Mittwoch | 03. November 2000

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Perspektiven Indonesiens im Energiebereich - China wird Abnehmer

Ergebnisse der Messe Öl & Gas, September 2000, Jakarta

Vortrag vor der Länderausschußsitzung des Asien-Pazifik-Forums Berlin am 3. November 2000 - IPK Fraunhofer Institut

Die alljährlich im September in Jakarta stattfindende Messe Öl und Gas für die Öl- bzw. Energieindustrie hat im Jahre 2000 eines deutlich gemacht: Der Markt ist scheinbar voll in der Hand der großen US-amerikanischen Konzerne, die, massiv unterstützt durch die US-amerikanische Regierung, allen Unkenrufen zum Trotz in einer Zeit präsent sind, in der es offiziell über Indonesien heißt: Unsicher, Krise und wenig Stabilität.

Nur deutsche und europäische Unternehmen scheinen sich von derartigen Unkenrufen anstecken zu lassen. Lediglich die Allianz AG, der deutsche Versicherungskonzern, der auf dem ersten Blick recht wenig mit der Energiepolitik zu tun hat, war auf der Messe in Jakarta vertreten. Dabei zeigte insbesondere die starke chinesische Präsenz, daß es bei der Entwicklung der Öl- und Gasmärkte in Indonesien nicht allein um den lokalen indonesischen Markt, sondern um die Perspektiven der gesamten Region geht.

Indonesien und Malaysia sind die beiden einzigen Länder, der südostasiatischen Region, die auch zukünftig im Öl- und Ergasbereich Überschüsse erwirtschaften werden. Ihre Märkte liegen vor der Haustür.

Mit China und Indien, die in den nächsten Jahren ihre Energieversorgung auch auf Gas umstellen werden bzw. hierin einen erheblichen Anteil sicherstellen werden, sind nicht nur für uns in Europa die Zukunftsmärkte schlechthin.

Der mit dem wirtschaftlichen Fortschritt in China und Indien verbundene Energiebedarf kann schon aus Umweltschutzgründen nicht alleine durch Öl oder heimische Kohle befriedigt werden, wenn China auch beispielsweise mit der größte Kohleproduzent der Welt ist.

Die ökologischen Folgen dieser Produktion sind in China allgegenwärtig und selbst die chinesische Regierung ist auf dem Hintergrund der immer deutlicher werdenden Umweltzerstörungen auf eine umweltgerechte Perspektive umschwänken.

In der Vergangenheit waren vor allem Japan, Südkorea und Taiwan die größten Bezieher von Erdgas, die die großen Erdgasvorkommen im südchinesischen Meer für sich erschlossen.

In der Zukunft werden diese Bezieherländer einen starken Wettbewerb ausgesetzt sein. China und Indien werden als Großbezieher zu den Wettbewerbern in der Region um die Absatzbeziehungen aufsteigen.

Die Erschließung der vorhandenen Erdgasressourcen ist nach allgemeiner Einschätzung mit einer erdrutschartigen Revolution vergleichbar.

Die Umstellung Chinas und Indiens von originärer Öl- und Kohleversorgung auf natürliches Erdgas führt zu neuen Herausforderungen, die insbesondere für die deutsche Industrie von großem Interesse sein müsste.

Das fast unerschöpfliche Gaspotential Indonesiens und Malaysias kann die Grundlage für eine ökologische Ausrichtung der Staaten der südostasiatischen Region darstellen. Indonesien exportiert derzeit rund 28 Mio. Erdgas. Das ist allein 1/3 des Welthandelvolumens.

Die jährlichen Umsatzerlöse von 4,5 Mrd. US-Dollar werden hauptsächlich in der südostasiatischen Region in Bezug auf Japan, Südkorea und Taiwan erlöst. Bis zum Jahre 2005 wird erwartet, daß China und Indien jährlich rund 7 Mio. Tonnen Erdgas aus Indonesien beziehen werden.

Es wird allerdings erwartet, daß der Bedarf in China und Indien dramatisch ansteigen wird. Bereits 20-30 Mio. Tonnen sollen nach dem Jahre 2010 die Zielgröße ausmachen. Geradezu astronomisch sind die Perspektiven für den Zeitraum nach 2020, wenn also die Umstellungsmaßnahmen in Indien und China selbst gegriffen haben werden.

Gemessen an den ebenfalls steigenden Bedarf in Südostasien ist bis zum Jahre 2015 mit einer Verdreifachung des derzeitigen Volumens zu rechnen, was in US-Dollar ausgedrückt ein Handelsvolumen von rund 13 Mrd. US-Dollar ausmacht. Hauptfördergebiet ist das indonesische Tangguh-Erdgasfeld

Obwohl die Erdölpreise mittlerweile ihres 10-Jahreshoch erreicht haben, zeichnet sich China durch nach wie vor kontrollierte Preise aus, die letztlich vom Staat selbst refinanziert werden müssen.

Das Länder wie China und Indien eine Subventionierung der Preise auf Dauer aus eigener Kraft nicht gewährleisten können, macht deutlich, weshalb einer Umstellung auf weitere Energieträger dringend erforderlich ist. Dabei darf bezogen auf China nicht unterschätzt werden, daß auch aus dem Bereich Hydroenergie Ressourcen erwartet werden.

Allerdings zeichnet sich bereits derzeit ab, daß die chinesische Regierung auch in Bezug auf das 3-Schluchten-Projekt am Yangze erhebliche Probleme mit dem Absatz bekommen wird, da immer mehr Abnehmer ihre ursprünglichen Zusagen zu überdenken scheinen.

Das unter dem Erschließungsrecht von BP Amoco stehende Tangguh-Erdgasfeld verfügt über derzeit ca. 20 Trillionen m³ Erdgas.

Die Produktion pro Jahr kann scheinbar mühelos auf allein auf 9 Mio. Tonnen gesteigert werden. Obwohl China seine Erdgasversorgung teilweise selbst bei einer Pipeline von Westchina (Tarim-Becken-Erdgasfeld) bis nach Shanghai leitet, zielen die Planungen der China National Offshore Oil Cooperation auf die Versorgung Südchinas durch die südostasiatischen Anreinerstaaten.

Derzeit wird in Südchina in der Provinz Guangdong ein Hafenterminal ausgebaut, daß die Erdgasversorgung gewährleisten soll. Hierbei handelt es sich um eines von 3 Projekten entlang der chinesischen Küste. Kernfrage der Versorgung Chinas ist wie überall der Preis. Hier wird es einen erheblichen Wettbewerb geben, der im Zweifel von dem Anbieter gewonnen wird, der den schnellsten und besten Bezug gewährleistet. Dies macht wie die Erschließung selbst erhebliche Zukunftsinvestitionen erforderlich, die insbesondere Indonesien weiter attraktiv machen. Auch Singapur, zu dem eine rund 3.588 km lange Pipeline gebaut werden wird, wird zu den Kernbeziehern der indonesischen Erdgase zählen.

Größtes Projekt in den Überlegungen Indonesiens ist der Bau einer 10.000 km langen Gas-Pipeline, die von Indonesien aus 10 Mitgliedstaaten Asiens erreichen sollen.

Dieses auf 20 Jahre ausgelegte Investitionsprojekt soll bis zum Jahre 2020 abgeschlossen sein und zu einer weiteren Vernetzung in der südostasiatischen Region unter Energiegesichtspunkten beitragen.

Bestehende Pipelines sollen hierbei einbezogen werden. Die Erdgasausrichtung Südostasiens wird vorrangig betrieben, da hiermit eine saubere Energienutzung verbunden wird.

Zudem ist es seit dem Treffen der ölimportierenden Länder Asiens im Juli in Hanoi offizielle Politik der Regionen auf dem Hintergrund der hohen Ölpreise Alternativen im Erdgasbereich zu entwickeln. Die Gesamtreserven an Erdgas werden derzeitig bezogen auf Indonesien, Malaysia und Brunai auf 227 Trillionen m³ geschätzt. 30 % der bestehenden Kraftwerke in der Region basieren auf Gasfeuerung.

Der Anteil soll stetig, vor allem in Indonesien ausgebaut werden. Indonesien arbeitet an einem Gas-Pipeline-Masterplan, dessen Fertigstellung im nächsten Jahr, also 2001, erwartet wird.

Die Planungen stehen im engen Zusammenhang mit den Überlegungen Jakartas, die Erdöl- und Gasindustrie weiter zu deregulieren, was die Anwesenheit, vor allem amerikanischer Berater in Jakarta, verständlich macht. Ziel des Masterplans wird eine Vernetzung der Regionen zur Sicherheit der Erdgasversorgung sein. Welcher Wandel mit der Wiederentdeckung des Erdgases als natürliche Ressource im öffentlichen Bewußtsein Chinas und Indiens verbunden ist, macht folgendes deutlich: Bis 1998 spielte etwa in China Erdgas eine untergeordnete Rolle.

In China war Gas überhaupt kein Thema. Die gesamte Wirtschaft war auf die Förderung von Kohlen und die Erschließung vorhandenen Erdölressourcen ausgerichtet.

Die auch in China deutlich gewordenen Folgen des sauren Regens, der 40 % der ohnehin spärlichen Landnutzungsfläche bereits geschädigt hat, zwang zu einem Umdenken. Umweltschutzgründe sind es, die China veranlassen, ein Umschwenken in der Energiepolitik voranzutreiben, so daß vorrangig Wasser und Erdgas in Frage stehen.

Die Erschließung und Nutzung der eigenen Ressourcen in China und Indien wirft für beide betroffenen Ländern erhebliche Investitionsfragen auf, die beantwortet werden müssen, da die bereits bestehenden Verkehrssysteme etwa derart ausgelastet sind, daß die Grenzen des Wachstums erreicht sind. Weitere Erschließungen im Infrastrukturbereich sind erforderlich und gewährleisten nicht einmal, daß der Eigenbedarf gewährleistet ist.

Um alternative Versorgungswege zu öffnen, plant China bereits langfristig den Aufbau eines durchgehenden Binnen-Pipelinenetzes zur Gasversorgung. Hierbei werden die industriellen Zentren im Nordosten, in Zentralchina, aber auch in der Küstenregion sowie Südchinas bedacht. Die Erschließung Westchinas aber auch der Grenzregionen sowie die dortigen Investitionen in den Erdöl und Erdgasbereich verdeutlichen, daß China, im Zentrum aller energieproduzierenden Länder Asiens gelegen in jeder Himmelsrichtung sicherstellen wird, daß eine stör-und krisenunanfällige Versorgung auf Dauer gewährleistet wird.

Der dabei entstehende Wettbewerb wird unter Berücksichtigung des ansteigenden Energiebedarfs aller Voraussetzungen nach nicht mit einem Preisverfall verbunden sein, so daß eine Refinanzierung der Investitionen in den Erdöl- und Erdgasbereich in Indonesien, Malaysia und den übrigen Anbieterländern gewährleistet ist. Das jährliche Wachstum im Bereich des Gasverbrauchs wird bezogen auf China derzeit auf 15 % pro Jahr geschätzt.

Allein der Bedarf Chinas soll bis zum Jahre 2015 im Umfang von 40 % durch Importe gedeckt werden. Kein Wunder also, wenn insbesondere die chinesischen Staatsunternehmen im nach wie vor staatlichen Energiebereich auf der Messe in Jakarta zur Sicherung langfristiger Ziele vertreten waren. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch im Bereich der Erdölversorgung davon auszugehen ist, daß China nach wie vor überwiegend Importeur von Erdöl ist und die eigenen Ressourcen bei weitem nicht ausreichen, den aktuellen Bedarf zu sichern. Zur Erinnerung: Die bisher erschlossenen Erdölreserven Chinas sind so unbeachtlich im Verhältnis zur Steinkohle, daß Erdöl vorrangig im Bereich der industriellen Nutzung und Chemie Verwendung findet.

Die vorstehenden Ausführungen verdeutlichen, daß auf dem Hintergrund des Wachstums in der südostasiatischen Region ein enges Wechselverhältnis zwischen Wachstum einerseits, und Energieversorgung andererseits besteht, daß vor allem dadurch geprägt ist, daß ein wirtschaftlicher Fortschritt unmittelbar auch mit einem höheren Verbrauch natürlicher Ressourcen verbunden ist.

Neben den ökologischen Aspekten, die für die Nutzung von Erdgas sprechen, bleibt allerdings zu berücksichtigen, daß mit einer stärkeren Erdgasnutzung in der Zukunft noch lange nicht eine Verbesserung der Gesamtbilanz Umweltbelastung zu rechnen ist.

Der nach wie vor starke Anteil von Kohle und Erdöl steht dem zunächst einmal im Wege. Allerdings hat die chinesische Regierung beispielsweise begriffen, daß an dieser Gesamtbilanz zu arbeiten ist, weshalb die Berücksichtigung des Umweltschutzes in Zukunft strategische Bedeutung erhält. Länder wie Indonesien werden sich diesem Aspekt ebenfalls nicht entziehen können, zumal die Eigenbelastung entsprechend hoch ist. Perspektiven für die Wirtschaft ergeben sich hierbei nicht allein im Bereich der Erschließung der vorhandenen Ressourcen, was nicht unbedingt zur deutschen Domäne zählt.

Der wirtschaftliche Vorteil liegt sicherlich sehr viel mehr im Bereich der Verarbeitung, der Energieversorgung selbst, der Umwandlung in Strom sowie der Absatzsicherung, was allein durch das Thema deutlich wird, Anschluß der privaten Haushalte an Gasversorgungsnetzwerke.

Hier sind infrastrukturelle Investitionen auf kommunaler und regionaler Ebene gefragt, die einen überschaubaren und händelbaren Absatz natürlicher Ressourcen zum Gegenstand haben.

Der Bedarf an Leitungsnetzen, Erdgaszählern und Versorgungseinrichtungen ist immenz und verdeutlicht, in welcher Weise sich lokale Haushalte in den nächsten 20 Jahren umstellen werden. Hier ergeben sich erhebliche Perspektiven für den Mittelstand und vor allem die Haustechnik, da derartige Fachdisziplinen weder in Indonesien noch in China in einer mit uns vergleichbaren Ausstattung vorhanden sind.

Auch der Gas- und Behälterbau wird von den Zukunftsinvestionen profitieren können. Gleiches gilt für den Bereich Klimatechnik. Großinvestitionen werden in diesem Zusammenhang weiter im Erdölraffineriebereich zu erwarten sein. Hier wäre die Präsenz deutscher Anbieter wünschenswert.

Nicht zuletzt erscheint die derzeitige Außenwirtschaftspolitik Deutschlands und Europas fragwürdig, wenn diese letztlich nur auf den entwicklungspolitischen Ansatz reduziert wird und den amerikanischen und britischen Anbietern das Thema Deregulierung der staatlichen Energieversorgung überlassen wird.

Eine Deregulierung der Energiemärkte in der Asien-Pazifik-Region sollte nicht mit einer einseitigen Privatisierung zugunsten amerikanischer Großkonzerne verbunden sein. Aus diesem Grunde ist es aus deutscher Sicht besonders wichtig, daß die Entscheidungsprozesse bei der Umgestaltung der indonesischen Wirtschaft maßgeblich auch von deutschen und europäischen Beratern mitgestaltet werden.

Nur dadurch ist gewährleistet, daß eine offene Marktpolitik betrieben und wettbewerbsrechtlich gesichert wird. Ob auf dem Hintergrund der vorstehenden Ausführungen ein übergeordnetes Konzept hinter der Verunsicherung der Welt in Bezug auf die südostasiatische Region steht, ist sicherlich spekulativ und ohne wissenschaftlichen Nachweis nicht zu beantworten.

Fakt ist jedenfalls und allein dies verlangt Beachtung, daß insbesondere seit dem Beginn der Asienkrise und der damit verbundenen Wertevernichtung vor allem auch in Indonesien eine äußerst aktive US-amerikanische Akquisitionspolitik betrieben wird, die nicht nur auf eine Übernahme angeschlagener Industrie- und Technologieunternehmen zielt, sondern auch auf die Gestaltung der Deregulierung in den Schlüsselindustriebereichen Südostasiens wie Telekommunikation, Bergbau und Energie, Wasserversorgung etc.

Wenn die amerikanische Konkurrenz also die Krise zum Anlaß nimmt, verstärkt gerade dort zu investieren, wo es angeblich so ungesichert ist, dann müssen wir die Frage neu aufwerfen, ob denn unser Engagement beispielsweise in Indonesien von den richtigen Prämissen bestimmt ist.

Wenn heute dem Handelsblatt zu vernehmen ist, daß der Herr Bundesaußenminister ein Engagement in Indonesien deshalb für sinnvoll hält, weil auch die frühere Regierung die alte indonesische Regierung unterstützt hat und man sich dem Demokratisierungsprozeß nicht verschließen kann, dann spricht hieraus sicherlich eine unzureichendes Verständnis von dem, was heute erforderlich ist.

RA Eberhard J. Trempel
Asien-Pazifik-Forum Berlin

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