Korruption
in China: Die Anti-Korruptionswelle rollt wieder einmal
Seit
Anfang 1999 sind in China viele schwerwiegende Korruptionsfälle, in die
viele höhere Funktionäre aus Partei und Staat verwickelt waren und die
äußerst negativen Auswirkungen hatten, aufgedeckt und verfolgt worden.
Die laufende Kampagne gibt Anlaß, auf die Folgen in China für die
Chinesen und im Ausland für die Initiatoren aufmerksam zu machen. Seit
dem 1. Januar 1999 sind Bestechungsgelder in Deutschland nicht mehr als
Betriebsausgaben abzugsfähig. Darüber hinaus obliegt es der
Finanzverwaltung z.B. im Rahmen der Betriebsprüfung die strafrechtlichen
Konsequenzen aus dem Vorgang zu ziehen. Bestechung ist aus deutscher Sicht
auch in Deutschland strafbar, wenn sich die Verfügungen selbst auch im
Ausland auswirken (weiter..)
Siehe
auch: http://www.trempel.de/Sachgebiete/bestechu.htm
Am
4. Januar 1999 kamen bei einem plötzlichen Einsturz der Hongqiao-Brücke
im Kreis Qi-jiang der Stadt Chongqing 40 Personen
ums Leben, 14 Personen wurden verletzt und direkte Wirtschaftsverluste in
Höhe von 6,31 Mio. Yuan verursacht. Die für den Bau der Brücke
Verantwortlichen wurden zur Rechenschaft gezogen. Lin Shiyuan, ehemaliger
Vizesekretär des Parteikomitees des Kreises Qijiang wurde aufgrund der
Annahme von Bestechungsgeldern vom Höheren
Volksgericht der Stadt Chongqing zur Todesstrafe
mit zweijähriger Bewährung und zur lebenslänglichen Aberkennung seiner
politischen Rechte verurteilt. Zhang Kaikou, ehemaliger Sekretär des
Parteikomitees des Kreises Qijiang, wurde wegen passiver Bestechung und
Pflichtversäumnisses nach dem Verhör erster Instanz zu lebenslänglicher
Freiheitsstrafe und zur lebenslänglichen Aberkennung der politischen
Rechte verurteilt.
Am
6. April 1999 begannen die Disziplinkontrollkommission
beim ZK der KPCh, das Überwachungsministerium und die höchste Volksstaatsanwaltschaft
die Unterschlagung riesiger Summen öffentlicher Gelder durch Jin Deqin,
den ehemaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Chinesischen
Internationalen Treuhand- und Investitionsgesellschaft und
Vorstandsvorsitzenden der Hong Konger Jiahua-Bank, zu untersuchen und
ahnden.
Jin
mißbrauchte seine Amtsstellung und unterschlug öffentliche Gelder in Höhe
von mehr als 10 Mio. Yuan. Die Straftat wurde als schwerwiegend
eingestuft. Mit der Bewilligung des ZK der Partei und des Staatsrats
beschlossen die Disziplinkontrollkommission beim ZK der KPCh und das Überwachungsministerium,
Jin Deqin aus der Partei auszuschließen und aus dem Beamtenverhältnis
zu entlassen.
Jin
ist bereits vom staatsanwaltschaftlichen Organ nach dem Gesetz verhaftet
worden. In einem Rundschreiben machte die Disziplinkontrollkommission beim
ZK der KPCh bekannt, daß Jin Deqin als ein hoher Funktionär, der seit
60 Jahren Parteimitglied gewesen war, ungeachtet der Gesetze des
Staates und der Disziplinen der Partei und Regierung, öffentliche Gelder
unter Amtsmißbrauch unterschlagen habe.
Der
Fall sei schwerwiegend und habe der Partei und dem Staat schwere
Wirtschaftsverluste gebracht und äußerst schlechte politische
Auswirkungen nach sich gezogen.
Am
12. Mai 1999 verkündete das Guangdonger Rechtsprechungsorgan nach dem
Verhör erster Instanz die Urteile über die Hauptverbrecher, die im Fall
von Zhan-jiang Schmuggel und Bestechung getrieben hatten. Cao Xiukang, der
ehemalige Leiter des Zhanjianger Zollamtes, und weitere fünf Täter
wurden zum Tod und zur lebenslänglichen Aberkennung ihrer politischen
Rechte verurteilt; weitere 25 für schuldig Befundene wurden ebenfalls
streng bestraft. Am 7. Juni wurden die Haupttäter, darunter Cao Xiukang,
in Guangdong erschossen. Am 7. September wies das Höhere Volksgericht der
Provinz Guangdong die Berufungsklage von 12 Angeklagten zurück und
erhielt das Urteil erster Instanz aufrecht.
Der
Schmuggel-Fall von Zhanjiang ist, was die Geldsumme des Schmuggels und die
involvierte Personenanzahl aus Partei- und Regierungsorganen und
juristischen Abteilungen anbelangt, seit der Gründung des Neuen China der
größte wirtschaftliche Verbrechensfall und hat dem Image der Partei und
Regierung ernsthaft geschadet. In diesen Fall sind 331 Personen
verwickelt, darunter 259, die ein öffentliches Amt innehaben (12 Funktionäre
auf Büroebene, 45 auf Amtsebene und 53 auf Abteilungsebene). 163 stellten
sich dem Gericht und gaben illegales Einkommen zurück.
Am
27. August 1999 wurde Xu Bingsong, der ehemalige Vizevorsitzende der
Regierung des Autonomen
Gebiets Guangxi der Zhuang-Nationalität, der unter Mißbrauch
seiner Amtsbefugnisse, indem er willkürlich die Bodennutzung, Bauprojekte
und Kreditgewährung bewilligte, Gelder und Sachwerte von insgesamt 16
Mio. Yuan bekommen hatte, nach dem Verhör erster Instanz zu lebenslänglicher
Freiheitsstrafe verurteilt.
Am
22. September 1999 gab die Disziplinkontrollkommission beim ZK der KPCh
das Resultat der Untersuchung des Falls von Xu Yunhong, Kandidat des ZK,
ehemaliges Mitglied des Ständigen Ausschusses des Parteikomitees der
Provinz Zhejiang und Sekretär des Parteikomitees der Stadt Ningbo
bekannt. Es hatte sich bestätigt, daß Xu Yunhong wiederholt von seiner
Frau und seinem Sohn, damit diese Vorteile haben konnten, aufgefordert
wurde, seine Amtsstellung zu mißbrauchen, für die Interessen anderer zu
arbeiten, Rechtsbrecher zu decken und ihnen freie Hand zu lassen.
Gesetzwidrige Darlehen von Banken verursachten dem Staat Verluste in Höhe
von 1,2 Mrd. Yuan. Xus Frau und Sohn erhielten Gelder und Sachwerte in Höhe
von 6,9 Mrd. Yuan und bescherten der Partei und dem Staat schwere
Wirtschaftsverluste und üble politische Auswirkungen.
Die
4. Plenartagung des XV. ZK der KPCh beschloß, Xu Yunhong als Kandidaten
des ZK abzusetzen und aus der Partei auszuschließen. Am 23. September
1999 wurde Xu Yunhong als Abgeordneter des 9. Volkskongresses der Provinz
Zhejiang auf der 13. Sitzung des Ständigen Ausschusses des 11.
Volkskongresses der Stadt Ningbo nach dem
Gesetz abberufen. Am 13. Oktober wurde Xu von der Staatsanwaltschaft der
Provinz Zhejiang nach dem Gesetz verhaftet.
Am
25. November 1999 begannen die Disziplinkontrollkommission beim ZK der
KPCh, das Überwachungsministerium und die höchste
Volksstaatsanwaltschaft, das Amt für Rechnungsprüfung und das
Chinesische Aktien-überwachungsamt mit Hilfe des Parteikomitees und der
Disziplinkontrollkommission der Provinz Heilongjiang und des
Parteikomitees der Stadt Daqing den Aktien-Fall der Lianyi-GmbH in Daqing
zu untersuchen und zu ahnden. Die in den Fall verwickelten 39 Funktionäre
der Partei und Regierung und Verantwortlichen der GmbH sind nach den
Disziplinen der Partei und Regierung und nach dem Gesetz bestraft worden.
Darunter wurden Qian Dihua, ehemaliger Vorsitzender des Volkskongresses
der Stadt Daqing, und 9 weitere Personen von den zuständigen Justizbehörden
behandelt.
In
einem Rundschreiben äußerten die Disziplinkontrollkommission beim ZK der
KPCh und das Überwachungsministerium, daß es sich hier um einen schweren
dis-ziplin- und gesetzwidrigen Fall handele, in dem die Führung der GmbH
den Vorschriften zuwiderhandelte, Täuschungsversuche unternahm, Aktien
mit Betrugsmanöver zum Börsenhandel zuließ, führende Kader der Partei-
und Regierungsorgane mit Aktien als Geschenk bestach und willkürlich
Gelder unterschlug. Insgesamt wurden 941 500 Aktienanteile im Wert von
10,94 Mio. Yuan als Schmiergeld verwendet.
Am
3. Januar 2000 verurteilte das Mittlere Volksgericht der Stadt Shangqiu,
Provinz Henan, Xu Jianshe, ehemaliger Leiter des Verwaltungsamtes für
Bodenplanung des Bezirkes Liangyuan in Shangqiu, nach dem Verhör erster
Instanz zum Tode. Um sich an Li Wenzhong, Leiter der Stadtplanungs- und
-verwaltungsamtes der Stadt Shangqiu, zu rächen, beauftragte Xu Jianshe
gegen Bezahlung von 270 000 Yuan gewisse Personen, Li zu töten, und
versuchte dann, die Mittäter zu beseitigen.
Am
15. Februar 2000 fällte das Mittlere Volksgericht der Stadt Nanchang,
Provinz Jiangxi, nach dem Verhör erster Instanz das Urteil über den Fall
von Hu Changqing, ehemaliger Vizegouverneur der Provinz Jiangxi, der
skrupellos zahlreiche Bestechungsgelder annahm, Bestechung verübte und
viele Sachgüter aus unidentifizierbaren Quellen besaß. Hu wurde aufgrund
dessen zum Tode verurteilt, und ihm wurden die politischen Rechte lebenslänglich
entzogen. Am 8. März wurde Hu erschossen. Es wurde bestätigt, daß Hu
Changqing von Zhou Xuhua, Generaldirektor der Aote-Auto-Leasing-GmbH in
Jiangxi (dessen Fall wird separat behandelt), Li Weidong,
Vorstandsvorsitzendem der Jinyangguang-GmbH in Jiangxi (dessen Fall wird
separat behandelt), und weiteren 16 Personen sowie von der Handelslager-
und -transportgesellschaft der Provinz Jiangxi 5,44 Mio. Yuan
Bestechungsgelder gefordert und erhalten hatte. Als Gegenleistung mißbrauchte
Hu seine Macht, um illegale Vorteile für diese Leute zu arrangieren, und
verursachte dadurch dem Staat große Verluste an Eigentum. Um seine Beförderung
und Versetzung zu realisieren, bestach Hu von Anfang 1997 bis zum Juni
1999 fünfmal verschiedene Personen mit insgesamt 80 000 Yuan. Ferner
konnte Hu ebenfalls nicht die Quellen von Besitz im Wert von 1,61 Mio.
Yuan, der auf seinen Namen registriert war, angeben.
Im
März 2000 wurde Huang Faxiang, ehemaliger Leiter für den Städtebau im
Stausee-Gebiet des Drei-Schluchten-Projektes, zum Tode verurteilt, da er
Projektgelder in Höhe von 12 Mio. Yuan für eigene Zwecke verwendete.
Dies ist die erste Todesstrafe für einen korrupten Beamten nach der
Aufdeckung der gravierenden Unterschlagungen von Geldern für den Bau des
Drei-Schluchten-Damms gewesen.
Am
20. April 2000 gab die Disziplinkontrollkommission beim ZK der KPCh das
Resultat der Untersuchung des schweren gesetzwidrigen Falls von Cheng
Kejie, dem Vizevorsitzenden des Ständigen Ausschusses des NVK, bekannt.
In der Periode von der zweiten Hälfte 1992 bis Ende 1998 mißbrauchte
Cheng Kejie seine Macht als Vorsitzender der Regierung des Autonomen
Gebiets Guangxi der Zhuang-Nationalität, scheute keine Mittel und strebte
nach illegalen Vorteilen. Die involvierte Summe ist außerordentlich groß.
Cheng beging langfristig Ehebruch mit der ebenfalls verheirateten Li Ping.
Beide erhielten insgesamt 20 Mio. Yuan, 8,06 Mio. HK$ und 35 000 US$
Bestechungsgelder und 9,03 Mio. Yuan andere illegale Gelder.
Mit
der Genehmigung des ZK der KPCh beschloß die Disziplinkontrollkommission
beim ZK der KPCh, Cheng Kejie aus der KP Chinas auszuschließen. Am 21.
April rief der Ständige Ausschuß des Volkskongresses des Autonomen
Gebiets Guangxi der Zhuang-Nationalität durch einen Beschluß Cheng als
Abgeordneten des 9. NVK ab. Am 25. April beschloß der Ständige Ausschuß
des NVK, Cheng Kejie seines Amtes als Vizevorsitzenden des Ständigen
Ausschusses des NVK zu entheben. Am selben Tag legte die Höchste
Volksstaatsanwaltschaft zum Zwecke der Untersuchung und Verfolgung des von
der Dis-ziplinkontrollkommission beim ZK der KPCh übergebenen Cheng
Kejie-Falles eine Akte an und beschloß, Cheng zu verhaften.
Am
23. April 2000 fällte das Höchste Volksgericht nach der Überprüfung
das Urteil über Li Chenglong, ehemaligen Vizebürgermeister der Stadt
Guigang, Guangxi, der unter Machtmißbrauch nach eigenen Interessen
strebte, skrupellos Bestechungsgelder annahm und Gelder ansammelte. Li
wurde wegen Bestechung und Besitz von Sachgütern unidentifizierbarer
Quellen zum Tode, zur lebenslänglichen Aberkennung der politischen Rechte
und zur Beschlagnahme der Bestechungsgelder und aller Reichtümer
verurteilt. Li mißbrauchte seine Amtsstellung und ließ sich von 21
Personen bzw. Einheiten mit insgesamt 3,745 Mio. Yuan bestechen. Li wurde
in Guangxi hingerichtet.
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