sich nur über Kooperationen vor Ort verwirklichen lassen. Nur wenige Unternehmer, die del"! Schritt nach China gegangen sind. werden den chinesischen Markt als einfachen Markt bezeichnen. Nichtwenige jedoch sind erfolgreich. Manche sind auch bereits in den Anfängen gescheitert. Unter letzteren wiederum sind nicht wenige, die den Markt ohne die erforderliche Vorbereitung angegangen sind - so als würden sie von Hamburg nach Bayern reisen. um im dortigen lokalen Markt eine Produktionsstätte und ein Vertriebsnetz aufzubauen. Die gegebenen Unterschiede sind in der Tat größer und damit auch der zeitliche Aufwand. Der .vor den ersten realen Schritten zur Vorbereitung .während der Gespräche und Verhandlungen: und last but not least für die Marktentwicklung bzw. ­erschließung geleistet werden muß.

Kontakt: Pacific Consult GmbH, Büttemer Weg 26, 69493 Hirschberg, Telefon: 06201/590008, Fax: 06201/590118; e-mail: PacificConsult@t-online.de


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