Mittwoch | 24. Januar 2001

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Bericht über die Delegationsreise  “Chinaproject” nach Peking und Teilnahme an der Kontaktbörse im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Umweltkonferenz vom 7. bis 16. Dezember 2000.

von Dr.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing. Uwe Arlt              Hamburg,

1. Reiseverlauf
Zu Beginn der Delegationsreise vom 7. bis 10.12.2000 nahm ich an drei Firmenbesuchen/-gesprächen:  China National Machine Tools Industries, Beijing Dixin Real Estate Development Co.,Ltd. und China North Industries Group Corporation NORINCO (G)l teil, die vom Chinaproject organisiert worden waren. Dabei wurden die wirtschaftliche Situation der Unternehmen erörtert und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit angesprochen. 

Vom 11. bis 13.12.2000 war ich Teilnehmer an den Plenumsveranstaltungen der Umwelt-konferenz und an der Unternehmer-Kontaktbörse, die vom Leipziger Internationalen Transferzentrum für Umwelttechnik GmbH (ITUT) im Rahmen der Umweltkonferenz für

58 deutsche und 291 chinesische Unternehmen organisiert worden war.  

Am 14. und 15.12.2000 nahm die ich Möglichkeit wahr, weitere Kontakt- und Kooperationsgespräche mit chinesichen Unternehmen über Möglichkeiten der Anwendung des PyroArc-Verfahrens zur Abfallbeseitigung und -verwertung  in China zu führen.

2. Beurteilung der Plenungsveranstaltung
2.1 Konferenzgeschichte und Eröffnung

Die Konferenz hat ihren Ursprung in der Unterzeichnung einer Austausch- und Kooperationsvereinbarung zwischen der damaligen Nationalen Umweltschutzbehörde Chinas und dem deutschen Bundesumweltministeriums (BMU) im Jahr 1994.

Da der diesjährige deutsche Leiter der Konferenz, Außenminister Joschka Fischer, aufgrund des EU-Treffens in Nizza festgehalten worden war, mußte der Umweltminister, Herr Jürgen Trittin, die Eröffnungsrede halten. Seine Rede ließ teilweise eine Sensibilität hinsichtlich Befindlichkeiten und Mentalität der Chinesen vermissen.

Wenn der Minister in seiner Rede beispielsweise ausführt, daß das Fahrrad ein sehr konfortables Verkehrsmittel sei und sich in Deutschland großer Beliebtheit erfreue, so stimmt dies nur unter der Prämisse, daß fast jeder Deutsche inzwischen ein Auto besitzt. Dennoch stellt das Auto in Deutschland bis heute ein Erfüllungswunsch ersten Ranges dar. Auch ein Minister müßte wissen, daß jeder Chinese neben dem Erwerb eines Fernsehapparates und eines mobilen Telefons (63% aller Haushalte besitzen einen Fernsehapparat, 15% ein Telefon) von einem Auto träumt. Als Alternative zur Ermöglichung einer individuellen, umwelt-verträglichen und gleichzeitig effizienten Mobilität könnte ich mir aber ein abgasarmes Auto in China vorstellen. Nach Aussage des deutschen Bundesverkehsministers, Kurt Bodewig im Januar 2001, bleibt das Auto auch für ihn das Verkehrsmittel Nummer eins.

Dieser Fauxpas ist auch nicht damit zu entschuldigen ist, daß Herr Trittin ebenso wie die Entwicklungsministerin, Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul, der erstemal in China ist. Den Chinesen zu sagen, bleibt Ihr bitte der Umwelt zuliebe autolos, zeugt von Arroganz und  erinnert wieder einmal an unseliges deutsches Sendungsbewußtsein.

2.2 Berichte über die Arbeitsgruppen

In der Analyse der Arbeitsgruppen sind mir die Berichte von Herrn Dr. Jürgen Heraeus (APA),  Herrn Huai Litian (CNEPC) und Herrn Dr. Robert Büchelhofer (VW) in guter Erinnerung.

Herr Dr. Heraeus gab zu, seine in Deutschland geschriebene Rede (wie konnte er die Ergebnisse eigentlich schon vorher wissen?) nach dem Abschluß der Arbeitsgruppe umgearbeitet zu haben. Der katastrophale Zustand der Umwelt in China läßt sich augenscheinlich vor Ort nicht mehr leugnen und wird deshalb auch von chinesischer Seite zugegeben. Über Peking liegt fast das ganze Jahr eine Smogglocke, die von Millionen  umweltunverträglicher Kohleöfen, schadstoffreicher Kraftfahrzeuge und ungefilterter Industrieabgase herrührt.

Herr Huai berichete über rund 70 chinesische Umweltprojekte mit einem Volumen von knapp 600 Millionen Yuan im Bereich:  Behandlung von industriellem und städtischen Abwasser, festem Abfall, Gas-Entschwefelung, Staubentferung und Luftreinhaltung sowie dem Einsatz von Kontrollinstrumenten. Es gibt 50 Umweltschutzprojekte mit ausländischer Technologie in Kooperation mit 10 Ländern (u.a. USA, Japan, Russland, Frankreich, Kanada, jedoch nicht Deutschland!) von ca. 100 Millionen US$. Außerdem gibt es Joint ventures bei der Herstellung von Umweltschutzausrüstungen. Er hofft, daß in Zukunft Kooperationen auf dem Gebiet des Umweltschutzes auch mit Deutschland zustandekommen werden.

Dr. Büchelhofer zeigte die Möglichkeiten für einen umweltgerechten und ressourcen-schonenden Individualverkehr auf. Neben dem 3-Literauto wies er auf den TDI-Dieselmotor hin, der 30% weniger Kraftstoff verbraucht als ein herkömmlicher Ottomotor und einen Betrag zum Treibhauseffekt von -45% aufweist. Allein in Peking würde der Einsatz täglich 650.000 Liter Treibstoff einsparen. Darüberhinaus sind Dieselkraftstoffe entweder aus Erdgas oder aus nachwachsendem Rohstoff, nämlich Raps, herstellbar. Erdgas und landwirtschaftliche Flächen sind in China reichlich vorhanden.

3.  Bewertung der Firmengespräche auf und nach der Kontaktbörse

3.1 Kontaktbörse

Aufgrund meines Firmenprofils in bezug auf Erfahrungen in Beratung, Öko-Audits und Abfallverwertungsverfahren kamen Gespräche über eine Zusammenarbeit im Consulting Bereich, über mögliche Öko-Audits in der Papierindustrie auf Provinzebene sowie über Anwendungsmöglichkeiten des PyroArc-Verfahrens zur Abfallverwertung zustande.

Insgesamt wurden ungefähr 10 Firmengespräche geführt:  Shanxi Province Environmental Protection Industry Association,  Academy of Environmental Science,  Technical Development Center 999 Yichun Engineering & Biochemicals Inc.,  Beijing XiDi Engineering Consulting Corporation,  Shenyang Aircraft Corporation (SAC),  SAC General Products Industry Co., Ltd.,  China National Environmental Protection Corporation (CNEPC),  China Energy Conservation Investment Corporation (CECIC),  China North Industries Group Corp. (NORINCO (G)),  China Wuzhou Engineering & Research Institute. 

Als Unterstützung hatte ich eine Dolmetscherin zur Seite. Bei zwei Gesprächen nach der Kontaktbörse war unser Delegationsmitglied und Sinologe, Herr Jürgen Fritz, zur weiteren Unterstützung dabei. Dies erwies sich bei einigen schwierigen technischen Übersetzungs- und Verständigungsfragen als sehr vorteilhaft. Ich bin Herrn Fritz für seine Hilfe sehr dankbar. 

3.2 Ausgangslage und Bewertung der Gespräche

Das Umweltbewußtsein beginnt bei den Verantwortlichen in China langsam zu erwachen. Während in Deutschland bereits die Umweltsensibilisierung seit Jahrzehnten gewachsen ist und eine hoch entwickelte Umwelttechnik existiert, sind in China - wie sich in den Gesprächen ergab - neben den vorhandenen umwelttechnischen und strukturellen Unzulänglichkeiten noch Akzeptanzschwierigkeiten zu erkennen. Nach meinen Erfahrungen auf der Kontaktbörse sind sich beide Seiten auch nicht immer einig über den Weg, um aus dem Umweltdilemma herauszukommen.

Die Chinesen sehen Kooperationen mit Deutschland gern als Entwicklungshilfe an. Sie sind am Erwerb von moderner Technologie interessiert, besonders wenn sie bezuschußt wird. Geld für Dienstleistungen, wie beispielsweise für Machbarkeitsstudien auszugeben, ist nur sehr schwer durchzusetzen.  

Eine Gesetzgebung für die Abfallbeseitigung entstand im Gegensatz zu derjenigen der Wasser- und Luftreinhaltung erst im Jahre 1996. Das nationale Umweltschutzgesetz fordert neben der Verringerung der Siedlungsabfälle auch eine umweltverträgliche Behandlung und Beseitigung der Abfälle und fordert eine marktwirtschaftliche Betrachtungsweise, wobei Auslands-investitionen willkommen sind.

Die Verantwortung für Industrie- und Sondermüll liegt bei den Produktionsunternehmen.

Im Juli 2000 haben die Umweltbehörde (SEPA), das Ministerien für Wissenschaft und Technologie (MOST) und das Bauministerium (MOC) Richtlinien für eine städtische Abfallbehandlung herausgegeben. Abfallbeseitigung wird von den Kommunalregierungen bezahlt. Mit Beginn der zweiten Hälfte von 1999 haben einige Städte, darunter Beijing, Chengdu (Sichuan Provinz), Nanjing (Jiangsu Provinz), Shanyang (Liaoning Provinz) und Zhuhai (Guangdong Provinz) ein Tarifsystem eingeführt. In Peking z.B. zahlen Bürger zwischen 2 und 3 Yuan/Monat und Haushalt. Diese Beträge sind natürlich zu gering, um Investitions- und Betriebskosten der Müllentsorgung zu tragen.

Augenblicklich werden rund 1,5% des Bruttosozialprodukts für Umweltprojekte ausgegeben. Das reicht nicht aus, um u.a. die jährlich zwischen 700 und 800 Millionen Tonnen anfallenden Industrie- und Sonderabfälle zu entsorgen. Nur ca. 110 Tonnen werden behandelt. Eine Entsorgung von Sondermüll findet wegen mangelnder Kapazität vielfach nicht statt. Gefährlicher Abfall wird in Gruben gelagert. Dazu kommt noch der Hausmüll, der jählich um 6-7 % ansteigt. Insgesamt belaufen sich die Müllberge auf rund 6,5 Billionen Tonnen.

In Anbetracht der Bewerbung für die Olympischen Spiele im Jahre 2008 hat China Pläne im Rahmen eines “Greeen Olympic Games Action Plan” mit Hilfe von Umweltschutz-organisationen bis zum Jahr 2004 vor, Peking und Umgebung in eine umweltfreundliche  Landschaft umzuwandeln.

Eine Verwendung des PyroArc-Verfahrens - einer Plasmatechnologie zur thermischen Behandlung von Abfällen - wäre in diesem Zusammenhang in Peking sicher sinnvoll.

Dieses umweltschonende Verfahren dient zur Verwertung und Beseitigung von Hausmüll sowie besonders überwachungsbedürftiger Abfälle aus dem industriellen Bereich in fester, flüssiger und gasförmiger Konsistenz. Die Anlage gewinnt aus Abfällen in einem geschlossenem System wiederverwertbare Produkte sowie Energie.

Eine Consulting Firma möchte in vager Vorstellung durch meine Hilfe auf dem deutschen Markt aktiv werden und in Gegenleistung mir die Tür in China öffnen.

Provinzstellen sehen zwar den Sinn von Öko-Audits ein, würden diese jedoch gern umsonst erhalten. Denkbar wäre bei einer Kooperation ein Erfolgshonorar im Rahmen der Maschinenbeschaffung.

Einige Unternehmen zeigten sich am Eigenbau und an einer Vermarktung von PyroArc in China interessiert. Sie sehen für dieses Verfahren einen Markt in China. Dies müßte jedoch noch genauer untersucht werden. In einem weiteren Schritt müßten von unserer Seite aus staatliche Stellen angesprochen werden, die derartige Anlagen kaufen und betreiben wollen. 

Bei einigen Unternehmen hatte ich den Eindruck, daß sie hauptsächlich an den technischen Daten interessiert sind, um die Anlage nachzubauen.

4. Verbesserungsvorschläge

Ich war das erstemal mit dem Chinaproject auf einer Delegationsreise. Ich möchte an dieser Stelle der Delegationsleitung meine Anerkennung über die Durchführung vor Ort aussprechen. Die Führung in Peking durch Herrn Lu Xingfu war einfühlungsreich und ausgezeichnet. Auch ihm gebührt mein Dank. Die Firmengespräche als Einstieg waren gut gewählt und zusammen mit der Kontaktbörse ergaben sich Möglichkeiten für die Zukunft. Inwieweit die angedachten Kooperationen zum Erfolg führen, läßt sich natürlich nicht vorhersagen.

Begrüßenswert für das nächste Mal wäre, für den Fall daß keine Kontakbörse stattfinden sollte, im voraus gezielt Regierungsstellen, Ministerien und Provinz-Gouverneure anzusprechen, die für eine Zusammenarbeit von Interesse und geeignet sind.

5. Anregungen und Einschätzung

Auf jeden Fall ist es m.E. sinnvoll, den Kontakt aufrechtzuerhalten und in diesem Jahr ein weiteres Mal vor Ort Flagge zu zeigen. Es sollten auch Provinzen besucht werden, bevor andere Bundesländer oder andere europäische Länder mit ähnlichen Produkten wieder vorher auf dem Markt sind. Nordrhein-Westfalen ist mit einem Abfall-Projekt bereits in der Provinz Sichuan vertreten und Frankreich wirbt ebenfalls für ein PyroArc-ähnliches Verfahren in China.

Anstelle das Abfallproblem in China mit Sortier-, Kompostierung- und Verbrennungsanlagen verbunden mit Mülltourismus lösen zu wollen, ergäbe sich hier die Chance, diese Entwicklungsstufe teilweise zu überspringen und direkt von der Deponierung in die Plasmatechnik einzusteigen.

Die Umwandlung von der traditionellen chinesischen Mülldeponie in eine umweltschonende Entsorgungs- und Verwertungstechnologie steht noch ganz am Anfang. Dies bildet für die kommenden Jahre, wenn man die Chance ergreift, ein großes Marktpotential.

Bezüglich der Finanzierung einer Projektentwicklung und des Bau einer Anlage, wie z.B. PyroArc, sollten bei der KfW und/oder DEG angefragt werden. Kurze Gespräche darüber habe ich bereits in Peking am Rande der Umweltkonferenz mit den jeweiligen Repräsentanten geführt. Dies setzt eine Machbarkeitsstudie über Marktchancen, Investitionsvolumen, Finanzierungs- und Liquiditätsrahmen sowie über eine ausreichende Rentabilität voraus.

Die Europäische Union hat das PyroArc-Verfahren in ihren Förderbereich einbezogen und wird eine Pilotanlage in Deutschland mitfinanzieren.

Mir ist unbegreiflich, warum es so schwer fällt, erst einmal den Gästen zuzuhören und dann gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, anstatt in Herrenmenschenmanier die Lösung ungeachtet der lokalen Bedingungen bereits vorher wissen zu wollen.

 

   

 

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