Biotechnologie in China
Universität von Chengdu,
Zentrum der Biotechnologie, Forschung und Genanalyse
Ziel
der chinesischen Politik ist es, die vollständige Erfassung von
Erbgutinformationen der Bevölkerung. China ist bei der Technik der
Gen-Sequenzierung, der Analyse und Erfassung von Genen Weltspitze. Die
Forschungskapazitäten sind unerschöpflich und lassen jeden
Forschungsansatz zu. Mit derzeit rund 2,4 Mrd. Dollar ist die
Biotechnologie ein größerer Wirtschaftsfaktor als etwa in Deutschland.
Deutschland liegt im Verhältnis dazu bei 1/3 des Umsatzes nach einer
Mitteilung der Financial Times Deutschland vom 16. Juli 2001. Ziel der
chinesischen Politik ist insbesondere ein systematischer Aufbau einer
Datenbank. Jeder Säugling soll in Zukunft einen eigenen Gen-Datenpass
erhalten. Während in Deutschland schon die Erfassung von Gen-Daten von
Sexualstraftätern strittig ist, kennt China kaum Begrenzen oder
Reglementieren. In China wird in erster Linie die Pharmaindustrie geschützt.
Der Leitspruch: "China ist der wilde Osten der Humangenetik"
scheint Wirklichkeit zu sein. Internationale Unternehmen entdecken China
als billiges Testlabor. Die Datenmenge ist unerschöpflich. Chinas
Biotechnologie-Politik zielt insbesondere darauf, die Gen-Struktur der Bevölkerung
zu verbessern, Erbkrankheiten zu definieren und zu bekämpfen. Insgesamt
soll die gesundheitliche Situation der Bevölkerung nachhaltig verbessert
werden. Nach dem Gesetz von 1995 über die Gesundheitsfürsorge, welches
international als "Eugenik-Gesetz" betitelt wird, sind
beispielsweise voreheliche Gesundheitstests ebenso üblich wie nachhaltige
Untersuchungen von Säuglingen. Vorgeschrieben sind auch pränatale
Untersuch- ungen. Das Gesetz verpflichtet chinesische Ärzte dazu, bei
schwerwiegenden Krankheiten oder genetischen Defekten Abtreibungen
vorzunehmen. Die Provinzen in China pflegen eine unterschiedliche Kultur
und Umsetzung der Gesetze. Gansu ist nach dem Bericht der Financial Times
Deutschland als "Eugenik-Provinz" bekannt. Hier werden
vorzugsweise geistig behinderte Menschen zwangssterilisiert.
Eine
Aufsicht über Forschungsvorhaben besteht fast nirgends. Forschung
kann daher fast unkontrolliert betrieben werden. Dies scheint die
Grundlage und der Nährboden dafür zu sein, dass internationale Konzerne
sich zunehmend auch in China engagieren. Einen besonderer Wirtschaftszweig
ist die sogenannte DNA-Analyse durch einen neuentwickelten Chip, der
schwerwiegende Erkrankungen relativ schnell ermitteln kann. Vermittels
dieser Technologie plant der Erfinder ein chinaweites Überprüfungsnetz.
China selbst fördert die Biotechnologiebranche durch massive
Investitionen und großzügige Steuervergünstigungen. Auch regionale
Vorteile werden im Rahmen der Neuausrichtung Chinas nach Westen hin auf
jeder Ebene umgesetzt. Die schwache Infrastruktur Chinas und das
Vorhandensein weit abgelegener Dörfer und damit Populationen ist
verlockend. Ein Missbrauch der Gen- und Biotechnologie durch ausländische
Investoren kann derzeit kaum verhindert werden. Strukturen, Regelungen und
Ansätze existieren insoweit durchgehend nicht. Das chinesische Erbgut
scheint vor allem für amerikanische Unternehmen von Interesse. Hier
werden Daten erhoben, patentiert, was in Europa nicht möglich wäre, und
damit der Forschung auf Dauer zum Zwecke der Gewinnmaximierung entzogen.
Die chinesischen Bürger, oftmals über die Tragweite einer Einbindung in
die Forschungsprojekte nicht bewusst, verlieren damit nicht nur
wirtschaftlich. Gegen die Investition mittels Hardware im Gegenzug zu
unreglementierte Freigabe von Informationen scheint es kein Allheilmittel
zu geben. China profitiert dennoch auch wirtschaftlich von dem Boom in der
Biotechnologie. Die Exporte chinesischer Unternehmen der Pharma-Industrie
steigen. Im Jahre 2000 betrugen sie bereits 3,5 Mrd. US-Dollar bei einer
Steigerungsrate von durchschnittlich fast 20 % pro Jahr.
Weiteres
zum Thema: Chinesisch-Europäischer
Wirtschaftskongress anläßlich der Asien-Pazifik-Wochen 2001 in Berlin
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