Mittwoch | 7. November 2000

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Steuern, Rechungswesen und Buchhaltung in China -

von RA Eberhard J. Trempel (Berlin)

Für eine Investition in China ist gleich welcher Investitionsart auch immer die Beantwortung der Frage wichtig, in welcher Weise das innerbetriebliche Rechnungswesen gewährleistet, genügend kompetente Buchhalter und vor allem kompetente Steuerberater vorgefunden werden können, die nicht zur sicherstellen, daß die Steuerbehörden mit dem Buchwerk zufrieden sind, sondern auch eine transparente Übernahme der Jahresabschlußergebnisse in das Buchwerk der Muttergesellschaft gewährleisten können.

Die Akquisition kompetenter Mitarbeiter ist in China nach wie vor das größte Problem. Gemeistert wird es in der Praxis meist dahingehend, daß Unternehmen wir die FIDUCIA eingeschaltet und beauftragt werden, die mittlerweile jedenfalls technisch-organisatorisch in der Lage sind, eine Unternehmung in China auf diesem Gebiete umfassend zu betreuen. Daneben gibt es zahlreiche chinesische Unternehmen, die auf der Ebene der reinen Buchhaltung sicherlich interessant sein können. Die Qualität der Leistung ist allerdings nicht ohne weiteres gewährleistet.

Die Buchhaltung (Internes Rechnungswesen) oder die meist nicht vorhandene Kostenrechnung werden von den Chinesen bisher nicht als Planungs- und Kontrollmittel im westlichen Sinne verstanden. Nach wie vor überwiegt bei Chinesen die Annahme, die Buchhaltung sei lediglich ein Element der Planwirtschaft und eine sich insoweit erschöpfende Lästigkeit. Niemand käme ohne weiteres auf die Idee, aus dem betriebsinternen Rechnungswesen die Erkenntnisse zu erzielen, die für die

  • Erreichung der Unternehmensziele selbst

  • die Absatzplanung

  • die Refinanzierung

  • die Finanzierung

  • die Planung

  • die Sanierung etc.

Grundvoraussetzung sind. Dabei ist die doppelte Buchhaltung als System in China seit Jahrhunderten bekannt und als System durchaus respektiert. Eine Anpassung des historisch Überkommenen ist jedoch auch in China dringend erforderlich, was die Regierung veranlaßte, die Weltbank bei der Reformierung des Rechnungswesens in China behilflich zu sein. Ein Projekt der Weltbank über die Reform des Rechnungswesens in China läuft gerade (siehe "link".)

Ausländische Unternehmen sind gut beraten, wenn sie ihre eigenen Standards nicht einfach nach China übertragen. Das chinesische Steuerrecht gibt insoweit einen ganz anderen Rahmen vor, wobei bereits ein Vorbild eines Handelsgesetzbuches in unserem Sinne gänzlich fehlt. Von der Rechtssicherheit in bezug auf die praktische Anwendung des Rechts ganz abgesehen.

Dringend erforderlich, weil von Unternehmen und vor allem rechtsberatenden Beratern selten berücksichtigt ist die strategische Planung des Aufbaus des eigenen Rechnungswesens in China. Üblicherweise beschränkt sich das know how der anwaltlichen Berater auf die Eintragung einer Firma in China, auf die Prüfung von Verträgen, die Vertretung in Schiedsverfahren und die Beratung in Arbeitsangelegenheiten. Mangels praktischer Erfahrung und know how kommt die Planung des Rechnungswesens regelmäßig zu kurz.

Da die in China tatsächlich Geld verdienenden Unternehmen aus dem Ausland immer noch in der Minderheit sind - von den Erträgen aus externen Handelsgeschäften abgesehen - kommt der Einrichtung einer aussagefähigen Buchhaltung eine entscheidende Bedeutung vor allem auch mit Rücksicht auf die Feststellung etwaiger Fehlentwicklungen zu.

Es geht nicht allein um eine transparente Darstellung der tatsächlichen Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage, um ein Bild von der wirklichen Performance zu erhalten, sondern zugleich um die Ermittlung der Parameter, die zur Begründung und Absicherung des eigenen Risiko-Management-Systems ständig überprüft werden müssen. Nach Einführung des KonTrag in Deutschland ist gerade auch in bezug auf das Risikoinvestment China da.

Vergleichbarkeit der Daten mit denen anderer Töchter, um zu sehen, wie das chinesische Unternehmen in der internen Konkurrenz dasteht.

Bedingungen für den Konzernabschluss wie die Trennung konzerninterner und -externer Transaktionen, Transferpreise und ein einheitlicher Kontenrahmen zur Vereinfachung der Ertragsund Aufwandskonsolidierung.

KONTENRAHMEN nach Vorschlag des chinesischen Finanzministeriums

Für die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sowie die Bilanz gibt es in China eine gesetzlich vorgeschriebene Form. Die GuV zeigt deutlich einen angelsächsischen Ursprung. Im Gegensatz zur deutschen Gewinnermittlung, wo fast ausschließlich von einem Gesamtkostenverfahren ausgegangen wird, wird nach dem Umsatzkostenverfahren verbucht. Entstandene Kosten müssen daher von einem noch nicht realisierten Umsatz aktiviert werden. Das muss in der Konsolidierung beachtet und mit Überzuleitungsbuchungen korrigiert werden.

Die chinesische Bilanz ist sehr detailliert aufgebaut und daher als Managementinformation gut geeignet. In China erfolgt eine indirekte Abschreibung: So sind aus der Bilanz die Anschaffungskosten bzw. Herstellkosten zum Anschaffungszeitpunkt erkennbar.

Anders als Bilanz und GuV kann der vom Finanzministerium vorgeschlagene Kontenrahmen (siehe Kasten) abgewandelt werden. Hier hat der Investor große Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne einer Einfügung der Gesellschaft in seine Gruppe. Das Ministerium hat auch ein zweisprachiges Kontierungshandbuch herausgegeben, in dem Geschäftsvorfälle mit entsprechendem Buchungssatz erläutert und jedes einzelne Konto beschrieben sind - wichtiges Hilfsmittel zur Umsetzung der Anforderungen.

Der Chinesische Kontenrahmen (Empfehlung Chinas)

Vermögen

1101 Kasse

1111 Bank

1121 Wertpapiere

1131 Wechsel

1141 Forderungen Lieferungen Leistungen.

1151 Provisionen für zweifelhafte Forderungen

1161 Vorausgezahlte Steuern

1171 Vorauszahlungen an Lieferanten

1181 Forderungen von verbundenen Unternehmen

1191 Sonstige Forderungen

1201 Geleistete Anzahlungen

1301 Material

1401 Rohstoffe

1411 Verpackung

1421 Geringwertige Wirtschaftsgüter

1431 Kalkulatorische Materialkosten

1441 Ware zur Veredlung

1451 Halbfertigwaren

1461 Fertigwaren

1471 Angezahlte Waren

1491 Inventurverluste

1501 Beteiligungen

1511 Anteile an verbundenen Unternehmen

1601 Anlagen

1611 Abschreibung auf Anlagen

1701 Gebäude im Bau

1801 Immaterielle Vermögensgegenstände

1901 Sonstige Vermögen

 

Schulden

2101 Überziehungskredite

2111 Wechselverbindlichkeiten

2121 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

2131 Verbindlichkeiten an Mitarbeiter

2141 Steuerverbindlichkeiten

2151 Dividenden

2161 Erhaltene Anzahlungen

2171 Sonstige Verbindlichkeiten

2181 Rückstellungen

2200 Darlehen, langfristig

 

Eigenkapital

3101 Eingezahltes Kapital

3102 Zurückgezahlte Investitionen

3111 Eigenkapital Überschuß

3121 Einlagen von der Muttergesellschaft

3201 Rückstellungen

3221 Thesaurierte Gewinne

3301 Jahresüberschuß

3311 Nicht ausgezahlte Gewinne

 

Aufwendungen

4101 Kosten der Produktion

4202 Herstellungskosten

 

Ertrags- und Aufwandskonto

5101 Umsatzerlöse

5102 Gewährte Rabatte

5111 Verkaufssteuern

5121 Umsatzkosten

5131 Werbekosten

5141 Verwaltungskosten

5151 Finanzierungskosten

5201 Sonstige betriebliche Erlöse

5211 Sonstige betriebliche Aufwendungen

5501 Sonstige Erlöse

5601 Sonstige Aufwendungen

 

Siehe auch: 

Accounting Regulations of China

Weltbank-Programm: Verbesserung Buchhaltung in China

 

   

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