China
wird zum weltweit bedeutendsten Energiemarkt - Eine
Chance für die deutsche Industrie
In
China wird für die kommenden Jahre ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum
von 7 bis 8 Prozent als notwendig angesehen, um die grundle- genden
Ziele der wirtschaftlichen Umstrukturierung
und die eingeleiteten Reformen umsetzen zu können. Wesentliche
Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Energieversorgung,
vor allem in den industriell entwickelten Küstenprovinzen.
Die VR China ist nach den USA mit fast 10 Prozent am Weltenergieverbrauch
der derzeit zweitgrößte Energieverbraucher
und soll nach Expertenmeinungen im Jahr 2020 mit rund 17 Prozent
die USA überholt haben. Zwischen 1980 und 1999 stieg der Energieverbrauch
um rund 370 Prozent. Für die kommenden Jahre wird eine jährliche
Zuwachsrate von ca, 4,2 Prozent prognostiziert,
und ab dem Jahr 2010 soll der zweijährige
Zuwachs des Energiever-brauchs
etwa dem gesamten Energiever-
brauch Japans entsprechen.
Mit
einer installierten Kraftwerksleistung
von 290 Gigawatt (GW)
erzeugte die VR China 1999 ca. 1.400 Trillionen
Kilowattstunden (TWh) und war damit nach den USA auch der zweitgrößte
Energieerzeuger der Welt. In den 90er Jahren wurden die Kraftwerkskapazitäten
pro Jahr um durchschnittlich etwa 13 GW erweitert. Auf thermische
Kraftwerke entfielen dabei rund 75 Prozent und auf Wasserkraftwerke
24 Prozent, Atomkraftwerke produzierten 2,1 GW Energie und aus regenerativen
Energiequellen wurden
ca. 320 MW gewonnen, Elektrische Energie wird dabei zu 75 Prozent durch
die Verbrennung von Kohle erzeugt, zu 20 Prozent durch Wasserkraft und zu
5 Prozent durch 01, Biomasse, Kernenergie,
Wind- und Solarkraft.
Bis
zum Jahre 2010 sollen laut Plänen der Staatlichen Planungskommission
die derzeitigen Kraftwerkskapazitäten
von 290 GW auf 553 GW ausgebaut und ca. 2.500 TWh erzeugt werden.
Der geplante Ausbau entspricht einem jährlichen Zuwachs von
durchschnittlich etwa 9 Prozent und liegt damit oberhalb der prognostizierten
siebenprozentigen Steigerung der industriellen Produktion. Schätzungen
zufolge wird erst ab dem Jahr 2010 eine landesweite unterbrechungsfreie
Stromversorgung gewährleistet werden können. Zwischen 20 und 30 Prozent
der industriellen Produktionskapazitäten
liegen derzeit aufgrund von Entsorgungsengpässen
brach.
Auch
hinsichtlich der Energieeffizienz ist in China einiges zu verbessern. Das
gesamte Land verbrauchte 1997 4,4 mal soviel Energie pro Werteinheit des BSP
wie Japan und 1,6 mal soviel wie Indien. Der Wirkungsgrad
der Kraftwerke chinesischer Bauart liegt bei knapp 30 Prozent, bei
Altanlagen zum Teil unterhalb 20 Prozent, während es bei vergleichsweisen
Kraftwerken westlicher Bauart 35 bis 40 Prozent sind. Ineffiziente
und veraltete Stromnetze führen zudem bei der Übertragung zu Verlusten
von rund 15 Prozent der erzeugten Energie. Darüber hinaus verhindert die
massive Subventionierung der
Kohle deren effiziente Nutzung.
Die
Kohle bleibt auch in den kommenden Jahrzehnten mit einem Anteil von 70 bis
75 Prozent der wichtigste Primärenergieträger.
1998 wurden etwa 1,24 Milliarden Tonnen Hartkohle und 60 Mio Tonnen
Weichbraunkohle gefördert.
Allein zwischen 1980 und 1998 hat sich der Kohleverbrauch mehr als
verdoppelt. Zwar plant die Regierung den Anteil von Kohle an der Elektrizitätserzeugung
von derzeit 75 Prozent bis 2010 auf 64 Prozent und bis 2050 auf 47
Prozent zu reduzieren. Unabhängige Beobachter schätzen jedoch, dass
selbst wenn die gesamte Energienachfrage über die nächsten Jahrzehnte
bei nur durchschnittlich 2,8 Prozent gehalten werden könnte, 2015 immer
noch ca. 2,2 Milliarden Tonnen und 2040 etwa 4,34 Tonnen
Kohle verbraucht werden. Das wäre eine Verdreifachung
des heutigen Verbrauchs.
Zweitwichtigster
Primärenergieträger ist
mit einem Anteil von knapp 18 Prozent Erdöl. Erdgas spielt mit einem
Anteil von knapp 2 Prozent eine unbedeutende Rolle, genauso wie die
Wasserkraft (5%). Als
Antwort auf die Vorwürfe, größter Umweltverschmutzer
zu sein, setzt China verstärkt auf Kernkraft.
Ihr Anteil an der gesamten Energieproduktion beträgt heute
allerdings lediglich 1 Prozent. Neben zwei sich in Betrieb befindlichen
Kernkraftwerken sind im Rahmen des laufenden 9, Fünfjahresplan
vier neue KKW in Bau. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen
an der Energieversorgung, der
heute bei weniger als einem Prozent liegt, soll bis zum Jahr 2020 auf rund
6 Prozent erhöht werden.
Insgesamt
sind zum Jahr 2010 Investitionen im chinesischen Energiesektor von rund
100 Milliarden US- Dollar
veranschlagt worden, womit China weltweit zum bedeutendsten Energiemarkt
wird. Mit der in den kommenden Jahren geplanten Erweiterung der Kapazitäten
um jährlich 26 Gigawatt durch
Neubau ist das Land der größte Wachstumsmarkt für Kraftwerksanlagen und
Stromübertragungs- und Verteilungseinrichtungen. |