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Die Moskauer Entscheidung
des Internationalen Olym- pischen Komitees am 13. Juli 2001, die
Sommerspiele 2008 nach Beijing zu vergeben, hat eine breite emotionale
Zustimmung und Freude bei allen Chinesen ausgelöst. Erstmals empfindet
sich das gesamte chinesische Volk von der internationalen Öffentlichkeit
als wahrgenommen und erstmals in der Geschichte des neuen China kann
sich die Partei sicher sein, daß sie eine fast absolute Zustimmung zu
einer Entscheidung erhält.
Für China ist der
Zuschlag sowohl internationale Zustimmung und Geste der Weltgemeinschaft
als auch die Chance, das eigene Land nach einem gewaltigen Kraftakt als
die bestimmende Nation des neuen Jahrtausends zu präsentieren.
Dementsprechend groß sind die Befürchtungen der Kritiker, die diese
Chance in Anlehnung an die Erfahrung in Deutschland 1936 gerade nicht
zulassen wollten.
Das nationale Projekt
„Beijing 2008“ wird nicht nur die Stadt Beijing von Grund auf verändern
und der Stadt ein Modernisierungsprogramm von bis zu 40 Mrd. US$
bescheren. Es wird auch ganz China betreffen und zur Modernisierung von
Hotels, der Flughäfen, der Verkehrsinfrastruktur und vieler
touristischer Einrichtungen beitragen, die lange noch über das Ereignis
hinaus von Bedeutung für China und seine Menschen haben wird.
Allein 1,3 Mio. Arbeitskräfte
werden im Rahmen der öffentlichen Investitionen von derzeit 21,7 Mrd.
US$, davon 14,3 Mrd. US$ z.B. in den Bereichen U-Bahn-Bau (3,6 Mrd.
US$), Grünflächen, Umweltschutz (8,6 Mrd. US$), Sportstätten (1,6
MRED. US$) und Olympisches Dorf (0,5 Mrd. US$) neue Arbeitsplätze
finden.
Daneben wird das Projekt
die Wirtschaft beflügeln und zur Modernisierung der Wohngebiete,
Hotels, Einkaufs- und Erholungsgebiete beitragen.
Auf der am 23/24. Oktober
2001 in Beijing organisierten Konferenz „Beijing-Hongkong,
Infrastrukturprojekte für Beijing 2008“ hat die Beijinger Stadt- und
Plankommission eine erste Projektliste mit 144 Projekten aus den
Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Industrie und Verwaltung vorgestellt,
die von der Stadtregierung als besonders förderwürdig eingestuft
wurden.
Daneben rüstet sich
die Regierung auf die Modernisierung der Verwaltung und eine
Verbesserung des Beschaffungswesens, daß transparenter und auch für
ausländische Unternehmen zugänglicher werden soll. Qualität steht zukünftig
im Vordergrund und es besteht kein Zweifel, daß es Beijing mit der
Umsetzung seiner Planvorstellungen ernst meint.
Ob die Spiele aber
tatsächlich als „grüne Spiele“ in die Geschichte eingehen, weil
die Stadt entsprechend angemalt oder aber bis dahin tatsächlich auf
internationalem Umweltschutzstandard angesiedelt ist, bleibt die große
Unbekannte. Nur eines ist gewiß: Wenn es ein Land und eine Regierung
schaffen, die Aufgabe umweltgerechter Verhältnisse und Spiele zu
schaffen, dann ist es China.
Immerhin die Hälfte
der 21,7 Mrd. US$ sollen in den Umwelt- bzw. Wasserschutz fließen. Das
U-Bahn-Netz wird von derzeit knapp 50 km auf 140 Km ausgebaut. Eine neue
Ringstraße soll die Stadt entlasten und moderne Hochstraßen sollen sie
für den fließenden Verkehr „schneller“ machen.
Zur Verbesserung der
Kommunikation werden 50% der Haushalte an moderne Glasfasernetze
angeschlossen.
Hart werden die
Umweltschutzauflagen und die Konsequenzen für die großen
Umweltverschmutzer. Kraftwerke werden mit deutscher Hilfe umgerüstet
oder gar geschlossen, Stahlwerke oder sonstige Störer geschlossen und
kurzfristig in die Provinz umgesetzt, Verkehrsmittel modernisiert und
Kohlebrennöfen verboten. |
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Beijing
soll wieder einen blauen Himmel und eine menschen- würdige Luft bekom
men. Neue Parks und Grünflächen sollen ebenso wie eine Aufforstung zur
allgemeinen Klimaverbesserung beitragen und alle Beteiligten hoffen, daß
sie ihren Kindern in naher Zukunft wieder einmal einen Blick vom Kohlehügel
auf die Westberge ermöglichen können.
Nord-Süd-Verbindungen
der U-Bahn und die 5-Ring-Straße sind schon in der Planungs- und
Realisationsplanung und es kann kein Zweifel bestehen, daß die
Verbindung des Transrapid zwischen Beijing und Shanghai zur Eröffnung
der olympischen Sommerspiele eine neue Ära einläuten wird.
Die
Hotelinfrastruktur und der Gewerbehochhausbau werden auch auf dem
Hintergrund der gerade begonnenen Privatisierung der Wohnungswirtschaft
weiter ausgebaut und dazu beitragen, daß alte Freunde Chinas nach
langer Zeit der Abwesenheit noch größere Probleme als heute haben
werden, das vertaute alte Beijing mit seinen kleinen Gassen und
verwinkelten Ecken wiederzuerkennen.
Unsere
große Sorge muß dem Erhalt historisch gewachsener Stadtstrukturen und
der Kulturdenkmäler gelten. Die Wahrscheinlichkeit, daß erhebliche,
immerhin noch vor der Kulturrevolution geschützte Kulturgüter, dem
„Fortschritt“ geopfert werden.
Die
mit den Investitionen verbundenen Impulse für die Wirtschaft Chinas
sind gewaltig. Allein 0,3% bis 2,0% zusätzliches Wachstum und eine
Vielzahl von Projekten im Infrastrukturbereich erwartet die chinesische
Führung von dem Projekt zusätzlich.
Insgesamt
werden 37 Wettkampfsstätten und 52 Traininganlagen für die 28
Sportereignisse im Rahmen der Olympischen Spiele 2008 zur Verfügung
gestellt. 32 Schauplätze sollen sich in Beijing befinden, die anderen 5
in anderen Städten, geplant sind das Sailing Center in Qingdao und
jeweils ein Fußballstadion in Shanghai, Tianjin, Shenyang und
Qinhuangdao. 15 schon existierende Anlagen (13 in Beijing) werden
entsprechend ausgebaut und die anderen 22 werden neu gebaut, davon
werden 19 in Beijing geplant.
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