Perspektiven Indonesiens im Energiebereich - China wird Abnehmer
Ergebnisse der Messe Öl & Gas,
September 2000, Jakarta
Vortrag vor der Länderausschußsitzung des
Asien-Pazifik-Forums Berlin am 3. November 2000 - IPK Fraunhofer Institut
Die
alljährlich im September in Jakarta stattfindende Messe Öl und Gas für die Öl- bzw.
Energieindustrie hat im Jahre 2000 eines deutlich gemacht: Der Markt ist
scheinbar voll in der Hand der großen US-amerikanischen Konzerne, die,
massiv unterstützt durch die US-amerikanische Regierung, allen Unkenrufen zum
Trotz in einer Zeit präsent sind, in der es offiziell über Indonesien heißt:
Unsicher, Krise und wenig Stabilität.
Nur
deutsche und europäische Unternehmen scheinen sich von derartigen Unkenrufen anstecken zu
lassen. Lediglich die Allianz AG, der deutsche Versicherungskonzern, der auf dem
ersten Blick recht wenig mit der Energiepolitik zu tun hat, war auf der
Messe in Jakarta vertreten. Dabei zeigte insbesondere die starke
chinesische Präsenz, daß es bei der Entwicklung der Öl- und Gasmärkte
in Indonesien nicht allein um den lokalen indonesischen Markt, sondern um
die Perspektiven der gesamten Region geht.
Indonesien
und Malaysia sind die beiden einzigen Länder, der südostasiatischen
Region, die auch zukünftig im Öl- und Ergasbereich Überschüsse
erwirtschaften werden. Ihre Märkte liegen vor der Haustür.
Mit
China und Indien, die in den nächsten Jahren ihre Energieversorgung auch
auf Gas umstellen werden bzw. hierin einen erheblichen Anteil
sicherstellen werden, sind nicht nur für uns in Europa die Zukunftsmärkte
schlechthin.
Der
mit dem wirtschaftlichen Fortschritt in China und Indien verbundene
Energiebedarf kann schon aus Umweltschutzgründen nicht alleine durch Öl
oder heimische Kohle befriedigt werden, wenn China auch beispielsweise mit
der größte Kohleproduzent der Welt ist.
Die
ökologischen Folgen dieser Produktion sind in China allgegenwärtig und
selbst die chinesische Regierung ist auf dem Hintergrund der immer
deutlicher werdenden Umweltzerstörungen auf eine umweltgerechte
Perspektive umschwänken.
In
der Vergangenheit waren vor allem Japan, Südkorea und Taiwan die größten
Bezieher von Erdgas, die die großen Erdgasvorkommen im südchinesischen
Meer für sich erschlossen.
In
der Zukunft werden diese Bezieherländer einen starken Wettbewerb
ausgesetzt sein. China und Indien werden als Großbezieher zu den
Wettbewerbern in der Region um die Absatzbeziehungen aufsteigen.
Die
Erschließung der vorhandenen Erdgasressourcen ist nach allgemeiner Einschätzung
mit einer erdrutschartigen Revolution vergleichbar.
Die
Umstellung Chinas und Indiens von originärer Öl- und Kohleversorgung auf
natürliches Erdgas führt zu neuen Herausforderungen, die insbesondere für
die deutsche Industrie von großem Interesse sein müsste.
Das
fast unerschöpfliche Gaspotential Indonesiens und Malaysias kann die
Grundlage für eine ökologische Ausrichtung der Staaten der südostasiatischen
Region darstellen. Indonesien exportiert derzeit rund 28 Mio. Erdgas. Das
ist allein 1/3 des Welthandelvolumens.
Die
jährlichen Umsatzerlöse von 4,5 Mrd. US-Dollar werden hauptsächlich in
der südostasiatischen Region in Bezug auf Japan, Südkorea und Taiwan erlöst.
Bis zum Jahre 2005 wird erwartet, daß China und Indien jährlich rund 7
Mio. Tonnen Erdgas aus Indonesien beziehen werden.
Es
wird allerdings erwartet, daß der Bedarf in China und Indien dramatisch
ansteigen wird. Bereits 20-30 Mio. Tonnen sollen nach dem Jahre 2010 die
Zielgröße ausmachen. Geradezu astronomisch sind die Perspektiven für
den Zeitraum nach 2020, wenn also die Umstellungsmaßnahmen in Indien und
China selbst gegriffen haben werden.
Gemessen
an den ebenfalls steigenden Bedarf in Südostasien ist bis zum Jahre 2015
mit einer Verdreifachung des derzeitigen Volumens zu rechnen, was in
US-Dollar ausgedrückt ein Handelsvolumen von rund 13 Mrd. US-Dollar
ausmacht. Hauptfördergebiet ist das indonesische Tangguh-Erdgasfeld.
Obwohl
die Erdölpreise mittlerweile ihres 10-Jahreshoch erreicht haben, zeichnet
sich China durch nach wie vor kontrollierte Preise aus, die letztlich vom
Staat selbst refinanziert werden müssen.
Das
Länder wie China und Indien eine Subventionierung der Preise auf Dauer
aus eigener Kraft nicht gewährleisten können, macht deutlich, weshalb
einer Umstellung auf weitere Energieträger dringend erforderlich ist.
Dabei darf bezogen auf China nicht unterschätzt werden, daß auch aus dem
Bereich Hydroenergie Ressourcen erwartet werden.
Allerdings
zeichnet sich bereits derzeit ab, daß die chinesische Regierung auch in
Bezug auf das 3-Schluchten-Projekt am Yangze
erhebliche Probleme mit dem Absatz bekommen wird, da immer mehr Abnehmer
ihre ursprünglichen Zusagen zu überdenken scheinen.
Das
unter dem Erschließungsrecht von BP Amoco stehende Tangguh-Erdgasfeld
verfügt über derzeit ca. 20 Trillionen m³ Erdgas.
Die
Produktion pro Jahr kann scheinbar mühelos auf allein auf 9 Mio. Tonnen
gesteigert werden. Obwohl China seine Erdgasversorgung teilweise selbst
bei einer Pipeline von Westchina (Tarim-Becken-Erdgasfeld) bis nach
Shanghai leitet, zielen die Planungen der China National Offshore Oil
Cooperation auf die Versorgung Südchinas durch die südostasiatischen
Anreinerstaaten.
Derzeit
wird in Südchina in der Provinz Guangdong
ein Hafenterminal ausgebaut, daß die Erdgasversorgung gewährleisten
soll. Hierbei handelt es sich um eines von 3 Projekten entlang der
chinesischen Küste. Kernfrage der Versorgung Chinas ist wie überall der
Preis. Hier wird es einen erheblichen Wettbewerb geben, der im Zweifel von
dem Anbieter gewonnen wird, der den schnellsten und besten Bezug gewährleistet.
Dies macht wie die Erschließung selbst erhebliche Zukunftsinvestitionen
erforderlich, die insbesondere Indonesien weiter attraktiv machen. Auch
Singapur, zu dem eine rund 3.588 km lange Pipeline gebaut werden wird,
wird zu den Kernbeziehern der indonesischen Erdgase zählen.
Größtes
Projekt in den Überlegungen Indonesiens ist der Bau einer 10.000 km
langen Gas-Pipeline, die von Indonesien aus 10 Mitgliedstaaten Asiens
erreichen sollen.
Dieses
auf 20 Jahre ausgelegte Investitionsprojekt soll bis zum Jahre 2020
abgeschlossen sein und zu einer weiteren Vernetzung in der südostasiatischen
Region unter Energiegesichtspunkten beitragen.
Bestehende
Pipelines sollen hierbei einbezogen werden. Die Erdgasausrichtung Südostasiens
wird vorrangig betrieben, da hiermit eine saubere Energienutzung
verbunden wird.
Zudem
ist es seit dem Treffen der ölimportierenden Länder Asiens im Juli in
Hanoi offizielle Politik der Regionen auf dem Hintergrund der hohen Ölpreise
Alternativen im Erdgasbereich zu entwickeln. Die Gesamtreserven an Erdgas
werden derzeitig bezogen auf Indonesien, Malaysia und Brunai auf 227
Trillionen m³ geschätzt. 30 % der bestehenden Kraftwerke in der Region
basieren auf Gasfeuerung.
Der
Anteil soll stetig, vor allem in Indonesien ausgebaut werden. Indonesien
arbeitet an einem Gas-Pipeline-Masterplan, dessen Fertigstellung im nächsten
Jahr, also 2001, erwartet wird.
Die
Planungen stehen im engen Zusammenhang mit den Überlegungen Jakartas, die
Erdöl- und Gasindustrie weiter zu deregulieren, was die Anwesenheit,
vor allem amerikanischer Berater in Jakarta, verständlich macht. Ziel des
Masterplans wird eine Vernetzung der Regionen zur Sicherheit der
Erdgasversorgung sein. Welcher Wandel mit der Wiederentdeckung des
Erdgases als natürliche Ressource im öffentlichen Bewußtsein Chinas und
Indiens verbunden ist, macht folgendes deutlich: Bis 1998 spielte etwa in
China Erdgas eine untergeordnete Rolle.
In
China war Gas überhaupt kein Thema. Die gesamte Wirtschaft war auf die Förderung
von Kohlen und die Erschließung vorhandenen Erdölressourcen
ausgerichtet.
Die
auch in China deutlich gewordenen Folgen des sauren Regens, der 40 % der
ohnehin spärlichen Landnutzungsfläche bereits geschädigt hat, zwang zu
einem Umdenken. Umweltschutzgründe sind es, die China veranlassen, ein
Umschwenken in der Energiepolitik voranzutreiben, so daß vorrangig Wasser
und Erdgas in Frage stehen.
Die
Erschließung und Nutzung der eigenen Ressourcen in China und Indien wirft
für beide betroffenen Ländern erhebliche Investitionsfragen auf, die
beantwortet werden müssen, da die bereits bestehenden Verkehrssysteme
etwa derart ausgelastet sind, daß die Grenzen des Wachstums erreicht
sind. Weitere Erschließungen im Infrastrukturbereich sind erforderlich
und gewährleisten nicht einmal, daß der Eigenbedarf gewährleistet ist.
Um
alternative Versorgungswege zu öffnen, plant China bereits langfristig
den Aufbau eines durchgehenden Binnen-Pipelinenetzes zur Gasversorgung.
Hierbei werden die industriellen Zentren im Nordosten, in Zentralchina,
aber auch in der Küstenregion sowie Südchinas bedacht. Die Erschließung
Westchinas aber auch der Grenzregionen sowie die dortigen Investitionen in
den Erdöl und Erdgasbereich verdeutlichen, daß China, im Zentrum aller
energieproduzierenden Länder Asiens gelegen in jeder Himmelsrichtung
sicherstellen wird, daß eine stör-und krisenunanfällige Versorgung auf
Dauer gewährleistet wird.
Der
dabei entstehende Wettbewerb wird unter Berücksichtigung des ansteigenden
Energiebedarfs aller Voraussetzungen nach nicht mit einem Preisverfall
verbunden sein, so daß eine Refinanzierung der Investitionen in den Erdöl-
und Erdgasbereich in Indonesien, Malaysia und den übrigen Anbieterländern
gewährleistet ist. Das jährliche Wachstum im Bereich des Gasverbrauchs
wird bezogen auf China derzeit auf 15 % pro Jahr geschätzt.
Allein
der Bedarf Chinas soll bis zum Jahre 2015 im Umfang von 40 % durch Importe
gedeckt werden. Kein Wunder also,
wenn insbesondere die chinesischen Staatsunternehmen im nach wie vor
staatlichen Energiebereich auf der Messe in Jakarta zur Sicherung
langfristiger Ziele vertreten waren. Hierbei soll nicht unerwähnt
bleiben, daß auch im Bereich der Erdölversorgung davon auszugehen ist,
daß China nach wie vor überwiegend Importeur von Erdöl ist und die
eigenen Ressourcen bei weitem nicht ausreichen, den aktuellen Bedarf zu
sichern. Zur Erinnerung: Die bisher erschlossenen Erdölreserven Chinas
sind so unbeachtlich im Verhältnis zur Steinkohle, daß Erdöl vorrangig
im Bereich der industriellen Nutzung und Chemie Verwendung findet.
Die
vorstehenden Ausführungen verdeutlichen, daß auf dem Hintergrund des
Wachstums in der südostasiatischen Region ein enges Wechselverhältnis
zwischen Wachstum einerseits, und Energieversorgung andererseits besteht,
daß vor allem dadurch geprägt ist, daß ein wirtschaftlicher Fortschritt
unmittelbar auch mit einem höheren Verbrauch natürlicher Ressourcen
verbunden ist.
Neben
den ökologischen Aspekten, die für die Nutzung von Erdgas sprechen,
bleibt allerdings zu berücksichtigen, daß mit einer stärkeren
Erdgasnutzung in der Zukunft noch lange nicht eine Verbesserung der
Gesamtbilanz Umweltbelastung zu rechnen ist.
Der
nach wie vor starke Anteil von Kohle und Erdöl steht dem zunächst einmal
im Wege. Allerdings hat die chinesische Regierung beispielsweise
begriffen, daß an dieser Gesamtbilanz zu arbeiten ist, weshalb die Berücksichtigung
des Umweltschutzes in Zukunft strategische Bedeutung erhält. Länder wie
Indonesien werden sich diesem Aspekt ebenfalls nicht entziehen können,
zumal die Eigenbelastung entsprechend hoch ist. Perspektiven für die
Wirtschaft ergeben sich hierbei nicht allein im Bereich der Erschließung
der vorhandenen Ressourcen, was nicht unbedingt zur deutschen Domäne zählt.
Der
wirtschaftliche Vorteil liegt sicherlich sehr viel mehr im Bereich der
Verarbeitung, der Energieversorgung selbst, der Umwandlung in Strom sowie
der Absatzsicherung, was allein durch das Thema deutlich wird, Anschluß
der privaten Haushalte an Gasversorgungsnetzwerke.
Hier
sind infrastrukturelle Investitionen auf kommunaler und regionaler Ebene
gefragt, die einen überschaubaren und händelbaren Absatz natürlicher
Ressourcen zum Gegenstand haben.
Der
Bedarf an Leitungsnetzen, Erdgaszählern und Versorgungseinrichtungen ist
immenz und verdeutlicht, in welcher Weise sich lokale Haushalte in den nächsten
20 Jahren umstellen werden. Hier ergeben sich erhebliche Perspektiven für
den Mittelstand und vor allem die Haustechnik, da derartige Fachdisziplinen
weder in Indonesien noch in China in einer mit uns vergleichbaren
Ausstattung vorhanden sind.
Auch
der Gas- und Behälterbau wird von den Zukunftsinvestionen profitieren können.
Gleiches gilt für den Bereich Klimatechnik. Großinvestitionen werden in
diesem Zusammenhang weiter im Erdölraffineriebereich zu erwarten sein.
Hier wäre die Präsenz deutscher Anbieter wünschenswert.
Nicht
zuletzt erscheint die derzeitige Außenwirtschaftspolitik Deutschlands und
Europas fragwürdig, wenn diese letztlich nur auf den entwicklungspolitischen Ansatz reduziert wird und den amerikanischen und
britischen Anbietern das Thema Deregulierung der staatlichen
Energieversorgung überlassen wird.
Eine
Deregulierung der Energiemärkte in der Asien-Pazifik-Region sollte nicht
mit einer einseitigen Privatisierung zugunsten amerikanischer Großkonzerne
verbunden sein. Aus diesem Grunde ist es aus deutscher Sicht besonders
wichtig, daß die Entscheidungsprozesse bei der Umgestaltung der
indonesischen Wirtschaft maßgeblich auch von deutschen und europäischen
Beratern mitgestaltet werden.
Nur
dadurch ist gewährleistet, daß eine offene Marktpolitik betrieben und
wettbewerbsrechtlich gesichert wird. Ob auf dem Hintergrund der
vorstehenden Ausführungen ein übergeordnetes Konzept hinter der
Verunsicherung der Welt in Bezug auf die südostasiatische Region steht,
ist sicherlich spekulativ und ohne wissenschaftlichen Nachweis nicht zu
beantworten.
Fakt
ist jedenfalls und allein dies verlangt Beachtung, daß insbesondere seit
dem Beginn der Asienkrise und der damit verbundenen Wertevernichtung vor
allem auch in Indonesien eine äußerst aktive US-amerikanische
Akquisitionspolitik betrieben wird, die nicht nur auf eine Übernahme
angeschlagener Industrie- und Technologieunternehmen zielt, sondern auch
auf die Gestaltung der Deregulierung in den Schlüsselindustriebereichen Südostasiens
wie Telekommunikation, Bergbau und Energie, Wasserversorgung etc.
Wenn
die amerikanische Konkurrenz also die Krise zum Anlaß nimmt, verstärkt
gerade dort zu investieren, wo es angeblich so ungesichert ist, dann müssen
wir die Frage neu aufwerfen, ob denn unser Engagement beispielsweise in
Indonesien von den richtigen Prämissen bestimmt ist.
Wenn
heute dem Handelsblatt zu vernehmen ist, daß der Herr Bundesaußenminister
ein Engagement in Indonesien deshalb für sinnvoll hält, weil auch die frühere
Regierung die alte indonesische Regierung unterstützt hat und man sich
dem Demokratisierungsprozeß nicht verschließen kann, dann spricht
hieraus sicherlich eine unzureichendes Verständnis von dem, was heute
erforderlich ist.
RA
Eberhard J. Trempel
Asien-Pazifik-Forum Berlin
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