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Partielle Privatisierung der Stromerzeugung - Voraussetzungen und Modelle
Der geplante drastische Ausbau
der Stromerzeugungskapazitäten von 200 GW im Jahre 1994 auf 300 GW im Jahr
2000 erfordert aber ein gewaltiges Investitionsvolumen von über 100 Mrd. US$,
ein Bedarf, der ohne privaten ausländischen Mittelzufluß wohl kaum zu decken
wäre. Geeignete Finanzierungsmodelle sind gegeben, erste Erfahrungen werden
gesammelt. Allerdings weist Chinas bisheriger Weg in Richtung Marktöffnung
einige Widersprüche auf. Um so mehr wird es darauf ankommen, daß die
chinesische Führung Rahmenbedingungen schafft, die das Projektrisiko für
alle Beteiligten kalkulierbar machen. Die Pacific
Consult-Gruppe ist von der Asian
Development Bank (ADB) beauftragt, zusammen mit der chinesischen Regierung
die für verstärkte Auslandsinvestitionen im Energiesektor notwendigen
rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zu erarbeiten. Wasserkraftwerk am Oberlauf des
Yangze; beim weiteren Ausbau des Energiesystems in China spielt die
Wasserkraft eine wichtige Rolle; das seit 19931aufende "Drei-Schluchten-Proiekt“
(18200 MW) unterstreicht dies. China ist mit über 900 Mrd.
erzeugten kWh pro Jahr der viertgrößte Stromerzeuger der Welt. Mit einer
installierten Kraftwerksleistung von über 200 GW verfügt das Land über mehr
als doppelt so viel Kraftwerkskapazität als der bevölkerungsmäßig
zweitgrößte Staat der Welt, Indien (ca. 84 GW) oder soviel wie alle anderen
asiatischen Länder zusammen - inklusive Indien, Pakistan und die
ASEAN-Länder. Aktuelle Situation in der Energieversorgung Mit jahresdurchschnittlichen
Zuwachsraten von 8-9 % seit Anfang der 80er Jahre konnte China einen sehr
raschen Ausbau der Stromversorgungskapazitäten realisieren. Seit Beginn der sozialistischen
Entwicklungsphase Anfang der 50er Jahre hatte der Energiesektor eine hohe
Priorität beim Aufbau der Wirtschaft inne. Mit über 25% aller kumulierten
staatlichen Investitionsmittel ist zwischen den 50er bis Anfang der 80er Jahre
ein - auch im Vergleich zu anderen Ländern - überproportional hoher Anteil
gesamtwirtschaftlicher Investitionen in den Ausbau des Energiesektors
geflossen. Die in China vorhandenen
Primärenergievorkommen sind ausreichend, um das Land auch auf absehbare Zeit
mit Energie zu versorgen. Die Volksrepublik verfügt mit 370 GW
erschließbaren Wasserkraftreserven über die größten Wasserkraftvorkommen
der Welt. Umfangreiche Vorkommen an und die prospektiven Kohlenwasserstoffe(n)
können die Deckung eines wachsenden Bedarfs an Primärenergie für die
Industrie und thermischen Kraftwerke sichern. Da die Wachstumsraten der
industriellen Produktion im Zeitraum seit Anfang der 50er Jahre jedoch bei rd.
10% lagen und die Energieversorgung durch diverse Strukturprobleme
gekennzeichnet ist, ist es der chinesischen Führung trotz des rapiden Ausbaus
der Kapazitäten nicht gelungen, eine seit Ende der 70er, Anfang der 80er
Jahre entstehende Deckungslücke bei der Stromversorgung zu verhindern bzw.
sie wieder zu schließen. Der Pro-Kopf-Verbrauch an
Elektrizität beträgt mit ca. 800 kWh p.a. lediglich knapp ein Drittel des
Weltdurchschnitts oder gerade etwa ein Zehntel des Pro-Kopf-Verbrauchs in
Industrieländern. Gegenwärtig ist die
Energieversorgung (zusammen mit dem Transportsektor, der Telekommunikation und
zunehmend auch Wasserversorgung sowie der Umwelt) einer der entscheidenden
Engpässe für das weitere wirtschaftliche und insbesondere das industrielle
Wachstum. Betroffen von den Primär- energie- und
Elektrizitätsversorgungsproblemen sind insbesondere die industriell rasch
prosperierenden Küstenregionen des Landes. Etwa 15-20% der industriellen
Produktionskapazitäten können mangels verfügbarem Strom nicht genutzt
werden. Für die Versorgungslücke gibt
es mehrere Gründe. Von Bedeutung ist sicherlich die teilweise ungünstige
regionale Industriestruktur. So sind beispielsweise in rohstoffarmen Regionen
wie im Großraum Shanghai sehr rohstoff- und energieintensive Zentren
angesiedelt, was bei der Versorgung erhebliche logistische Probleme mit sich
bringt. Hinzu kommt, daß es noch kein landesweites Elektrizitätsnetz gibt,
das einen Ausgleich der Bedarfsschwankungen ermöglicht. Durch die langen
Übertragungsstrecken sowie die - in vergleichbaren Ländern ebenfalls
gegebenen - illegalen Stromabnahmen im Verteilungsnetz sind Verluste in Höhe
von 16-20% gegeben. Von vorrangiger Bedeutung für
die Energieversorgungslücke ist jedoch der vergleichsweise geringe
energetische Wirkungsgrad in Chinas Stromversorgungssystem. Der Wirkungsgrad
chinesischer Wärmekraftwerke liegt im Landesdurchschnitt unter 30% - bedingt
durch geringe bzw. instabile Qualität der eingesetzten Brennstoffe, z. T.
veraltete Kraftwerksausrüstungen,
unzureichende Wartung der Anlagen sowie generelle Unzulänglichkeiten beim
Management von Kraftwerken (und auch der Stromverteilungseinrichtungen). Das
in vielen Fällen gegebene "suboptimale“ Management läßt sich zudem
auf fehlende (ökonomische) Verantwortlichkeit der beteiligten Personen/
Institutionen zurückführen, die bislang nicht oder nur beschränkt für den
ökonomischen Einsatz von Ressourcen verantwortlich waren. Geplanter Kapazitätenausbau
Es ist zu erwarten, daß der
weitere Zubau von Energieversorgungskapazitäten nur dann zu einer Reduzierunq
der „Energiekrisen“ führt, wenn es der chinesischen Führung gelingt,
grundlegende strukturpolitische Änderungen in der Energieversorgung zu
realisieren. Ansätze dazu zeichnen sich seit Mitte der 80er und verstärkt
seit Anfang der 90er Jahre ab, wobei jedoch - was aufgrund historischer bzw.
gesellschaftspolitischer Gegebenheiten wiederum nicht überraschend ist - noch
kein konsequent durchgeführtes Konzept erkennbar ist. Die chinesische Regierung
plant, in den nächsten Jahren die Kraftwerkskapazitäten erheblich
auszubauen. Bis zum Jahr 2000 soll die installierte Kraftwerksleistung auf
insgesamt ca. 300 GW erweitert werden. Der Investitionsbedarf
(einschließlich T&D-Kapazitäten) wird eine Größenordnung von
über 80 Mrd. US$ erreichen. Eine qualitative Neuerung ist
die beabsichtigte Einbeziehung von privatem Investitionskapital in den
Energiesektor - nachdem bereits seit den 80er Jahren zunehmend eine
Dezentralisierung der Zuständigkeiten auf die der Zentralregierung
untergeordneten Verwaltungsebenen stattgefunden hatte. Reformen: Dezentralisierung
Während die Quelle für die
Faktorallokation in China in der rd. 30jährigen Phase der hochzentralisierten
staatlichen Wirtschaftspolitik weitgehend der zentrale Staatshaushalt war, ist
seit Beginn der Reformpolitik Anfang der 80er Jahre ein Wandel eingetreten.
Bis Anfang der 80er Jahre waren noch über zwei Drittel des Kapazitätsausbaus
im Energiesektor aus dem Zentralhaushalt finanziert worden. Bis Anfang der
90er Jahre war dieser Anteil auf weniger als 10 % zurückgegangen. Seither
wird der überwiegende Teil der Finanzmittel aus Tarifeinnahmen der
Nutzer/Stromverbraucher, aus Schuldverschreibungen der Provinzregierungen, der
Kapitalisierung des jeweiligen (staatlichen) Energieversorgungsunternehmens
durch öffentliche Aktienausgabe oder anderen Quellen gewonnen. In der
Südprovinz Guongdong beispielsweise wurden spezielle Fonds geschaffen, die
von Kapitaleinlagen stromverbrauchender Unternehmen gespeist werden, die mit
der Kapitaleinlage das Recht auf (spätere) Stromzuteilungen erwerben. Der bedeutendste spezielle Fond
für Energieprojekte der Regionalregierungen ist der "Electricity
Construction Fund", der aus 0,02 RMB/kWh der Tarife gefüllt wird. Bei
rd. 900 Mrd. generierten kWh (1994) konnten über diesen Fond (statistisch)
ca. 18 Mrd. RMB für neue Energieprojekte
akkumuliert werden. Der Anteil der aus self-raised
fundsfinanzierten Infrastrukturprojekte an den insgesamt errichteten belief
sich Anfang der 90er Jahre bereits auf rd. 60%. Mit der Verlagerung gewisser
Entscheidungsbefugnisse auf Provinzebene haben auch die Kompetenzen der
Regionalverwaltungen bei der Einbeziehung von ausländischem
Investitionskapital zugenommen. Der Umfang der jeweiligen
Entscheidungskompetenzen der einzelnen Provinzen variiert allerdings in
Abhängigkeit von der wirtschaftlichen und insbesondere der
außenwirtschaftlichen Bedeutung der Provinz. Die „reichen“ Provinzen der
Ostküste haben in der Regel umfassendere Kompetenzen als die Provinzen im
Landesinneren. So wurde beispielsweise das auslandsfinanzierte
Kraftwerksprojekt Shajiao C in Guangdong
weitgehend auf Provinzebene entschieden und vertraglich geregelt. Inzwischen zeigt sich, daß
auch von anderen Provinzen der Anspruch auf erweiterte Kompetenzen bei der
Nutzung von Auslandskapital zum Ausbau der Infrastruktur artikuliert wird.
Allerdings haben andere Provinzen - im Unterschied zur Provinz Guangdong -
meist nicht vergleichbar günstige ökonomische Voraussetzungen. Ferner sind
seitens der Zentralregierung bislang noch nicht die notwendigen
Rahmenbedingungen geschaffen - wesentlich bedingt durch die vorausgegangene
stark von zentralstaatlichem Einfluß geprägte entwicklungspolitische Periode
der vergangenen vier Jahrzehnte. Privatisierung und
BOT-Modelle
Mit dem relativ raschen
Industrialisierungsprozeß und der daraus resultierenden rapide wachsenden
Stromnachfrage ist China beim Ausbau der Infrastrukturbereiche an die Grenzen
der eigenen verfügbaren Ressourcen gestoßen - sowohl der Kapitalressourcen
als auch der Manpower-Ressourcen. Ähnlich dem Beispiel anderer
Länder ist die chinesische Regierung bemüht, das weltweit in gewinnbringende
Anlagenbereiche strebende Investitionskapital zu akquirieren und Bereiche des
öffentlichen Sektors privaten Sponsoren/Investoren als potentiell prospektive
Investitionsbereiche zu offerieren. Dabei soll auch die dem Privaten Sektor
inhärente dynamische Rolle genutzt werden. Grundsätzlich gibt es mehrere
Möglichkeiten für eine Integration privater Interessen in den Öffentlichen
Sektor: ·
Privatisierung des Öffentlichen Sektors:
Privateigentum an den Projekten und (komplette) Kontrolle bzw. partielle
Privatisierung in Form von Joint Ventures; ·
BOT-Verträge (bzw. Modifikationen: BOO, LOT, BOOT
etc.): das Eigentum am Projekt (z.B. Kraftwerk, Straße, Eisenbahntrassen mit
rollendem Material) verbleibt bei der Regierung des Landes, während der
Private Sektor die Entwicklung, die Errichtung, die Finanzierung und den
Betrieb (operation) inkl. Wartung des Projektes übernimmt; ·
Contracting out: der Private Sektor errichtet ein
Projekt und/oder betreibt es für einen vereinbarten Zeitraum zu definierten
Vergütungen (ohne Finanzierungs- oder Ertragsrisiken des Privaten Sektors); ·
Leasing: der Private Sektor entwickelt, baut und
finanziert ein Projekt und erhält von der Öffentlichen Hand
Leasing-Gebühren für die Nutzung des Projektes. An Bedeutung gewinnt in den
vergangenen Jahren die Finanzierungsoption BOT (bzw diverse Modifikation des
Grundmodels). BOT-Modelle sind grundsätzlich
dann für Infrastrukturprojekte geeignet, wenn eine Privatisierung
ausgeschlossen ist, da die jeweilige Regierung ein gewisses Maß an
strategischer Kontrolle über die infrastrukturelle Entwicklung aufrecht
erhalten will. Ebenso ist die Eignung gegeben, wenn eine bedeutsame
initiierende Investition in neue Bereiche oder zur grundlegenden Verbesserung
vorhandener Einrichtungen erforderlich ist oder auf diese Weise wesentliche
Verbesserungen der Effizienz erlangt werden können - sei es bei der
Errichtung und/oder dem Betrieb eines Projektes Grundvoraussetzung ist, daß
der Private Sektor seine Investitionen im wesentlichen aus Rückflüssen der
Leistungsnutzer (Tarife) amortisieren kann. Zu den Bereichen, die sich für
BOT- Finanzierung auch im Falle Chinas anbieten, zählen Stromversorgung,
Stromerzeugung und ggf. -übertragung, Teile des Verkehrswesens (ausgewählte
Eisenbahn- und Straßenverbindungen), die Wasserversorgung und -aufbereitung
sowie die Telekommunikation. In allen genannten Bereichen
sind in China aufgrund der gegebenen drastischen Unterdeckung der Nachfrage
große Zuwachsraten beim Verbrauch zu erwarten. Die Bereitstellung notwendiger
Kapazitäten setzt erhebliche Vorleistungen (Investitionen) voraus und die
Amortisation dieser Investitionen ist grundsätzlich aus den Rückflüssen
(Tarifen) möglich. Es lassen sich eine Reihe von
Vorteilen von BOT-Projekten nennen. Einige grundlegende Vorteile sind: ·
niedrigere Kosten: Ein erfahrener, an
ökonomischen Kriterien ausgerichteter Betreiber wird gemäß internationaler
Erfahrungen bei Einsatz moderner, effizienter Technologie voraussichtlich zu
niedrigeren Kosten produzieren als Angestellte der Öffentlichen Hand. Dies
führt mikroökonomisch zu Vorteilen für die Abnehmer und makroökonomisch
beispielsweise zu Wettbewerbsvorteilen des Industriesektors gegenüber
Herstellern in anderen Ländern. ·
Transfer von Technologie und Know-how: Ober
BOT-Projekte kommt moderne Technologie (z. B. Kraftwerke) ins Land; durch die
Ausbildung lokaler Arbeitskräfte für den Betrieb von Kraft- werken wird ein
wesentlicher Know-how-Transfer realisiert. ·
Rückflüsse von Finanzmitteln an nationale Banken
und Unternehmen: Da in der Regel Banken des Gastlandes als Kreditgeber
auftreten und ebenfalls Unternehmen/lnvestoren wie Utilities oder andere
staatliche Gesellschaften/lnstitutionen als (Tei)-Eigner involviert sind,
profitiert das Gastland unmittelbar von den Einnahmen. ·
Nach Ablauf der Vertrags- bzw. Nutzungsperiode
findet eventuell ein Übergang der Anlage zugunsten der lokalen Kontrolle
statt: Bei einer vertraglich begrenzten Nutzungsperiode des Projektes für den
ausländischen Sponsor ist in den bislang weltweit realisierten B0T-Projekten
meist ein Transfer von Besitz und Kontrollrecht eines Projektes an das
Gastland vorgesehen. Gewisse Nachteile von BOT-Projekten sind -
zumindest aus Sicht einer an direkter Einflußnahme des Staates orientierten
Regierung - sicherlich gegeben. ·
ein partie11er Kontrollverlust der Regierung des
Landes: Nicht umsonst hatte die chinesische Regierung den Energiesektor
bislang als strategischen Bereich definiert, der nicht einer ausländischen
Einflußnahme/Kontrolle ausgesetzt werden soll; ·
eine Einschränkung der indirekten ökonomischen
Lenkungsmöglichkeiten: Investitionen in den Ausbau bestimmter öffentlicher
Branchen werden oft als Anstoß für ein Engagement des privaten Sektors
genutzt; ·
eine rein an finanziellen Rückflüssen des
Projektes gemessene Bewertung: gesamtökonomische Bewertungskriterien (z. B.
sozialpolitische Erwägungen) sind von untergeordneter Bedeutung; ·
höhere Finanzierungskosten: Die Einbeziehung
privater Geldgeber ist in der Regel teurer als eine Finanzierung durch die
Öffentliche Hand; ·
Einnahmen-Einbußen der Öffentlichen Hand: Die
Erträge aus dem Verkauf der Leistungen (Tarifeinnahmen beim Stromverkauf)
gehen zum Teil (in Abhängigkeit vom gegebenen Beteiligungsverhältnis) an den
Developer/ Investor. Letztlich obliegt es der
Regierung eines Landes, eine grundsätzliche Entscheidung über den
zuzulassenden Anteil des Privaten Sektors im jeweiligen Versorgungsbereich zu
treffen und die einzelnen Projekte entsprechend den Vor- und Nachteilen zu
bewerten. Chinas bisheriger Weg
In China dominiert in den
maßgeblichen Regierungskreisen aus historisch/gesellschaftspolitischen
Gründen trotz aller bereits durchgeführten Reformen die Einstellung, daß
der ausländische Einfluß kontrollierbar bleiben muß. Gerade in den Sektoren
Energie, Transport oder Telekommunikation (sog. strategisch wichtige Bereiche)
blieben bislang wie erwähnt ausländische Investoren vom Erwerb von
Kontrollrechten weitgehend ausgeschlossen. So besteht seitens der
chinesischen Regierung einerseits die Erwartung, zusätzliches Kapital von
ausländischen Investoren zu akquirieren; noch nicht gereift jedoch ist die
Bereitschaft, dem Investor den erforderlichen Einfluß zur Realisierung
angemessener Erträge zu gewähren bzw. die notwendigen Voraussetzungen zu
schaffen {oder aber: die für einen Kapitalzufluß fehlenden Voraussetzungen
durch entsprechende staatliche Garantien abzusichern). Private Unternehmen investieren
Anlagekapital in der Regel nur dann, wenn die erwarteten Rückflüsse
vergleichsweise attraktiv und das verbundene Risiko kalkulierbar ist. Während
Developer/Investoren in etablierten marktwirtschaftlichen Systemen das
Projektrisiko im wesentlichen kalkulieren können, weil sich alle Faktoren
nach marktwirtschaftlichen Kriterien entwickeln - inklusiv dem Risiko für die
Errichtungsphase, dem Betrieb bzw. Produktions- und Marktrisiko,
Preisentwicklung etc. - unterliegen diese Faktoren in China z. T. noch
zentraler Kontrolle und sind somit schwieriger kalkulierbar. Ent- sprechend
bestehen gewisse zusätzliche Risiken im ökonomischen Umfeld. Dazu zählen auch Faktoren wie
Änderungen der wirtschaftspolitischen Richtlinien sowie der
Entwicklungsprioritäten, der rechtlichen Rahmenbedingungen oder auch die
administrative Zuständigkeit. Im Einzelnen sind dies Faktoren und
Rahmenbedingungen, die von einer im Wirtschaftsgeschehen weitgehend autonom
agierenden Regierung kurzfristig beeinflußt und geändert werden können, wie
beispielsweise die Zinssätze, Tarife, Zölle, Steuern, Wechselkurse, ferner
auch die Rohstoffversorgung oder Rahmenbedingungen für den Einsatz von
Arbeitskräften (Löhne, Einstellungs- und Freisetzungsbedingungen bzw. -reglementierungen). Bis Anfang 1994 schien der
Power Sektor Chinas für ausländische Investoren noch sehr attraktiv. Über
multi- und bilaterale Finanzinstitutionen und Private Banken wurden eine Reihe
von Kraftwerken (co)finanziert Bis 1992/93 wurden nach Angaben des Ministry
of Electric Power Kraftwerkskapazitäten von rd. 34 GW mit Hilfe von
ausländischem Kapital errichtet. Laut Angaben des Ministry of Electric Power
sollen im Zeitraum 1995-2000 ca. 25 Mrd. US$ an ausländischem Kapital zum
Ausbau des Stromversorgungssektors einbezogen werden. Neben zahlreichen
Kraftwerksprojekten wurden Anfang der 90er Jahre mehrere Straßenverbindungen
sowie Eisenbahnstrecken, der Bau von Häfen und Flughäfen sowie
Wasserversorgungsprojekte als potentielle BOT- Projekte verhandelt. Auf BOT-Basis realisiert wurden
bislang jedoch erst wenige Projekte - unter anderem die Kraftwerke Shajiao B
und Shajiao C in der Provinz Guangdong, das Laibing
Power Plant Project (Guangxi) sowie die Autobahnverbindung
Shenzhen-Kanton. Als vertragliche Lösungen wurden für diese Projekte
zusammen mit der Provinzregierung Guangdong sehr spezifische Konzepte gefunden Nachdem die chinesische
Regierung im Jahr 1994 erklärte, die Gewinnrate für ausländische Investoren
bei BOT-Projekten im Energiebereich auf 12-15% begrenzen zu wollen (es gibt
hier unterschiedliche Angaben chinesischer Vertreter von Ministerien) - ohne
Gewährung entsprechender Garantien - hielten sich ausländische potentielle
Investoren zunächst zurück und Verhandlungen fingen an, zu stagnieren. Inzwischen steht China
zunehmend im Wettbewerb mit anderen Staaten um ausländisches
Investitionskapital für den Ausbau der Infrastruktur. Länder, wie
beispielsweise die Philippinen, Indonesien oder auch Australien (gleichfalls
Länder in Süd- und Mittelamerika) bieten attraktive Investitionsbedingungen
für ausländische Kapitalanleger und Developer an und errichten bereits
erfolgreich Kraftwerke mit ausländischem Investitionskapital auf BOT-Basis
(bzw. modifizierte Finanzierungskonzepte, wie BOO, BOOT LOT etc). Hinderlich für die
Realisierung von BOT-Projekten ist in China indes nicht nur die administrative
Beschränkung der Gewinnperspektiven. Es gibt zahlreiche weitere Hemmnisse,
die private Sponsoren/Kapitalanleger von einem investiven Engagement abhalten,
dessen Kapitalrückfluß (inklusiv einer angemessenen Gewinnrate) erst nach 15
bis 20 Jahren realisiert werden kann. Noch kann China das starke Interesse
ausländischer Investoren nutzen, wie der Abschluß des ersten international
ausgeschriebenen BOT-Projektes „Laibin B“ {750 MW) in der Provinz
Guangxi mit einem Volumen von 600 Mio. US$ zeigte. China konnte bei
diesem Projekt mit der EdF und GEC Althorn Konditionen aushandeln, die mit
großer Wahrscheinlichkeit nicht dauerhaft reproduzierbar sein können - zumal
dann nicht, wenn die Finanzierungen ausschließlich über den internationalen
Kapitalmarkt erfolgen werden. Grundsätzlich ist die
chinesische Regierung indes gewillt, die Rahmenbedingungen an internationalen
Gegebenheiten zu orientieren. Dies zeigte zum einen der Verlauf des
Ausschreibungsprozesses bei Laibin 8. Zum anderen läßt sich die Regierung
beim zweiten international ausgeschriebenen BOT-Projekt, dem Kraftwerk
Changsha {700 MW, Provinz Hunan, Ausschreibung im April d.J.) von aus-
ländischen Consultants beim Ausschrei bungs-, Evaluierungs- und
Verhandlungsprozeß beraten. Als Beratungsunternehmen
für das Changsha-Projekt wurde unter zahlreichen internationalen
Bewerbern ein von der Pacific-Consult geleitetes Konsortium ausgewählt. Voraussetzungen für
Privatinvestitionen Das chinesische
Wirtschaftssystem befindet sich gegenwärtig in einer Übergangsphase: weg von
einer hochzentralisierten Wirtschaftsordnung hin zu einer mit
marktwirtschaftlichen Elementen und indirekten Steuerungsmechanismen gelenkten
Wirtschaft. In dieser Übergangsphase werden bereits marktwirtschaftliche
Mechanismen genutzt; gleichzeitig ist grundsätzlich weiterhin eine direkte
staatliche Einflußnahme in nahezu allen Bereichen des Wirtschaftsgeschehens
möglich. So können Einzelunternehmen beispielsweise nicht ohne weiteres auf
Produktionsfaktoren wie Kapital (z.B. für den laufenden Betrieb eines
Unternehmens) ferner auf Roh- und Hilfsstoffe (im Falle des
Kraftwerksbetriebes: Brennstoffe), die Verkehrsinfrastruktur
(Transportkapazitäten) oder auch Devisen (noch beschränkte Konvertibilität
von capital accounts) zugreifen, wie dies grundsätzlich in Marktwirtschaften
der Fall ist, in denen der Staat nur die Rahmenbedingungen setzt und indirekt
lenkt. Insofern sind für private (ausländische) Investoren in öffentlichen
Bereichen wie der Energieversorgung, im Unterschied zu etablierten und frei
funktionierenden Marktwirtschaften eine Reihe von nicht kalkulierbaren Risiken
gegeben. Einzellösungen, wie sie
beispielsweise bei dem bei Projekt Shajiao C gefunden wurden, können nur
bedingt beispielhaft für andere Projekte kopiert werden: nur wenige andere
Provinzen verfügen international über eine ausreichend gute Reputation zur
Anerkennung von Garantien der Provinzregie- rung durch internationale
Investoren bzw. Banken (im Falle Guangdong repräsentiert durch die Guangdong
International Trust & Investment Corporation). Die wichtigsten
Problembereiche bei BOT -Projekten in China sind in der Grafik aufgeführt. Da im Falle Chinas zum
gegenwärtigen Stand der
Dezentralisierung und Privatisierung der Wirtschaft i.d.R. der Staat
(als zentrale oder lokale Behörde} bzw. Firmen in staatlichem Eigentum der
Joint Venture-Partner ist, staatliche Behörden gleichzeitig aber auch
zuständig zeichnen für die Bereitstellung beispielsweise der Brennstoffe,
der Transportkapazitäten, für die Stromabnahme und die Festlegung der
Tarife, ist eine außerordentlich hohe einseitige Abhängigkeit von Behörden
gegeben. Um eines der oben genannten
„Hemmnisse" herauszugreifen: Eine Begrenzung der Gewinnrate für
ausländische Developer - wie durch die chinesische Regierung 1994
angekündigt - ist letztlich kontraproduktiv nicht nur bei der Einbeziehung
von Auslandskapital sondern auch bei der Steigerung der Effizienz eines
Kraftwerkes. Eine Verbesserung des Betriebsmangements zur Steigerung des
Wirkungsgrades (Senkung der Kosten) ist für die Betreiber nur dann
interessant, wenn sie von den resultierenden ökonomischen Ergebnissen
profitieren. Gemäß den Verlautbarungen der chinesischen Regierung sollen
Betreiber jedoch nur dann profitieren, wenn die Effizienzsteigerung zu einer
Erhöhung des Stromabsatzes führt. Da das verkaufte Stromvolumen (kW/h) aber
nur sehr beschränkt vom Betreiber beeinflußbar ist, wäre letztlich kein
Anreiz zur Effizienzsteigerung gegeben. Für die Einbeziehung von
ausländischem Investitionskapital in Energieprojekte muß demnach eine
Verteilung des langfristigen Investitionsrisikos vorgenommen werden, in der
Weise, daß die Öffentliche Hand jenen Teil des Risikos übernimmt, der über
das kommerzielle Projektrisiko hinausgeht. Gegenüber den ausländischen
Investoren (und auch den Kreditgebern) müssen ent- sprechende Garantien
gegeben sein, die das Risiko für Investitionen und Kredite kalkulierbar
machen, wie beispielsweise eine Garantie für die PPA (Power Purchase
Agreement), die Stromverkaufspreise, Devisen und Devisentransfer,
Rohstoffversorgung {nach Quantität und Qualität inkl. der Bereitstellung
entsprechender Transportfacilities)
oder auch die Möglichkeit der Anpassung der Strompreise an geänderte
Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen müssen so gestaltet sein, daß für alle Beteiligten ein überschaubares und kalkulierbares Risiko besteht. Rechtsunsicherheiten können nicht zu Lasten eines einzelnen Partners gehen. Da sich China in einem gesellschaftlichen Wandel befindet, sind umfassende staatliche Garantien erforderlich, um langfristig festzulegendes ausländisches Investitionskapital zum Ausbau der Energieversorgung/Infrastruktur ins Land zu holen. | |||||||||||||||||||
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