Bericht
über die Delegationsreise
“Chinaproject” nach Peking und Teilnahme an der Kontaktbörse
im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Umweltkonferenz vom 7. bis 16. Dezember
2000.
von
Dr.-Ing.,
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Uwe Arlt
Hamburg,
1.
Reiseverlauf
Zu
Beginn der Delegationsreise vom 7. bis 10.12.2000 nahm ich an drei
Firmenbesuchen/-gesprächen:
China National Machine Tools Industries, Beijing Dixin Real Estate
Development Co.,Ltd. und China North Industries Group Corporation NORINCO
(G)l teil, die vom Chinaproject organisiert worden waren. Dabei wurden die
wirtschaftliche Situation der Unternehmen erörtert und Möglichkeiten
einer Zusammenarbeit angesprochen.
Vom
11. bis 13.12.2000 war ich Teilnehmer an den Plenumsveranstaltungen der
Umwelt-konferenz und an der Unternehmer-Kontaktbörse, die vom Leipziger
Internationalen Transferzentrum für Umwelttechnik GmbH (ITUT) im Rahmen
der Umweltkonferenz für
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deutsche und 291 chinesische Unternehmen organisiert worden war.
Am
14. und 15.12.2000 nahm die ich Möglichkeit wahr, weitere Kontakt- und
Kooperationsgespräche mit chinesichen Unternehmen über Möglichkeiten
der Anwendung des PyroArc-Verfahrens zur Abfallbeseitigung und -verwertung
in China zu führen.
2.
Beurteilung der Plenungsveranstaltung
2.1
Konferenzgeschichte und Eröffnung
Die
Konferenz hat ihren Ursprung in der Unterzeichnung einer Austausch- und
Kooperationsvereinbarung zwischen der damaligen Nationalen
Umweltschutzbehörde Chinas und dem deutschen Bundesumweltministeriums
(BMU) im Jahr 1994.
Da
der diesjährige deutsche Leiter der Konferenz, Außenminister Joschka
Fischer, aufgrund des EU-Treffens in Nizza festgehalten worden war, mußte
der Umweltminister, Herr Jürgen Trittin, die Eröffnungsrede halten.
Seine Rede ließ teilweise eine Sensibilität hinsichtlich
Befindlichkeiten und Mentalität der Chinesen vermissen.
Wenn
der Minister in seiner Rede beispielsweise ausführt, daß das Fahrrad ein
sehr konfortables Verkehrsmittel sei und sich in Deutschland großer
Beliebtheit erfreue, so stimmt dies nur unter der Prämisse, daß fast
jeder Deutsche inzwischen ein Auto besitzt. Dennoch stellt das Auto in
Deutschland bis heute ein Erfüllungswunsch ersten Ranges dar. Auch ein
Minister müßte wissen, daß jeder Chinese neben dem Erwerb eines
Fernsehapparates und eines mobilen Telefons (63% aller Haushalte besitzen
einen Fernsehapparat, 15% ein Telefon) von einem Auto träumt. Als
Alternative zur Ermöglichung einer individuellen, umwelt-verträglichen
und gleichzeitig effizienten Mobilität könnte ich mir aber ein
abgasarmes Auto in China vorstellen. Nach Aussage des deutschen
Bundesverkehsministers, Kurt Bodewig im Januar 2001, bleibt das Auto auch
für ihn das Verkehrsmittel Nummer eins.
Dieser
Fauxpas ist auch nicht damit zu entschuldigen ist, daß Herr Trittin
ebenso wie die Entwicklungsministerin, Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul, der
erstemal in China ist. Den Chinesen zu sagen, bleibt Ihr bitte der Umwelt
zuliebe autolos, zeugt von Arroganz und
erinnert wieder einmal an unseliges deutsches Sendungsbewußtsein.
2.2
Berichte über die Arbeitsgruppen
In
der Analyse der Arbeitsgruppen sind mir die Berichte von Herrn Dr. Jürgen
Heraeus (APA),
Herrn Huai Litian (CNEPC) und Herrn Dr. Robert Büchelhofer (VW) in
guter Erinnerung.
Herr
Dr. Heraeus gab zu, seine in Deutschland geschriebene Rede (wie konnte er
die Ergebnisse eigentlich schon vorher wissen?) nach dem Abschluß der
Arbeitsgruppe umgearbeitet zu haben. Der katastrophale Zustand der Umwelt
in China läßt sich augenscheinlich vor Ort nicht mehr leugnen und wird
deshalb auch von chinesischer Seite zugegeben. Über Peking liegt fast das
ganze Jahr eine Smogglocke, die von Millionen
umweltunverträglicher Kohleöfen, schadstoffreicher Kraftfahrzeuge
und ungefilterter Industrieabgase herrührt.
Herr
Huai berichete über rund 70 chinesische Umweltprojekte mit einem Volumen
von knapp 600 Millionen Yuan im Bereich:
Behandlung von industriellem und städtischen Abwasser, festem
Abfall, Gas-Entschwefelung, Staubentferung und Luftreinhaltung sowie dem
Einsatz von Kontrollinstrumenten. Es gibt 50 Umweltschutzprojekte mit ausländischer
Technologie in Kooperation mit 10 Ländern (u.a. USA, Japan, Russland,
Frankreich, Kanada, jedoch nicht Deutschland!) von ca. 100 Millionen US$.
Außerdem gibt es Joint ventures bei der Herstellung von Umweltschutzausrüstungen.
Er hofft, daß in Zukunft Kooperationen auf dem Gebiet des Umweltschutzes
auch mit Deutschland zustandekommen werden.
Dr.
Büchelhofer zeigte die Möglichkeiten für einen umweltgerechten und
ressourcen-schonenden Individualverkehr auf. Neben dem 3-Literauto wies er
auf den TDI-Dieselmotor hin, der 30% weniger Kraftstoff verbraucht als ein
herkömmlicher Ottomotor und einen Betrag zum Treibhauseffekt von -45%
aufweist. Allein in Peking würde der Einsatz täglich 650.000 Liter
Treibstoff einsparen. Darüberhinaus sind Dieselkraftstoffe entweder aus
Erdgas oder aus nachwachsendem Rohstoff, nämlich Raps, herstellbar.
Erdgas und landwirtschaftliche
Flächen sind in China reichlich vorhanden.
3.
Bewertung der Firmengespräche auf und nach der Kontaktbörse
3.1
Kontaktbörse
Aufgrund
meines Firmenprofils in bezug auf Erfahrungen in Beratung, Öko-Audits und
Abfallverwertungsverfahren kamen Gespräche über eine Zusammenarbeit im
Consulting Bereich, über mögliche Öko-Audits in der Papierindustrie auf
Provinzebene sowie über Anwendungsmöglichkeiten des PyroArc-Verfahrens
zur Abfallverwertung zustande.
Insgesamt
wurden ungefähr 10 Firmengespräche geführt:
Shanxi Province Environmental Protection Industry Association,
Academy of Environmental Science,
Technical Development Center 999 Yichun Engineering &
Biochemicals Inc.,
Beijing XiDi Engineering Consulting Corporation,
Shenyang Aircraft Corporation (SAC),
SAC General Products Industry Co., Ltd.,
China National Environmental Protection Corporation (CNEPC),
China Energy Conservation Investment Corporation (CECIC),
China North Industries Group Corp. (NORINCO (G)),
China Wuzhou Engineering & Research Institute.
Als
Unterstützung hatte ich eine Dolmetscherin zur Seite. Bei zwei Gesprächen
nach der Kontaktbörse war unser Delegationsmitglied und Sinologe, Herr Jürgen
Fritz, zur weiteren Unterstützung dabei. Dies erwies sich bei einigen
schwierigen technischen Übersetzungs- und Verständigungsfragen als sehr
vorteilhaft. Ich bin Herrn Fritz für seine Hilfe sehr dankbar.
3.2
Ausgangslage und Bewertung der Gespräche
Das
Umweltbewußtsein beginnt bei den Verantwortlichen in China langsam zu
erwachen. Während in Deutschland bereits die Umweltsensibilisierung seit
Jahrzehnten gewachsen ist und eine hoch entwickelte Umwelttechnik
existiert, sind in China - wie sich in den Gesprächen ergab - neben den
vorhandenen umwelttechnischen und strukturellen Unzulänglichkeiten noch
Akzeptanzschwierigkeiten zu erkennen. Nach meinen Erfahrungen auf der
Kontaktbörse sind sich beide Seiten auch nicht immer einig über den Weg,
um aus dem Umweltdilemma herauszukommen.
Die
Chinesen sehen Kooperationen mit Deutschland gern als Entwicklungshilfe
an. Sie sind am Erwerb von moderner Technologie interessiert, besonders
wenn sie bezuschußt wird. Geld für Dienstleistungen, wie beispielsweise
für Machbarkeitsstudien auszugeben, ist nur sehr schwer durchzusetzen.
Eine
Gesetzgebung für die Abfallbeseitigung entstand im Gegensatz zu
derjenigen der Wasser- und Luftreinhaltung erst im Jahre 1996. Das
nationale Umweltschutzgesetz fordert neben der Verringerung der
Siedlungsabfälle auch eine umweltverträgliche Behandlung und Beseitigung
der Abfälle und fordert eine marktwirtschaftliche Betrachtungsweise,
wobei Auslands-investitionen willkommen sind.
Die
Verantwortung für Industrie- und Sondermüll liegt bei den
Produktionsunternehmen.
Im
Juli 2000 haben die Umweltbehörde (SEPA), das Ministerien für
Wissenschaft und Technologie (MOST) und das Bauministerium (MOC)
Richtlinien für eine städtische Abfallbehandlung herausgegeben.
Abfallbeseitigung wird von den Kommunalregierungen bezahlt. Mit Beginn der
zweiten Hälfte von 1999 haben einige Städte, darunter Beijing, Chengdu
(Sichuan Provinz), Nanjing (Jiangsu Provinz), Shanyang (Liaoning Provinz)
und Zhuhai (Guangdong Provinz) ein Tarifsystem eingeführt. In Peking z.B.
zahlen Bürger zwischen 2 und 3 Yuan/Monat und Haushalt. Diese Beträge
sind natürlich zu gering, um Investitions- und Betriebskosten der Müllentsorgung
zu tragen.
Augenblicklich
werden rund 1,5% des Bruttosozialprodukts für Umweltprojekte ausgegeben.
Das reicht nicht aus, um u.a. die jährlich zwischen 700 und 800 Millionen
Tonnen anfallenden Industrie- und Sonderabfälle zu entsorgen. Nur ca. 110
Tonnen werden behandelt. Eine Entsorgung von Sondermüll findet wegen
mangelnder Kapazität vielfach nicht statt. Gefährlicher Abfall wird in
Gruben gelagert. Dazu kommt noch der Hausmüll, der jählich um 6-7 %
ansteigt. Insgesamt belaufen sich die Müllberge auf rund 6,5 Billionen
Tonnen.
In
Anbetracht der Bewerbung für die Olympischen Spiele im Jahre 2008 hat
China Pläne im Rahmen eines “Greeen Olympic Games Action Plan” mit
Hilfe von Umweltschutz-organisationen bis zum Jahr 2004 vor, Peking und
Umgebung in eine umweltfreundliche
Landschaft umzuwandeln.
Eine
Verwendung des PyroArc-Verfahrens - einer Plasmatechnologie zur
thermischen Behandlung von Abfällen - wäre in diesem Zusammenhang in
Peking sicher sinnvoll.
Dieses
umweltschonende Verfahren dient zur Verwertung und Beseitigung von Hausmüll
sowie besonders überwachungsbedürftiger Abfälle aus dem industriellen
Bereich in fester, flüssiger und gasförmiger Konsistenz. Die Anlage
gewinnt aus Abfällen in einem geschlossenem System wiederverwertbare
Produkte sowie Energie.
Eine
Consulting Firma möchte in vager Vorstellung durch meine Hilfe auf dem
deutschen Markt aktiv werden und in Gegenleistung mir die Tür in China öffnen.
Provinzstellen
sehen zwar den Sinn von Öko-Audits ein, würden diese jedoch gern umsonst
erhalten. Denkbar wäre bei einer Kooperation ein Erfolgshonorar im Rahmen
der Maschinenbeschaffung.
Einige
Unternehmen zeigten sich am Eigenbau und an einer Vermarktung von PyroArc
in China interessiert. Sie sehen für dieses Verfahren einen Markt in
China. Dies müßte jedoch noch genauer untersucht werden. In einem
weiteren Schritt müßten von unserer Seite aus staatliche Stellen
angesprochen werden, die derartige Anlagen kaufen und betreiben wollen.
Bei
einigen Unternehmen hatte ich den Eindruck, daß sie hauptsächlich an den
technischen Daten interessiert sind, um die Anlage nachzubauen.
4.
Verbesserungsvorschläge
Ich
war das erstemal mit dem Chinaproject auf einer Delegationsreise. Ich möchte
an dieser Stelle der Delegationsleitung meine Anerkennung über die Durchführung
vor Ort aussprechen. Die Führung in Peking durch Herrn Lu Xingfu war einfühlungsreich
und ausgezeichnet. Auch ihm gebührt mein Dank. Die Firmengespräche als
Einstieg waren gut gewählt und zusammen mit der Kontaktbörse ergaben
sich Möglichkeiten für die Zukunft. Inwieweit die angedachten
Kooperationen zum Erfolg führen, läßt sich natürlich nicht
vorhersagen.
Begrüßenswert
für das nächste Mal wäre, für den Fall daß keine Kontakbörse
stattfinden sollte, im voraus gezielt Regierungsstellen, Ministerien und
Provinz-Gouverneure anzusprechen, die für eine Zusammenarbeit von
Interesse und geeignet sind.
5.
Anregungen und Einschätzung
Auf
jeden Fall ist es m.E. sinnvoll, den Kontakt aufrechtzuerhalten und in
diesem Jahr ein weiteres Mal vor Ort Flagge zu zeigen. Es sollten auch
Provinzen besucht werden, bevor andere Bundesländer oder andere europäische
Länder mit ähnlichen Produkten wieder vorher auf dem Markt sind.
Nordrhein-Westfalen ist mit einem Abfall-Projekt bereits in der Provinz
Sichuan vertreten und Frankreich wirbt ebenfalls für ein PyroArc-ähnliches
Verfahren in China.
Anstelle
das Abfallproblem in China mit Sortier-, Kompostierung- und
Verbrennungsanlagen verbunden mit Mülltourismus lösen zu wollen, ergäbe
sich hier die Chance, diese Entwicklungsstufe teilweise zu überspringen
und direkt von der Deponierung in die Plasmatechnik einzusteigen.
Die
Umwandlung von der traditionellen chinesischen Mülldeponie in eine
umweltschonende Entsorgungs- und Verwertungstechnologie steht noch ganz am
Anfang. Dies bildet für die kommenden Jahre, wenn man die Chance
ergreift, ein großes Marktpotential.
Bezüglich
der Finanzierung einer Projektentwicklung und des Bau einer Anlage, wie
z.B. PyroArc, sollten bei der KfW und/oder DEG angefragt werden. Kurze
Gespräche darüber habe ich bereits in Peking am Rande der
Umweltkonferenz mit den jeweiligen Repräsentanten geführt. Dies setzt
eine Machbarkeitsstudie über Marktchancen, Investitionsvolumen,
Finanzierungs- und Liquiditätsrahmen sowie über eine ausreichende
Rentabilität voraus.
Die
Europäische Union hat das PyroArc-Verfahren in ihren Förderbereich
einbezogen und wird eine Pilotanlage in Deutschland mitfinanzieren.
Mir
ist unbegreiflich, warum es so schwer fällt, erst einmal den Gästen
zuzuhören und dann gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, anstatt in
Herrenmenschenmanier die Lösung ungeachtet der lokalen Bedingungen
bereits vorher wissen zu wollen.
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