Die Geschichte Chinas

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Die Geschichte Chinas 

Chinaproject.de wird sich in den Jahren 2001 und 2002 in erster Linie mit den Themen Umweltschutz, Projektentwicklung in der Asien-Pazifik-Region und der Vorbereitung der Asien-Pazifik-Wochen im Jahr 2001 beschäftigen. 

TUI-Urlaubswelt

G.Money´s

aus: Eberhard J. Trempel, China-Traveller Handbuch

Chinas Geschichte ist eine der längsten der Welt. Folgt man der chinesischen Geschichtstheorie wird sie sogar immer länger. Über eine möglichst lange Geschichte möchte sich China gegenüber anderen Ländern abheben. Aber immerhin. Chinas Geschichte wird in den Geschichtsbüchern des Westerns noch immer unterschätzt. Lange Zeit glaubten die traditionell nach Europa hin ausgerichteten Historiker des Westens, daß Chinas Geschichte sehr viel jüngeren Datums sei. Neuere Forschungen und archäologische Entdeckungen belegen aber, daß China wie im übrigen alle Gebiete entlang der alten Völkerwanderungsstraße, die sich von Ägypten über den vorderen Orient, über die Seidenstraße in das Herz des heutigen Chinas und von da aus weiter über die Behringstraße bis hin nach Südamerika erstreckte, auf eine Kultur zurückblicken kann, deren Anfänge in die Altsteinzeit (um 10.000 v.Chr.) zurückreichen. Bereits in der Vorgeschichte, die uns nicht durch Urkunden, sondern allein durch Funde nachgewiesen ist, war das Gebiet des heutigen China Einzugsgebiet verschiedendster Völker und Stämme, deren Unterschiede heute von den Chinesen aber aus politischen Gründen übersehen werden. Es reicht, wenn sich die Völker im heutigen Hoheitsgebiet ansiedelten, um sie zu öChinesenö zu machen. Dabei ist Chinas Geschichte auch ein Sinnbild für das Verschmelzen der Kulturen und des gegenseitigen Lernens. Erst in der jüngsten Vergangenheit brachten Ausgrabungen in Yunnan den Nachweis, daß auf dem Gebiete des heutigen Chinas Vorformen des heutigen Menschen lebten.

1.8 Mill. Jahre - 6000 v.Chr.

Die Existenz von Urmenschen ist in China bis auf rund 1.8 Mill. Jahre v. Chr. nachgewiesen. Im Jahre 1965 wurden im Örtchen Yuanmou , in der südchinesischen Provinz Yunnan, die Vorderzähne eines primitiven Affenmenschen gefunden. Spätere Grabungen förderten an der gleichen Stelle einfache Werkzeuge zutage, die einen  Rückschluß auf eine frühe menschliche Gebrauchsgüterkultur erlaubten. 1954 fand man im Dorf Dingcun  (Shanxi-Provinz) menschliche Zähne und Steinwerkzeuge aus der Zeit um 650 000 Jahre v. Chr. Ähnliche Funde gab es im Kreis Lantian  (Lantian-Mensch, Homo erectus). Der 1929 (siehe Beijing) gefundene Peking-Mensch  ist dagegen nur ca. 500 000 Jahre alt.

Bis vor kurzem galten die neolithischen Yangshao - und Longshan-Kulturen als die frühesten des Landes. Siedlungen wie bei Xian (Ban Po ) belegten ein dörfliches Leben um 4000 v. Chr.. Doch neuere Funde ergaben, daß bereits in der Altsteinzeit kulturelle Zentren in China existierten, die relativ hoch entwickelt und ihrer Zeit voraus waren. Sie liegen etwa zeitgleich zur über 10.000 Jahre alten Harappakultur Pakistans (Induskultur), zur Kultur von Mohenjo Dharo (Pakistan), der von Jericho (wohl die älteste Stadtsiedlung der Welt) und der alten Siedlungen und Städte (Ur) im Einflußgebiet des Goldenen Halbmondes (Euphrat und Tigris).

Wenn die Vorfahren der heutigen Chinesen ihre Städte und Siedlungen nicht aus schnellvergänglichen Naturmaterialien errichtet hätten, wäre es einfacher nachzuweisen, daß damals schon große Siedlungen existierten, die Handels- und Kulturkontakte mit der ganzen in der Frühzeit bekannten Welt pflegten. Noch bis zur Tang-Zeit hielt man an der Tradition fest, Lehm-, Holz- oder Erdwälle zu errichten, um damit die Städte vor Angreifern zu schützen. Nur an wenigen Orten wurden Felsgestein oder gebrannte Ziegelsteine verwandt.

Erst unter den Ming Kaisern wurden festere Baumaterialien, wie gebrannte Backsteine oder gehauener Fels für Bauten verwendet. Deshalb sind im Verlaufe der Jahrtausende nur wenige Kulturdenkmäler aus der Frühzeit erhalten geblieben. Ihre Entdeckung ist oft nur einem Zufall zu verdanken, so wie z.B. die der jungsteinzeitlichen Hongshan-Kultur  (um 5000 Jahre v.Chr.), die uns einen unschätzbaren Einblick in das Leben dieser Zeit vermittelt.

Zu den wesentlichen Funden dieser nordostchinesischen Kultur (Hongshan-Berg, Provinz Liaoning, Fundort Niuheliang, Opferstätte von Dongshanzui) gehört der Terracottakopf einer G”ttin mit Augen aus Jade. Auf den ersten Blick scheint sich hieraus nichts besonderes ableiten zu lassen, denn Jade ist in der ganzen Welt als typisch chinesisches Kultmineral bekannt.

Wer aber weiß, daß sich Jade nur in Burma oder im Gebiet des alten Khotan , über 8000 km vom Fundort der Göttin entfernt, finden läßt, kann ermessen, welche ungeheuren Entfernungen von den Menschen der Steinzeit zurückgelegt worden sind. Diese Epoche ist heute Gegenstand der vergleichenden Geschichtsforschung. Die mythologischen und kulturellen Parallelen vieler Völker Asiens und Amerikas werden schon seit langem erforscht. Etwas weniger wissen wir über den genauen Ursprung der Chinesen, sofern es überhaupt richtig ist, von den Chinesen zu sprechen.

Daß ihre Heimat Zentralasien war, gilt heute als gesichert. Ob darunter jedoch die Niederungen des Altaigebirges (Russland), die Weiten Sibiriens, der mongolischen Steppe oder aber die Uferregionen der großen Flüsse Huang He und Yangzijiang zu verstehen sind, bleibt noch zu klären. Die ersten nachgewiesenen chinesischen Steinzeitkulturen lagen im Einzugsgebiet der großen Flüsse, die von den Chinesen als Götter verehrt wurden (z.B. Gelber Fluß / Gelber Kaiser). Über die Menschen dieser Kulturen und ihren Ursprung ist bekannt, daß sie dunkelhäutig und rundschädelig waren und ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. von hellhäutigen Völkern aus dem Nordwesten Richtung Süden gedrängt wurden. Als Nordwesten gilt das Gebiet der heutigen Provinzen Shaanxi, Shanxi und Gansu.

Am Oberlauf des Gelben Flusses Huang He herrschte seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. ein reges Kommen und Gehen verschiedenster nomadisierender Völker und Stämme. Da lebten die Vorfahren der Ungarn (!) zusammen mit denen der Türken, da gaben sich hellhäutige Indogermanen und rundköpfige Protomongolen ein Stelldichein, und schließlich stießen die Vorfahren der heutigen tibetischen Stämme, deren eigentliche Heimat östlich des Pamir zu suchen ist, auf Stämme und Kleinstreiche der Vorfahren der heutigen Chinesen. Aus diesem Zusammentreffen, das sich noch in späteren Jahrhunderten fortsetzte, entstanden die Anfänge der chinesischen Hochkultur, von der heute nicht wenige Wissenschaftler behaupten, sie habe ihre gewichtigsten Denkanstöße aus dem Westen erlangt, denn z.B. die Naturphilosophie von Yin und Yang (Licht und Schatten), um nur eines zu nennen, sei auf vorderasiatische, d.h. frühpersische Einflüsse zurückzuführen (s. Philosophie). Gleiches gilt für die wichtigsten Erfindungen der vorchristlichen Zeit, wie die des Streitwagens, der seinen Ursprung im westpersischen Raum hat.

Die hellhäutigen Einwanderer aus dem Nordwesten verdrängten eine dunkelhäutige Urbevölkerung nach Südchina, deren Nachkommen in einem Jahrtausende währenden Prozeß immer weiter in den südostasiatischen Bereich zurückgedrängt wurden. Heute leben die Nachkommen dieser Urbevölkerung Chinas in verschiedenen Gegenden Südostasiens (Burma, Thailand, Vietnam, Kambodscha, Indonesien).

Der Prozeß der Landnahme, den die späteren Chinesen als die Zeit der Kulturschöpfung verstanden haben, ist durch eine umfangreiche Sagensammlung und chronologische Geschichtsschreibung überliefert. Bereits unter der Zhou-Dynastie begannen an einigen Fürstenhöfen Schreiber mit der Aufzeichnung ihrer Gegenwart. Unter den Han schließlich entstand durch den berühmten Historiker Sima Qian die systematische, wissenschaftliche Geschichtsschreibung.

Wie überall auf der Welt haben auch in China politische und philosophische Einflüsse ihren Beitrag zur Verdrehung der Geschichte geleistet. Ziel dieser Geschichtsschreibung war es, der irdischen Herrschaft eine himmlische Berechtigung, das 'Mandat des Himmels' zu geben; damit ausgestattet, konnte der Kaiser als Sohn des Himmels und oberster Wahrer der kosmischen Ordnung die irdischen Geschicke lenken, ohne an irdische Zwänge gebunden zu sein. Wehe aber dem Kaiser, in dessen Zeit eine Naturkatastrophe fiel! Als Zeichen des Himmels war dies oft Grund genug, die Dynastie eines Kaisers zu beenden.

Mit dieser Tradition der Geschichtsverdrehung haben die Herren des 'Neuen China' nicht gebrochen. Im Gegenteil: China ist heute eines der 'geschichtslosesten' Länder dieser Erde, denn aufgrund des schwachen Bildungsniveaus der Chinesen gibt es nur wenige Menschen im Land, die komplexe historische Zusammenhänge verstehen können, ganz abgesehen davon, daß auch gebildeten Chinesen kaum Literatur zur Verfügung steht.

Nach konfuzianischer Geschichtsschreibung, die noch immer das chinesische Weltbild bestimmt, war die chinesische Kultur von Anfang an hoch entwickelt. Sie entsprang einem himmlischen Schöpfungsakt, während die Barbarei allein den Fremdvölkern vorbehalten war. C. P. Fitzgerald beschreibt die chinesische Version der 'Schöpfungsgeschichte' so: ä Nachdem die Trennung von Himmel und Erde vollzogen war, wurde die Erde zunächst von den 12 Kaisern des Himmels regiert, von denen jeder 18 000 Jahre herrschte. Nach diesen kamen die Kaiser der Menschen, neun an der Zahl, die insgesamt 46 000 Jahre regierten. Weiteren 16 Herrschern, von denen nichts bekannt ist, folgten die Urkaiser Fu-Xi (siehe Tianshui), ShanNung und schließlich der Gelbe Kaiser Huang-Di  - seither ist Gelb (wie die Erde des Gelben Flusses) offizielle Kaiserfarbe (Element Erde = Farbe gelb).

Auch bei den Tibetern kamen die ersten Könige vom Himmel und gelangten über eine 'Himmelsleine' dorthin wieder zurück. Daher finden sich erst nachdem die Himmelsleine zerschnitten wurde, irdische Königsgräber. Ob sich hier eine gemeinsame Geschichte versinnbildlicht wie von Matthias Hermanns dargelegt oder nur eine Mythenübernahme manifestiert, muß noch geklärt werden.

Der Sage nach begründete zwischen 6000 und 5000 v. Chr. der legendäre Urkaiser Huang Di die chinesische Zivilisation. Verschiedene Stämme sollen sich am Gelben Fluß, dem Huang He, zusammengeschlossen haben. Die Zeitangaben sind natürlich maßlos übertrieben und bereits wissenschaftlich widerlegt.

Mitte der 70er Jahre wurden am Südufer des Huang He im Städtchen Peiligang die Überreste einer neolithischen Kultur entdeckt, deren Blütezeit bei ca. 5000 v.Chr. lag, die also fast 1000 Jahre älter als die bekannten Yangshao- und Longshan-Kulturen war. Die vorgefundenen Ackergeräte beweisen, daß die Landwirtschaft bereits hoch entwickelt war. Wahrscheinlich können die Rätsel um den Urkaiser der Chinesen und auch der übrigen Sagengestalten demnächst gelöst werden.

Ein Bild von der Kulturstufe der damaligen Zeit ermöglichen Funde aus der Provinz Shandong. Dort entdeckten chinesische Forscher südlich des heiligen Berges Taishan  die Reste der um 4500 v. Chr. blühenden Dawenkou-Kultur , jener Kultur, aus der die Longshan-Kultur hervorging. Die Menschen lebten in Sippen und gingen der Jagd nach. Sie beherrschten den Brandrodungsfeldbau, die Knochen- und Elfenbeinschnitzerei sowie den Gebrauch der Töpferscheibe, auf der rotgebrannte Tongegenstände mit schwarzer Bemalung gefertigt wurden. Diese Kunst gilt heute als Ausdruck der Stierverehrung. Der Stier galt in der gesamten antiken Welt als Symbol der Fruchtbarkeit. Einige Forscher sehen im Stier aber auch den Bezwinger des Todes. Bilder von den ersten Königen oder Herrschern Chinas stellen diese oftmals mit Stiermaske oder Hut dar. Die Ähnlichkeit zu indianischen Medizinmannhüten ist dabei unübersehbar, weshalb auch die These vorherrscht, die ersten Herrscher seien zugleich Scha­manen gewesen, denn es oblag in den Urgesellschaften den Schamanen als Überwinder des Todes, die Beziehungen zwischen Lebenden und Toten herzustellen. Auf einer ähnlichen Kulturstufe müssen die Reiche der mythischen Kaiser Chinas gestanden haben, denn die starke Ausprägung von animistischen und schamanistischen Kulten wird auch ihnen nachgesagt.

Xia-Dynastie (2205 - 1766 v.Chr.)

Bis zum Jahr 1983 existierten die Xia-Dynastie und ihr Begründer Yu der Große allein der Sage nach. Yu war groß, weil er die Fluten des Huang He bezwingen konnte. Die Kunst der Wasserregulierung hatte im antiken China, wie in allen alten Kulturen, eine ungeheure Bedeutung (Flutensage Noahs ). Archäologen glaubten lange, daß ein Nachweis der Xia-Dynastie nie zu erbringen wäre, da sie die damals gebräuchlichen Bau-/Materialien für zu vergänglich hielten. 1983 jedoch wurden bei Gaochang , 40 km südwestlich von Zhengzhou im Kreis Dengfeng die Überreste der sagenhaften Xia-Stadt Yangcheng freigelegt und festgestampfte Erdwälle, Bronze- und Hausgegenstände gefunden. In einem Fundament entdeckte man sogar die Überreste eines Menschen. In der Antike war es Sitte, beim Hausbau Sklaven zu opfern, um die Götter gnädig zu stimmen; ein Brauch, der sich in Tibet noch bis ins 20. Jahrhundert hielt. Bemerkenswertester Fund waren aber flache Beinknochen, die die bisher ältesten entzifferten Schriftzeichen Chinas enthielten. Für die Konfuzianer galt der Dynastiegründer Yu als erstes Beispiel einer an sittlichen Gesichtspunkten orientierten Politik. Er soll seinem Sohn die Thronfolge verwehrt haben, weil ihm dieser nicht würdig erschien, Kaiser zu sein. Unter den westlichen Sinologen ist auch nach den Funden die Existenz der Dynastie umstritten, denn es läßt sich nicht nachweisen, daß die Funde eine historische Kontinuität des zentralen Reichsgedankens bestätigen, den die Chinesen als wesentlich für ihre Kulturgeschichte ansehen. Denkbar ist immerhin, daß chinesische Forscher die Kontinuität unterstellen, um China in alt bewährter Manier den Frühkulturen des Westens als überlegen darzustellen

Shang-Dynastie (1766 - 1122 v.Chr.)

Die Shang-Dynastie stürzte die Xia. Ihr Stammgebiet lag unweit der Xia-Residenz Yangcheng . 6 verschiedene Hauptstädte hatte die Dynastie im Verlauf ihrer Herrschaft, von denen Anyang als die bedeutendste galt. Aus der Shang-Zeit sind die Orakel- und Schildkrötenknochen bekannt. Solche Knochen wurden mit Keilschriftzeichen versehen und im Feuer verbrannt. Aus der Asche las der zuständige Priester anschließend die Antwort der G”tter ab. Weiter sind ein entwickelter Bronzeguß, Pferd- und Streitwagen, aus Vorderasien eingeführt, Seide, und eine entwickelte Herrschaftsstruktur bekannt. Die berühmte Bronzesammlung der Shang befindet sich im Museum für Kunst und Geschichte in Shanghai. Der Shang-Zeit wird der frühe Einheitsstaatsgedanke zugeordnet. Spätere Philosophen verwiesen immer wieder auf die Vorbildlichkeit dieses Staates. Heute ist bekannt, daß es Wasserregulierungsprobleme waren, die zu einem sehr frühen staatlichen Zusammenschluß führten. Hier liegt auch der materielle Grund für die jahrtausendealte gesellschaftliche Hierarchie der Chinesen. Einzig in der Unterordnung des Individuums unter die Gemeininteressen des Stammes konnte ein Ausweg gegen die Bedrohung durch die Natur gefunden werden. Dieses Organisationserfordernis wurde unter den Konfuzianern zum moralischen Prinzip. Marxisten sprechen hier von der asiatischen Produktionsweise.

Zhou-Dynastie  (1122 - 221 v. Chr.)

ist nach der Lage ihrer Hauptstädte in die frühe westliche (bis 771 v. Chr.) und die späte östliche (bis 221 v. Chr.) zu unterscheiden. Die Zhou waren Vasallen der Shang und stürzten diese durch Rebellion. Der letzte Shang-Kaiser richtete sich selbst, nachdem seine Lage durch den Einmarsch von Sklavenregi­mentern des Zhou-Königs aussichtslos geworden war. Das Reich der Shang wurde unter dem Zhou-König Wu aufgeteilt. Ihre Hauptstadt lag bis zum Jahre 770 v. Chr. südwestlich von Xian. Die Adligen erhielten Land und es entwickelten sich sechs große Fürstenhäuser. Seit den Zhou gilt der Kaiser als der Sohn des Himmels. Hierunter verstanden die Chinesen seither eine Herrscherfigur, die durch einen Vertrag zwischen Himmel und Erde (=Kaiser) legitimiert war. Der Vertrag sicherte dem Kaiser alle Macht auf Erden. Zugleich war der Kaiser verpflichtet, die Rituale zu Ehren des Himmels zu vollziehen und die seit der Zeit Yu des Großen verehrten 9 heiligen Opfergefäße zu bewahren. Unter den westlichen Zhou (bis 770 v. Chr.) wird das Buch der Lieder geschaffen, die älteste Sammlung chinesischer Poesie.

Als eines der herausragendsten Ereignisse der Zhou-Herrschaft ist der Besuch des 5. Zhou-Königs Mu bei der sagenhaften Königinmutter des Westens Xiwang Mu  zu vermelden, die als Goldmutter vom Yaochi von den Chinesen noch heute verehrt wird. Ihr Reich ist unbekannt, wird aber im Kunlun-Gebirge oder am Himmelssee bei Urumqi vermutetet. Die Unsterblichkeit soll in ihrem Reich auf der Insel im Meer des Ostens zuhause sein, so jedenfalls die Sage.

Hinter Unsterblichkeit  verbirgt sich die alte orientalische Vorstellung vom Totenreich, das man im Westen vermutete, dort, wo die Sonne untergeht und die Toten ihren Frieden finden. Dabei ist der Tod nur ein Wechsel der Daseinsform, nicht aber das Ende jeglicher Existenz. Spätere Religionen und Denksysteme wie der Buddhismus  und Daoismus  haben die Vorstellung vom Totenreich übernommen und unter neuen Vorzeichen in ihre Lehre eingefügt. Grund für diese šbernahme dürfte in dem Zusammentreffen verschiedener Kulturen sein, von denen die des K”nigs Mu zu den nachhaltigsten für die chinesische Entwicklung wurde, wenn wir der Sage Glauben schenken wollen, denn bewiesen ist der Besuch noch nicht.

Im Laufe der Zeit führten interne Kämpfe der Staaten um die Vorherrschaft zum dauernden Bürgerkrieg. Im Jahre 770 v. Chr. erobern westliche Rong-Stämme die Hauptstadt und zwingen den Kaiser Ping , seine Hauptstadt ins östlich gelegene Luoyang zu verlegen, das sich als Hauptstadt des Reiches bis ins Jahr 249 v. Chr. halten konnte.

Die Frühlings- und Herbst-Periode  (722-481 v. Chr.) fällt in die Zhou-Zeit. Unter dem Kampf der Vasallenstaaten um die Vorherrschaft im Land litt der Einheitsstaatsgedanke. Kurzfristige Bündnisse einzelner Staaten gegen andere wurden geschlossen und wieder gebrochen. Während der Einheitsstaat langsam zerfiel, die Staaten kämpften und das Volk unter den Lasten des Krieges schwer zu leiden hatte, bildeten sich verschiedene Philosophenschulen. Dieser Epoche wurde der Name Chan Guo Zeit (streitende Reiche ) gegeben. Daneben ist auch der Name der hundert Schulen  gebräuchlich, der mehr auf die philosophischen Auseinandersetzungen deutet.

Das Leben in China war in dieser Zeit von einer bis heute nicht mehr erreichten geistigen Mobilität gekennzeichnet. Das ganze Land suchte nach einem Weg aus dem staatlichen Chaos, daher ereiferten sich die hundert Schulen. (Mit seiner späteren Hundert Blumen Kampagne knüpfte Mao nach 1953 an diese Epoche an, jedoch mit ganz anderer Zielsetzung). Die Wurzeln des chinesischen Denkens wurden hier gelegt (s. Philosophie).

Zu den wichtigsten Schulen werden der Konfuzianismus, der Daoismus nach Laozi , der Mohismus nach Mo Di, die Schule der Legalisten, Mengzis Weiterentwicklung konfuzianistischer Gedanken und die Schule von Xunzi gezählt. Neben der Philosophie blühte die Wissenschaft. So fällt die Einführung des Dezimalsystems in diese Zeit, 1.000 Jahre früher als in Indien.

Qin-Dynastie (249-210 v.Chr.)

Die Qin, ein Reitervolk aus dem Nordwesten Chinas, entwickelten sich unter den Staaten der Zhou-Dynastie (Han, Zhao, Chu, Yan, Qin und Qi) zum stärksten Einzelstaat. Der Kampf der Staaten um die Vorherrschaft verlagerte die eigentliche Macht im Land weg vom Kaiserhaus. Der Kaiser übte mehr und mehr eine nur formelle Herrscherposition aus, in dem er die Opferkulte ausführte.

Um zwischen formaler Herrschaft und wirklicher Macht wieder eine Einheit herzustellen, stürzte der Qin König Zheng, der nach alter Tradition im Alter von 13 Jahren (246 v. Chr.) den Thron bestieg - bei Tibetern, Mongolen und Nordwestchinesen das Alter, in dem der Sohn des Königs sein erstes Pferd reiten konnte und durfte) den als schwach geltenden Zhou-Kaiser. Seit dem 4. vorchristlichen Jahrhundert gehörten die Qin, zu den Legalisten, deren Hauptthese der formale Gleichheitsgrundsatz war. Und danach galt: wenn alle Herrscher gleich waren, dann gab es keinen Grund für die Vormacht der Zhou. Also konnten diese gestürzt werden, wenn man stark genug war.

Zheng machte sich selbst zum Kaiser, zerschlug die Einzelstaaten und begründete im Jahre 221 v. Chr. den Qin-Einheitsstaat, den er unter dem Namen Shi-Huang-Di , erster erhabener Kaiser, leitete. Der junge Kaiser vereinheitlichte Maße, Gewichte und die Schrift. Zum Schutz gegen nördliche Angriffe wurden die in den Einzelstaaten angelegten Wälle zu einer großen Mauer zu­sammengefügt. Unter den Qin kam es zu Bücherverbrennungen. Der Besitz nichtlegalistischer Literatur wurde unter Todesstrafe gestellt. Opfer der Maßnahmen waren vorwiegend Konfuzianer, deren Lehren der Unterordnung unter die 'himmlische Ordnung' die größte Gefahr für den Legalismus darstellten. Die Durchsetzung des Einheitsstaates kostete Millionen von Opfern, da der Kaiser äußerst brutal auf die Vereinheitlichung drängte.

In den 11 Jahren seiner Herrschaft schaffte Huang-Di alle Feudalstaaten und deren innere Struktur ab. Das ganze Land wurde in 36 Kommandanturen aufgeteilt, denen je ein militärischer und ein ziviler Gouverneur vorstand. Nordwestlich von Xian errichtete er in der Umgebung der Kleinstadt Xianyang  seine Hauptstadt, in die der Adel der unterworfenen Königshäuser zwangsweise umgesiedelt wurde. Zum Beweis seiner Macht wurden die Paläste der unterworfenen Könige in Xianyang originalgetreu wiederaufgebaut.

Shi-Huang-Di ist in der konfuzianischen Geschichtsschreibung verhaßt. Ihm wird die Zerst”rung der überlieferten Gesellschaftsform, das Führen langwieriger Kriege sowie üble Prasserei am Hofe vorgeworfen. Dazu kommt, daß er die Bauern durch Zwangsarbeit auspreßte. Allein der Bau der Großen Mauer kostete einer Millionen Bauern das Leben; von 700 Palastbauten einmal ganz abgesehen. Hinter der Kritik versteckt sich jedoch der tiefe Haß gegenüber dem Legalismus, der durch den Qin-Kaiser verkörpert wurde.

Han-Dynastie (210 v. Chr. - 220 n. Chr.)

Bauernrevolten führten zum Sturz der Qin-Dynastie. Der aus einer kleinen Qin-Beamtenfamilie stammende Liu Bang begründete die Han-Dynastie, nachdem er das Mandat des Himmels und den Kaisernamen Gaozhu übernommen hatte. Unter den Han beginnt Sima Qien die einheitsstaatliche chronologische Geschichtsschreibung Chinas.

100 n. Chr. wird das Papier und etwa zeitgleich auch der Kompaß erfunden. Außerdem wird bereits Seladon und erstes Porzellan hergestellt. In Europa ist man erst 1000 Jahre später in der Lage, diese Werkstoffe zu verwenden. Das Porzellan von Meißen, das das chinesische Vorbild erreichte, wurde gar erst im Jahre 1709 entdeckt. Die Han machen ihre Hauptstadt Chang'an zur größten Hauptstadt der Antike (33.5 km2). Rom war zu dieser Zeit im Verhältnis zu Chang'an, dessen Einwohnerzahl schon über einer Million lag, mit seinen 13.8 km2 nur eine kleine Provinzstadt. Sogar Luoyang erreichte mit einer Fläche von 10.1 km2 annähernd die Größe von Rom (Pirazzolit Serstevans, S.208).

Die Han-Kaiser waren bis zum legendären Kaiser Wu Di (140-87 v.Chr.), der den Westen eroberte und das Reich befriedete, glühende Anhänger des Daoismus. Dies bedeutete, daß das Handeln durch Nichthandeln  wesentliches und verhängnisvolles Element der Politik war, denn dadurch war es den Feinden der Han möglich, nach Zentralchina vorzudringen, ohne Gegenwehr befürchten zu müssen. Die Hauptgefahr stellten damals die Steppenvölker des Nordens und Nordostens dar, die immer wieder plündernd in China einfielen. Kaiser Wu Di schob diesem Treiben den Riegel vor. Unter seiner Herrschaft wurde die daoistische Strömung am Hofe zurückgedrängt und der konfuzianischen Beamtenstaat begründet, von dem sich der Kaiser mehr Sicherheit versprach, denn auf die korrupten Adelsfamilien am Hofe allein wollte er nicht vertrauen. Konfuzius' Lehre wird zur offiziellen Staatsdoktrin. Es entstand ein bürokratischer Zentralstaat, in dem Beamter (später Mandarin) nur werden konnte, wer in schweren, staatlichen Prüfungen die Kenntnis der konfuzianistischen Klassiker nachgewiesen hatte. Um Korruption zu verhindern, durfte kein Beamter in seiner Heimatprovinz tätig werden. Alle drei Jahre mußte das Amt und damit der Wohnsitz gewechselt werden. Der Beamtentitel war nicht vererbbar, weshalb sich die staatliche Verwaltung eine gewisse Mobilität erhielt. Am Hofe wurde die Macht des Adels zurückgedrängt. Seit dem Kaiser Wu Di gab es am Hofe den Inneren Hof. Darunter ist ein Apparat allein für den Kaiser zuständiger Eunuchen und Lustknaben - die Han sind für ihre bisexuellen Neigungen berühmt geworden- zu verstehen, der eine Art geheimer Macht im Staate bildete. Diese Macht im Staate erwies sich als schlagfertig und willig, sollte aber für das Leben am Hofe fatale Folgen zeitigen.

Nachdem der Staat im Innern gestärkt war, ging der Kaiser an sein größtes Werk, die Sicherung der Grenzen. In alle Himmelsrichtungen wurden Militärexpeditionen entsandt, die den Einfluß des Kaisers vergr”ßern sollten. Bis in das Reich der Dian (heute Yunnan) und das Gebiet der südlichen Yue, die damals Südchina bis nach Vietnam beherrschten, kamen seine Truppen. Große Auseinandersetzungen sind aus dem Süden nicht bekannt geworden. Das mag an der kulturellen Verwandtschaft zwischen den sich begegnenden Völkern gelegen haben. Ganz anders stellte sich die Lage im Nordwesten dar. Hier lebten die gefährlichen Reitervölker der Steppe, die in Krisenzeiten stets auf Getreidesuche nach Süden drängten und die Herrschaft gefährdeten. Die Chinesen bezeichnen diese Reitervölker einheitlich als Xiongnu , weiße Hunnen. Der Begriff ist falsch, zumindest aber ungenau, denn die weißen Hunnen stammen aus der südlichen Uralgegend. Es wird sich bei den Reiterv”lkern vielmehr um einen Zusammenschluß von Protomongolen, Indoskythen, Turkvölkern und Tibetern unter einem gemeinsamen König gehandelt haben, deren Stärke in der Überraschungstaktik und in ihren himmlischen Pferden lag, denen die Chinesen nichts entgegenzusetzen hatten, und von denen sie nicht einmal wußten, wo man ihrer habhaft werden konnte. Die großen Weiden lagen im weiten Westen, fernab von China, wo die Pferdezucht nicht beheimatet war und die Kriegführung seit alters her eine Sache der Infanterie war. Zudem benutzten die chinesischen Herrscher Pferde gerne als Opfertiere zur Demonstration ihrer Macht. Was lag da näher, als den Versuch zu unternehmen, die Pferdebestände aufzubessern. Im Jahre 138 v. Chr. schickte daher der Kaiser den berühmten Zhang Qian in den Westen, um dort zu den Yuezhi Kontakt aufzunehmen, einem indogermanischen Volksstamm, der von den Xiongnu aus der Gegend der heutigen Provinz Gansu (Dunhuang) nach Westen ins Ili-Tal vertrieben worden war und für seine Pferde berühmt war. Nach langer Gefangenschaft bei den Xiongnu, einer weiteren Expedition kurz darauf, war der Kontakt hergestellt und den Chinesen der Segen der himmlischen Ferghana-Pferde (heute UdSSR) beschert, die zum Aufbau einer Kavallerie und damit zum Sieg über die Reitervölker beitrugen. China konnte seine Herrschaft bis zum Pamir ausdehnen und erhielt dadurch erstmals Kenntnis von den Kulturen des Westens, die seit dem Zhou-König Mu schon lange in Vergessenheit geraten waren. Die Kunde von Persien, Ferghana, Samarkand, Buchara und Balkh kam ebenso ins Reich der Mitte wie die Nachricht von einem sagenhaften Lande Lijian (Rom). Die Han herrschten über ein gewaltiges Gebiet, dessen Ausdehnung immer wieder Gegenstand kriegerischer Auseinandersetzungen wurde, denn die Kaiser waren weit und die Interessen der lokalen Königshäuser, die sich nach außen hin dem Hofe in China unterwarfen, nicht immer friedliche. Die besiegten Völker des Südens und Nordwestens assimilierten sich teilweise oder wurden in ihrer Autonomie belassen. Sie waren lediglich zu Tributzahlungen an den Kaiserhof verpflichtet. Alljährlich wurden die Tribute vom Kaiser mit großem Bahnhof in Empfang genommen. Die Überbringer der Tribute wurden oft mit viel wertvolleren Geschenken bedacht als sie selbst überbracht hatten. Es ging den Chinesen mehr um die Anerkennung ihrer Herrschaft als um materielle Dinge. Sie wollten Ruhe an den Grenzen haben. Ausdruck dieser Haltung war die Verwaltung der eroberten Gebiete, deren System von späteren Herrschern in China übernommen wurde.

In allen eroberten Gebieten wurden neben den Siedlungen der unterworfenen Völker chinesische Städte errichtet. Die Einheimischen wurden einfach übergangen. Wichtig war allein die militärische Oberhoheit. So finden sich auch heute noch in allen Nationalitätengegenden Chinas zweigeteilte Städte und Dörfer. Chinesen leben von den Einheimischen streng getrennt. Eine Vermi­schung ist bewußt nicht gewollt. Lange Zeit blieb die Herrschaft der Han unangefochten. Das Land erlebte eine bisher unbekannte Blüte, Landwirtschaft und Handwerk entwickelten sich. Als der Landadel zu mächtig zu werden drohte, ließ Kaiser Wu die Ländereien der Adligen verstaatlichen. Im Jahre 9 n. Chr. ließ der Interimskaiser Wang Mang dieses Land an arme Bauern verteilen. Die Reform war nicht der Einsicht in die Sorgen und Nöte einer von Naturkatastrophen heimgesuchten Bauernschaft, sondern dem Staatsnotstand zu verdanken. Intrigen und die Entartung des Inneren Hofes hatten den Hof seit dem Tode Wu Dis erheblich geschwächt. Jede Familie am Hofe versuchte, ein Mitglied auf den Thron zu setzen und man war dabei in der Wahl der Mittel nicht gerade zimperlich. Da wurde fröhlich gemordet und vergiftet. Die Regenten-Familie der Ho wurde fast vollständig ausgerottet, während sie versuchte, die Familie Wu aus dem Wege zu räumen. Etwas Ruhe kehrte zunächst mit Kaiser Yuan ein, der jedoch dem Einfluß seiner Eunuchen und der Konkubine Wang unterlag. Als der Kaiser im Jahre 34 v. Chr verstarb, hinterließ er keinen legalen Erben. Durch die allgemeine Dekadenz am Hofe geschwächt, gelang es den Han-Erben nicht, ihre Position zu wahren. So drängte sich die Familie der Frau Wang immer mehr in den Vordergrund. Geschickte Familienpolitik und scheinbare Anlehnung an die konservativen Konfuzianer brachten ihren Bruder Wang Mang auf den Kaiserthron. Dies rief natürlich den Widerstand der enterbten Han-Fürsten hervor. Sogar der Himmel erboste sich und schickte ein Zeichen. Der Huang He trat über seine Ufer und überschwemmte mit seinen gewaltigen Wassermassen den Nordosten Chinas. Die ohnehin chaotische Lage im Lande geriet nun völlig außer Kontrolle. Millionen von Bauern flüchteten aus Shandong nach Süden. Auf Nahrungssuche zogen sie in Banden plündernd durchs Land, wie z.B. die Roten Augenbrauen. Hinzu kam, daß sich auch im Westen wieder einmal etwas tat: die Xiongnu fielen ein. Solchen Himmelszeichen war der Kaiser nicht gewachsen. Als sich dann noch die Han-Fürsten zu Anführern der Bauernrebellen machten, hatte die Stunde Wang Mangs geschlagen: In der Stadt des Ewigen Friedens (Chang'an) wurde ihm der Kopf abgeschlagen. Wegen der nach China drängenden Reitervölker entschied sich der neue Han Herrscher Liu Xiu (Guang Wu Di), seine Hauptstadt nach Osten zu verlegen. Luoyang wurde zur Hauptstadt der ”stlichen Han.

Die Zeit bis ins 4. Jh. n. Chr. hat dem Land nie wieder völlige Ruhe gebracht. Immer mehr Barbarenvölker drängten ins Reich und suchten nach Siedlungsgebieten. Da sie von den Han nur Ablehnung zu spüren bekamen, waren Konflikte vorprogrammiert. Aufstände an den Nordflanken des Reiches wurden zur Gewohnheit. Das bedingte eine kleine Völkerwanderung in China, denn die Chinesen wichen vor den Steppen und Nomadenvölkern  immer mehr in den Süden des Landes zurück.

Als die Han dann im 2. Jhd. n. Chr. auch nicht mehr in der Lage waren, die innere Herrschaft zu sichern, kam es zu Bauernaufständen und Bandenbildungen. Die berühmten ägelben Turbaneä aus Sichuan in Westchina organisieren im Jahre 184 die Revolte und leiten damit den Untergang der 400 Jahre herrschenden Dynastie der Han ein. Das Reich zerfällt und im Jahre 220 muß der letzte Han-Kaiser abdanken. Die Macht im Lande wird von den mächtigsten Generälen der Zeit übernommen. Ihre Herrschaftszeit wird Sanguo, die Zeit der drei Reiche (220-265) genannt.

SAN GUO -  DIE ZEIT DER DREI REICHE (220 - 280 n. CHR)

220-265 n. Chr.: Wei-Dynastie, Hauptstadt wird Luoyang unter Cao Cao. 221-263 n. Chr.: Shu-Dynastie, in der Hauptstadt Chengdu regiert General Liu Bei. 222-280 n. Chr.: Wu-Dynastie, des Generals Sun Quan in Nanjing, der späteren südlichen Hauptstadt der Ming. Die Existenz von drei Reichen war nicht nur den dem Einheitstaatsgedanken anhängenden Konfuzianern ein Dorn im Auge. Unter der Fürstenfamilie Sima kam es zum Kampf um die Macht. Zunächst unterwarfen sie sich die Nordwestreiche von Shu und Wei. Ihre Dynastie (265-317) nannte sich westliche Jin und eroberte gegen Ende des 3. Jahrhundertes n.Chr. das Territorium von Wu.

Aber auch die westlichen Jin hatten mit der Herrschaft ihre Probleme. Wieder einmal waren es die rauhen Steppenv”lker des Nordwestens, die Geschichte machten. Sie zwangen die Jin in den Südostens Chinas, wo sie im Jahre 317 bis 420 die Östliche Jin-Dynastie bildeten. Der Druck aus dem Nordwesten hielt an, und vom Jahre 304 an kam es in China sogar zu einer Phase, in der sich über 16 kleinere Königreiche bis 439 um die Macht im Lande stritten. Es war dies die Zeit, da im Nordwesten Chinas die nördliche Wei-Dynastie im Entstehen war. Die Wei waren nichtchinesisch. Sie gehörten den Toba an, einem kriegerischen Nomadenvolk aus den Steppen Innerasiens, das über schlagfertige Reiterarmeen verfügte. Ihr Zusammentreffen mit den Chinesen führte zur Übernahme der damaligen chinesischen Kultur. In der Gegend um Datong wurde die Wei-Hauptstadt Pingcheng gegründet, die sich zu einem Zentrum der buddhistischen Tempel- und Höhlenkultur entwickelte. Die Toba waren das erste Fremdvolk, das nach der Eroberung chinesischer Gebiete bereit war, auf die eigene Kultur zu Gunsten einer Selbstsinisierung zu verzichten. Ihrem Beispiel folgten später alle Fremdvölker auf dem Drachenthron.

Bis ins 6. Jh. hielt die innere Zersplitterung Chinas an. Neben den Toba drängten auch viele nichtchinesische Völker an die Macht. Ihr Einflußgebiet blieb verhältnismäßig klein. Die chinesische Geschichtsschreibung unterteilt die lokalen Kleinstreiche nach ihrer Lage im Land. Sie unterscheidet die Südlichen und Nördlichen Dynastien (420-581), die voneinander nur durch den Yangzijiang getrennt wurden. Zu den wesentlichen Ereignissen dieser Epoche gehört nicht nur der Siegeszug der chinesischen Kultur über die neuen Eroberer, sondern auch die Ausdehnung des Mahayana-Buddhismus, der von Westen her über die Seidenstraße nach China kam, und in den Oasenstädten der alten Handelsstraße Zentren der buddhistischen Lehre und die großen buddhistischen Höhlenzentren, wie Datong, Luoyang, Dunhuang, Dazu und Binglisie, entstehen ließ . Gegen Mitte des 6. Jahrhunderts verändert sich die politische Landschaft erheblich. Nach einer Phase lokaler Auseinandersetzungen ergreifen die Sui die Macht in China und vereinen die zersplitterten Gebiete Chinas unter ihrer Hoheit.

Sui-Dynastie (582-618)

Zu den großen Leistungen der Sui gehört die Wiedervereinigung Chinas, die Förderung der buddhistischen Kultur und der Bau des berühmten Kaiserkanals unter Kaiser Yang Di (569-618), der schon unter dem Vater des Kaisers, dem Dynastiegründer Kaiser Wen, begonnen wurde. Der Kanal, der die reichen Reisgebiete des Südens mit dem armen Norden verbinden sollte und noch heute zu den bedeutendsten Verkehrsadern Chinas zählt, wurde unter menschenunwürdigen Bedingungen in nur 5 Jahren gebaut. In einzelnen Regionen entlang der Streckenführung kostete sie allen 15- bis 50-jährigen Männern das Leben; die Zahl der Opfer dürfte in die Millionen gehen. Besondere Grausamkeit wurde dem General Ma Shumou nachgesagt, der als der Sui-Barbar in die Geschichte einging. Die Sage berichtet, er habe die Familien, bei denen er während der Bauarbeiten lebte, gezwungen, ihm jeden Tag ein zweijähriges Kind als Mahl zu bereiten. Seither müssen sich die kleinen Chinesen entlang des Kaiserkanals die Drohung anhören: „Ma wird dich holen, wenn du nicht artig bist“. Es mag die beschriebene Grausamkeit gewesen sein, die den Untergang der Sui einleitete. Anfang des 7. Jahrhunderts kam es jedenfalls zu gewaltigen Bauernaufständen, in deren Folge die Sui ihre Herrschaft beenden mußten. Es waren aber wieder nicht die Bauern, die die Macht in ihren Händen halten konnten, denn mit dem General Li Yuan rückte ein Militärmachthaber an die Spitze des Aufstandes, der sich mit Nomadenstämmen von Tibetern, Qiang und Xiongnu verbündete und von Chang'an aus die Macht im Lande eroberte. Mit seinem Sieg wurde die Hauptstadt Chinas wieder von Luoyang nach Chang'an, der Stadt des ewigen Friedens, verlegt. Mit dem kaiserlichen Namen Gaozu begründete Li die Tang-Dynastie, in deren Verlauf sich China wieder zu einem Land der hohen Künste entwickelte.

Tang-Dynastie (618-907)

Die Tang führten China zu einer politischen und kulturellen Blütezeit, deren Grundlage eine relelativ lange Friedens- und Wohlstandsperiode war. Viele Opern sowie vor allem Theaterstücke und Gedichte stammen aus dieser Zeit. Indisch-buddhistische Einflüsse drangen verstärkt nach China und prägten die chinesische Malerei und Bildhauerei. Die Höhlenstädte Dunhuang, Luoyang und Datong erlebten eine Epoche ungeahnter Förderung und verdeutlichten eine Vermischung chinesischer, indischer und persischer Kultur.

Über die Seidenstraße erfolgte ein immer stärkerer kultureller Austausch mit dem Ausland. Aus dem Westen kamen Händler und Propheten, Nestorianische Christen, Mohammedaner und Manichäer nach China und der Kaiserhof in Chang'an wurde zum absoluten Kultur-Zentrum der Welt. Das Kunsthandwerk brachte goldene Spiegel und herrlich verzierte Figuren hervor. Und China expandierte. Viele Reichtümer wurden ins Land gebracht, Turkestan nach langen Kämpfen zurückerobert und das mächtige Großreich Tibet durch die Verheiratung einer Prinzessin nach Lhasa zumindest zeitweise gebunden. Seither erhebt China seinen änatürlichen Anspruchä auf Tibet.

Fünf Dynastien Liang, Han, Zhou, Jin, Tang (907-960)

Song-Dynastie (960-1279)

Unter Kaiser Taizu wird Kaifeng zur Hauptstadt. Chinas Zentrum verlagert sich auf die Südostprovinzen. Der Seehandel wurde entwickelt und führte zur Ausdehnung des Handels in den pazifischen Raum und nach Südostasien. Um den Mangel an Edelmetallen auszugleichen, wurde das Papiergeld eingeführt. Lange vor Gutenberg wurde der Buchdruck erfunden. Größere Städte überschritten bereits die Millionengrenze. Suzhou, im neben Kaifeng und Hangzhou im Zentrum der Song-Herrschaft gelegen, hatte über 2.5 Mill. Einwohner. Die Pracht der Song dauerte jedoch nicht lange. Wieder waren es die rebellischen Nomadenvölker der Steppe, die ihre Macht erschütterten. Das Reich geriet zunehmend unter mongolischem Druck.

Mongolen in China (1279-1368)

Seit 1211 bedrohten die Mongolen aus den nördlichen Steppen der heutigen Inneren Mongolei das Reich. 1215 fiel das heutige Beijing in mongolische Hand, das damals Dadu genannt und erstmals Hauptstadt wurde. Zwischen 1276 und 1279 wurde unter Kublai-Khan (1215-1294) das im Süden Chinas beheimatete Songreich erobert und die Herrschaft der Yüan-Dynastie errichtet. Militärische Expeditionen nach Japan (1274 u. 1281), Burma (1278 u. 1283), Java und Vietnam scheiterten teilweise, jedoch wurde die Anerkennung der mongolischen Oberhoheit in Asien durchgesetzt. Die Mongolen zählten nur einige hunderttausend Menschen, als es schon 60 Mill. Chinesen gab. Daher holten sie Ausländer zur Stärkung ihrer Macht ins Land. Chinesen durften weder Waffen tragen noch wichtige Ämter ausüben. Es entstanden Anfänge einer Großproduktion in staatlichen Manufakturen. Einer der geschicktesten Schachzüge Kublais, Enkel des berühmten Dschingis Khan, war die Eroberung Dalis und die faktische Einverleibung Tibets, das nun endgültig in chinesische Abhängigkeit geriet. Kublai mußte nicht nach Tibet einmarschieren. Ein Bündnis mit den Äbten von Sakya sicherte ihm das Land, ohne daß auch nur ein Soldat seiner Truppen fiel. Die Unterwerfung Tibets unter Kublai war nicht ohne Sinn für die Buddhisten des Dachs der Welt. Über diesen Weg erhielten sie nicht nur das Amt des Vizekönigs von Tibet, sondern darüber hinaus die Erlaubnis, ihre Vorstellung von der Lehre im ganzen Reich der Mitte zu verbreiten. Klöster, Tempel und Zentren des tibetischen Buddhismus entstanden fortan in ganz China. Mit der Befriedungsideologie der Buddhisten hoffte Kublai das Land auf Dauer in seinem Sinne befrieden zu können. Doch er unterschätzte die Chinesen, die den Glauben zwar tollerierten, sich mit der Herrschaft der Mongolen aber nie abfanden.

In die Zeit Kublai-Khans fällt der Besuch Marco Polos, der 17 Jahre lang im Lande verblieben sein soll. Marco Polo besuchte Khanbalik, die Hauptstadt, die der Khan aus der Steppe von Karakorum nach Peking verlegte, dort ausbaute und zu einem großen Zentrum der damaligen asiatischen Welt machte. Sie war so groß, daß selbst die Chinesen nicht umhin kamen, sie Dadu, die große Hauptstadt zu nennen. Marco Polo bereiste im Auftrag des Khans ganz China. Er wurde sogar für drei Jahre vom Khan zum Bürgermeister von Yangzhou (Großer Kanal) ernannt, wenn man seiner Geschichte folgen möchte. Einige Kritiker seines Buches behaupten nämlich, daß er gar nicht in China gewesen sei, denn er habe an keiner Stelle die chinesischen Ortsnamen verwandt, sondern ausschließlich persische. Sollte Marco Polo also nur die Erzählungen anderer wiedergegeben haben ?

Ming-Dynastie (1368-1644)

Das zahlenmäßige Mißverhältnis zwischen Mongolen und Chinesen brachte mehr und mehr soziale Spannungen hervor. Nach Bauernaufständen machte sich in Nanjing Chu Yuan Chang (1328-1398) zum Herrn des dortigen Wu-Gebietes. Er war Bauernsohn und leitete eine nationale Erhebung gegen die Mongolen ein. Beijing (Dadu) wurde 1368 erobert, worauf die Mongolen in die Steppe flohen. Chu gab seiner Dynastie den Namen Ming (hell und klar). Nach seinem Tod kam es zum Familienstreit. Sein Bruder, der Statthalter von Beijing, ergriff die Macht, indem er Chus Sohn, den Thronfolger, bezwang, der in der südlichen Hauptstadt (Nanjing) seinen Amtssitz hatte. Als Yongle ging der neue Kaiser in die Geschichte ein. Nachdem in Beijing der Kaiserpalast und Himmelstempel fertiggestellt waren, um die Ausführung der kaiserlichen Rituale zu gewährleisten, wurde Beijing ('nördliche Hauptstadt') im Jahre 1421 wieder Hauptstadt. Unter den Ming erlebt China eine lange nicht mehr praktizierte Größe in der Monumentalarchitektur. Der Kaiserpalast in Beijing, der Himmelstempel und der Ausbau der Großen Mauer in ihrer heutigen Gestalt gehen auf diese Zeit zurück. Es wäre falsch, diese Baudenkmäler allein dem Erfindungsreichtum der Ming zuzuschreiben. Aufgrund der Wandmalereien von Dunhuang wissen wir heute, daß die Ming nur die Vorlagen früherer Dynastien übernahmen. Keine Dynastie wagte es, die Ordnung des Himmels durcheinanderzubringen. Das aber wäre geschehen, wenn man im Baustil von den Vorstellungen der Ahnen abgewichen wäre.

In der Ming-Zeit tauchen auch die ersten europäischen Handelsposten im Lande auf: 1516 landeten die Portugiesen bei Kanton, ihnen folgten 100 Jahre später die Engländer. Wissenschaft und Kultur wurden gef”rdert und eine Flotte aufgebaut, die fast die ganze Welt besegelte. Sie war gr”ßer als die der damaligen Herren der Meere, der Portugiesen, und man sagt, daß die Chinesen sogar schon lange vor den Portugiesen die Küsten Südamerikas besegelt haben.

Die mit dem Anwachsen der Außenkontakte verbundene Öffnung Chinas brachte auch die ersten ausländischen Missionare nach China. Zwar konnte sich der Glaube der Langnasen damals an keinem Ort in China durchsetzen, doch vermittelten Jesuiten wie Matteo Ricci  aus Italien oder Adam Schall von Bell aus Deutschland den Chinesen ein Bild vom Kenntnisstand der europäischen Wissenschaften.

Zu Beginn des 17. Jhd. läuteten die Eunuchen erneut zum Sturm auf die Macht und die Bauern stöhnten unter der wachsenden Steuerlast. 1628 kam es zu Bauernerhebungen im ganzen Land, denen sich auch Beamte und Militärs anschlossen. Zugleich erhoben sich an den Grenzen Chinas die Nationalitäten. Am geschicktesten gingen dabei die Mandschus vor, ein nördliches Reitervolk, dem es bereits im Jahre 1580 gelungen war, im Nordosten Chinas unter dem Fürsten Nurhatsi  ein eigenes Reich zu gründen. Als ein Bauernheer die Hauptstadt Beijing eroberte und der letzte Ming-Kaiser sich daraufhin am Fuße des heutigen Kohleberges erhängte, verbündeten sich die Mandschus mit dem führenden chinesischen Bauerngeneral und wurden faktisch zu den neuen Herren im Land.

Mandschu-(Qing-)Dynastie (1644-1911)

Die tungusischen Mandschu aus dem Nordosten des heutigen China eroberten die Macht und führten 1645 gegen den erbitterten Widerstand der Chinesen den Zopf ein. Nach der Tradition der Chinesen waren die Haare von den Ahnen vererbt. Der Zwang, sich die Haare hinten lang wachsen zu lassen und die Stirnhaare auszurasieren, war daher unerträglich. Es kam zu Aufständen, die brutal unterdrückt wurden. Allein in Yangzhou fielen 30000 Menschen einem Massaker zum Opfer.

Es folgte die Herrschaft der Qing (Qing = die große Klarheit) mit einer 100 Jahre währende Phase des Wohlstandes und Friedens. Dies war vor allem das Werk der großen Qing-Kaiser Kangxi  (1662-1722), Yongzheng  (1723-1735) und Qianlong  (1736-1795). Letzterer ließ 1759 das Ili-Gebiet im Norden Turkestans erobern und im Tarimbecken die buddhistischen Oasenreiche unterwerfen.

Kangxi erhöhte die Beamtengehälter, wodurch die Korruption stark zurückging. Den Bauern wurden die Steuern gesenkt. Kontakte in alle Welt führten zur Übernahme fremder Anbaumethoden. Aus Amerika kamen Süßkartoffel, Erdnuß und Mais. Vor allem die Kartoffel wurde ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Die Landwirtschaft Chinas konnte sich zu der wohl am höchsten entwickelten in der Welt zählen. Durch gezielte Förderung stieg die Tee-, Textil und Porzellanproduktion. Der Export in alle Welt brachte ungeheure Werte ins Land. Man ließ sich Tee mit Silber und Gold aufwiegen und konnte sich fast jeden Luxus leisten. 

Kein Wunder also, daß die Bevölkerung von 60 auf ca. 380 Millionen Einwohner anwuchs. Im Ergebnis besiegelte jedoch die Machtergreifung der Qing den Niedergang Chinas als 'Reich der Mitte', was sogar zum Verlust der nationalen Souveränität führte. Ohne selbst je eine Hochkultur hervorgebracht zu haben, setzten die Mandschu bei ihrer Machtergreifung auf die Übernahme herkömmlicher chinesischer Herrschafts- und Denksysteme. Die Zukunft sollte mit den Mitteln längst vergangener Zeiten bewältigt werden. Neue Entwicklungen der Wissenschaften und Technik wurden in konfuzianistischer Tradition als daoistischer Schnickschnack abgetan.

Die Übernahme des konfuzianischen Bildungsideals bedeutete unter den nach historischer Legitimität suchenden Qing, daß unter Bildung ausschließlich die eigene Kultur verstanden wurde. Im bloßen Auswendiglernen wurde mehr gesehen als im praktischen Experiment, das allein die Grundlage für neue Entwicklungen sein kann. China verschloß sich damit, dank seiner 'konservativen Intellektuellen', einer Entwicklung, die Europa schließlich die Weltherrschaft einräumen sollte.

Das ungeheure Bevölkerungswachstum führte zu einer Landverknappung, geringen Erträgen und schließlich zu schwindenden Staatseinnahmen. Anders als in Europa konnte sich kein Bürgertum entwickeln. Hauptursache hierfür war die Herrschaft des Beamtenapparates über das Land. Diese verwalteten von den Städten aus das ganze Land. Ihr Ziel war stets die Stärkung des Zentralstaates. Um dessen Grundlage, die Einnahmen, zu sichern, verhinderten die Beamten, daß Privatleute übermäßig Land, Macht oder Geld anhäuften. Es gab nur wenig Großgrundbesitz, denn man wünschte sich eine Masse von Steuerzahlern auf dem Land. Nur wer Boden hatte, konnte auch Steuern zahlen. Der Staat verhinderte die Landflucht der Bauern durch die gezielte Bindung an ihre Scholle. Das bedingte eine ungeheure Verschuldung der kleineren Bauern, die kaum in der Lage waren, die häufigen Naturkatastrophen zu verkraften. Wer nichts besaß, mußte bei den reichen Bauern Kredite aufnehmen, da er das Land nicht verlassen konnte.

Die Opiumkriege (1840-1842)

Die britische Handelsgesellschaft East India Company  führte bereits seit Jahrzehnten illegal Opium nach China ein. Die katastrophalen Folgen des Opiumhandels führten 1839 zu chinesischen Gegenmaßnahmen. Allein in Guangzhou wurden 20 000 Kisten Opium vernichtet. Dies bedingte britische Vergeltungsmaßnahmen. England nahm dies zum Vorwand, um gegen China militärisch vorzugehen. Britische Kriegsschiffe beschossen chinesische Küstenstädte und zwangen China zur ™ffnung einiger Küsten- und Binnenstädte für den Außenhandel.

In den folgenden Nankinger Verträgen  überließ China den Briten Hong Kong und Kowloon 'für alle Zeiten'. Canton, Shanghai, Ningbo, Xiamen und Wenzhou wurden dem Außenhandel geöffnet. Ähnliche 'Verträge mußten später mit den USA, Frankreich, Belgien, Schweden, Norwegen, Rußland und Deutschland abgeschlossen werden. Der Machthunger der Ausländer wurde immer größer. 1860 annektierte Rußland Ostsibirien mit 'Zustimmung' Chinas. Ähnliches versuchten die Engländer an der tibetischen Grenze. Daß China sich in der Folgezeit nicht zu einer europäischen Kolonie entwickelt hat, lag an der Vielzahl der ausländischen Konkurrenten, die es vorzogen, den Kuchen unter sich aufzuteilen, als ihn einer Seite ganz zu überlassen.

Die Taiping Revolution

Der Niedergang des Qing-Kaiserhofs und der zunehmende ausländische Einfluß führten ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu verschärften Spannungen im Lande, die zur Taiping-Revolution führten. Hung Xiu-Jiuan (1814-1864), ein Dorflehrer, war der Anführer der Revolte. Er ernannte sich zum 'K”nig des Himmels' und machte Nanking zur 'Hauptstadt des Himmels'. Hintergrund seines Kampfes waren die ungleichen Verträge mit England und der Widerstand gegen die hohe Besteuerung und die Kriegslasten, welche von den Mandschu erhoben wurden.

Hung, dem die Mandarin-Prüfung mißlang, gründete nach dem Studium christlicher Schriften die 'Gesellschaft zu Verehrung Gottes', aus der die Taiping hervorgingen. Das 'Mandat des Himmels' wurde in Frage gestellt. 1851 begannen die Kämpfe gegen die Mandschu, die 1853 erfolgreich endeten. Der Süden Chinas wurde befreit. Der folgende Bürgerkrieg zwischen Taiping und den Mandschu forderte über 20 Millionen Menschenleben, hauptsächlich wegen der Massakerfeldzüge der Qing. Der Siegeszug der Taiping konnte schließlich nur mit Hilfe der Ausländer beendet werden, die um ihre Herrschaft in China fürchteten. Die Taiping traten nämlich u.a. gegen den Opiumhandel und den Privatbesitz an Produktionsmitteln, aber für eine Landreform und die Gleichstellung der Frau ein. 1864 schlugen MandschuTruppen mit Unterstützung britischer und amerikanischer Einheiten die fast erfolgreiche Taiping-Revolution nieder.

1893 Mao Zedong wird in Shaoshan (s. Changsha, Hunan) geboren.

Die Deutschen in China

Seit der Reichsgründung 1871 wuchs in Deutschland das Interesse an Kolonien im Ausland. Die Ermordung zweier deutscher Missionare in der Provinz Shandong am 1. November 1897 wurde schließlich zum Anlaß genommen, Truppen in der Bucht von Kiautschou (Jiaozhou) abzusetzen. Nachdem bereits um 1750 deutsche Handelsschiffe vor chinesischen Küsten gelagert hatten, besaß das Deutsche Reich nun einen festen Landstützpunkt, von dem aus das Land erschlossen werden konnte.

In der nahen Umgebung wurden reichliche Kohle und Erzvorkommen gefunden. Am 6. März 1898 erpreßte Deutschland dieses Gebiet für 99 Jahre von China; 'vorläufig', wie es hieß. In der Folgezeit investierte Deutschland kräftig. Eisenbahnen wurden gebaut und Bergwerke errichtet (Qingdao). Am 7. November 1914 endete der deutsche Kolonialismus in China nach 10w”chiger Belagerung durch die Japaner. Der 1. Weltkrieg hatte begonnen.

Ci Xi, eine Kaiserin an der Macht

Die Zeit des Niedergangs Chinas zu einem Spielball der Ausländer ist eng mit dem Aufstieg der berühmt berüchtigten Kaiserwitwe Ci Xi verbunden, deren Karriere mit dem Tod des Kaisers Xian Feng im Jahre 1862 begann.

Ci Xi  entstammte einer mittleren mandschurischen Adelsfamilie. Ihre Schöheit brachte sie in jungen Jahren in den Harem des Kaisers und sie wurde die Mutter des einzigen kaiserlichen Sohnes, der zum Kaiser Tongzhi (1862-1875) avancierte, da die eigentliche Kaiserin kein Kind bekam. Nur zwei Jahre saß ihr Sohn auf dem Thron, dann verstarb er unter merkwürdigen Umständen. Es heißt, die Kaiserin habe nachgeholfen, um ihre Stellung zu wahren. Um auch die kommenden Gefahren auszuräumen, wurde die Schwieger­tochter ermordet, die ein Kind erwartete, das Ci Xi hätte gefährden können.

Zum wahren Meisterstück ihrer politischen Karriere holte sie aber kurz danach aus: mit der Adoption ihres Neffen schloß sie die eigentliche Erbfolge auf dem Thron aus und blieb so an der Macht. Kritiker wurden einfach umgebracht. Als 'Mutter' des kleinen Kaisers Guang Xu (1875-1908) war sie erneut Regentin. Guang Xu gehör zu den tragischen Gestalten der chinesischen Geschichte. Zunächst tat er alles, was der Ci Xi -Hof von ihm verlangte. Dann kam er mit den politischen Bewegungen seiner Zeit in Kontakt. Auch am Hofe taten sich nationalistische Kräfte hervor, die nach einer grundlegenden Reform im Lande strebten, um auf diese Weise eine Grundlage für eine erfolgreiche Wider­standspolitik gegenüber dem Ausland zu schaffen. Guang Xu schloß sich bedingt der Reformbewegung des Kang Youwei an. Im Jahre 1898 leitete er erste Reformen in der Staatsverwaltung und auf dem Lande ein. Damit forderte er aber den konservativen Hof um Ci Xi heraus. Es kam zu einer Palastrevolte, der Kaiser wurde verhaftet und in den Sommerpalast von Peking verbracht, wo er gefangengehalten wurde. Die Aktion der Kaiserin, konnte aber die Gemüter im Lande nicht besänftigen. Zu stark war die chinesische Opposition bereits angewachsen.

Der Boxeraufstand (1900)

richtete sich nach kommunistischer Geschichtsschreibung „gegen die zunehmenden ausländischen Einflüsse in China“. Der „chinesische Widerstand“ organisierte sich in Geheimgesellschaften. Eine Geheimgesellschaft organisierte sich als sogenannte „Boxgesellschaft“. Durch sie erhielt der Aufstand seinen Namen. Die feudalen Qing benutzten die Boxer zur Aufrecherhaltung ihrer Macht und förderten zunächst heimlich, dann immer offener den Widerstand gegenüber dem Ausland. Es kam zu blutigen Übergriffen, vielen Toten und Kämpfen, die schließlich in der Ermordung des deutschen Gesandten in Beijing eskalierten. Die ausländischen Kolonialmächte schlugen den auch von Teilen des Mandschu-Hofes geduldeten Aufstand jedoch nieder. Neue Konzessionen wie z.B. Handelsposten wurden zum Ausgleich für die entstandenen Kriegskosten erpreßt. Heute mehren sich auch die kritischen Stimmen in China, die in den Boxern den letzten Versuch sahen, daß verhasste und überkommene Qing-Feudalsystem zu retten. Der Boxeraufstand habe nach heutigem Sprachgesprauch eher bloß ausländerfeindliche, denn fortschrittliche Ziele gehabt. Nach der Niederlage des Aufstandes organisierten sich im Ausland ausgebildete Intellektuelle zu politischen Parteien, während der Qing-Hof nur noch mit Personalfragen beschäftigt war. Ci Xi ließ 1908 den gefangengehaltenen Kaiser Guang Xu ermorden. Einen Tag später segnete sie selbst das Zeitliche. Sie wurde wahrscheinlich ermordet.

Die bürgerliche Revolution von 1911

Sun Yatsen gründete die Nationalchinesische Volkspartei (Guomindang, KMT) und führte 1911 die bürgerliche Revolution gegen die Mandschu an. Sun war bäuerlicher Herkunft und wurde im heutigen Zhongshan (Guangdong) geboren. 1878 wanderte er nach Honululu aus, wo er in ausländischen Missionsschulen unterrichtet wurde und Medizin studierte. Nach seinem Studienabschluß in Hongkong ging er nach Macao und später nach Guangzhou. Zurückgekehrt nach Hawaii, gründete Sun im Jahre 1894 die 'Vereinigung zur Erneuerung Chinas' (Xing Zhon Hui). Ein Jahr später konnte die Organisation beim Aufstand von Guangzhou die ersten Erfolge erzielen. Den Boxeraufstand überlebte Sun in Südchina, wo er versuchte, einen eigenen Aufstand zu organisieren. Munitionsmangel und fehlende Unterstützung der Bevölkerung ließen die Aktion jedoch scheitern. 5 Jahre später (1905) wurde unter der Parole Vertreibt die Tartaren der Widerstand gegen die maroden Qing organisiert, der in den Jahren 1907 bis 1911 zu 8 lokalen Aufständen führte. Mit der Erhebung von Wuchang (Wuhan-Stadtteil) im Jahre 1911 war sein Ziel erreicht: die Qing mußten abtreten. Der Kaiser Pu Yi, damals noch ein Kind, mußte abdanken. Sein Hof wurde aber weiterhin vom Staat bezahlt und respektiert (Wohlwollender Vertrag). Allerdings mußte er ein Leben innerhalb der Mauern des Kaiserpalastes führen. 

China wird Republik (1.1.1912)

Gleichzeitig begründete sich die Herrschaft der War-Lords. Dr. Sun Yatsen wurde 1. Präsident der Republik, der BeiyangGeneral Yuan Shikai (oft als der erste War-Lord bezeichnet), zunächst Vize-Präsident. Später riß er in den nördlichen Provinzen die Macht an sich und ergriff gegen alle Proteste das 'Mandat des Himmels'. Bereits 1916 starb er als Kaiser Xung Xien. Unter seiner Regie übernahmen in ganz China die WarLords die Herrschaft. Auf dem Lande begann eine ungeheure Terror- und Willkürherrschaft, die sich bis 1945 hinzog und im wesentlichen auf den Sonderbefugnissen der sog. Nordarmee (Beiyang) beruhte. Diese war vom amtierenden chinesischen Kaiser Ende des 19. Jahrhunderts gegründet worden und war als Elitetruppe mit neuester Technik und militärischen Beratern aus Westeuropa ausgerüstet. Bald spielten die restlichen Truppen des Landes keine Rolle mehr. Die Beiyang-Generäle weiteten ihre Macht aus. Als die Republik gegründet wurde, verlangten sie für ihren begrenzten Herrschaftsbereich autonome Befugnisse (z.B. das Recht, Steuern zu erheben!) und erhielten sie auch.

Gründungskongreß der KP Chinas (1921) in Shanghai mit 51 Mitglie­dern.

 

KPCh und Guomindang (KMT) beschließen ein Abkommen über ihre Zusammenarbeit (1923).

Gründung der Whampoa-Militärakademie bei Kanton (1924). Chiang Kaishek wurde militärischer, Zhou-Enlai politischer Leiter. Ein Jahr später starb Sun Yatsen. Seine Witwe wendete sich später den Kommunisten zu und übernahm wichtige Regierungsämter.

Staatsstreich Chiang Kaisheks (1927). Tausende von Kommunisten wurden liquidiert. Die KP ging darauf bewaffnet in den Untergrund. Erste Stützpunktgebiete entstanden. 1928 erlangte die KMT formal die Zentralgewalt in China und begann militärische Vernichtungsfeldzüge gegen die KP-Truppen. Die Rote Armee und ”rtliche Sowjets wurden gebildet.

Japan beginnt die Invasion der Mandschurei (1931). Japan gründete den Marionettenstaat Manzhuguo. Zum Herrscher dieses 'Kaiserreichs' von Japans Gnaden wurde der letzte Kaiser Pu Yi gemacht, und damit zum willenlosen Instrument einer Schreckensherrschaft Japans, die in ihren Ausmaßen allenfalls noch vom Nationalsozialismus in Europa übertroffen wurde.

Daß der Kaiser seinen eigenen Ahnen abschwor und den Kaiser von Japan als seinen eigentlichen Ahnherrn anerkannte, wird in China noch heute als größtes Sakrileg betrachtet.

Der lange Marsch (1934 - 35)

Andauernde Vernichtungsfeldzüge Chiang Kaisheks gegen die roten Stützpunktgebiete im Südosten Chinas zwangen die KP-Führung zum Handeln. Als die Guomindang 5000 000 Mann starke Truppen aufbot, entschloß sich die KP Chinas zum Rückzug. Unter ständigem Beschuß verließen 80 000 KP-Kämpfer ihre Stützpunkte und marschierten über 10 000 km quer durchs Land, um schließlich nach Yanan im Norden Chinas zu gelangen. Nur 20 000 erreichten das Ziel. Trotz der Verluste konnte die KP China als militärische Macht im Lande bestehen bleiben. Während des ganzen Jahres verstärkte Japan seine Angriffe. Die Guomindang kämpfte eher gegen die Kommunisten als gegen die eindringenden Japaner. Es war die KP China, die zur Bildung einer Einheitsfront gegen Japan aufrief und sich zu der politischen Kraft entwickelte, in der die nationalen Interessen des Landes ihre einzige Vertretung fanden.

Der Xian-Zwischenfall (1936)

Chiang Kaishek wurde von eigenen Truppen bei Xian inhaftiert. Er sollte auf diese Weise in die antijapanische Einheitsfront mit den Kommunisten gedrängt werden. Dieses Abkommen wurde 1937 auch trotz weiter bestehender Differenzen abgeschlossen.

Japan kapituliert (1945). Die KP-Truppen besetzten den Norden und herrschten plötzlich über 140 Millionen Chinesen. Danach begann der innerchinesische Kampf um die Macht erneut. Die Nationalchinesen wurden dabei stark von den USA unterstützt, deren im Jahre 1947 verkündete Roll-Back-Strategy die Eindämmung des weltweit vordringenden Kommunismus beinhaltete. Ohne Rücksicht auf die örtlichen Besonderheiten stellten die USA-Ideologen den chinesischen Kommunismus auf die gleiche Stufe wie den sowjetischen. Im Zuge der „Strategy“ sorgten die USA für die Stärkung aller anti-'rot' chinesischen Kräfte. Hierzu zählten insbesondere die Nationalitäten in den Grenzregionen. Im Jahre 1948 kam es wieder zu offenen Kämpfen. 1949 überschritt die Volksbefreiungsarmee den Yangzi und eroberte Shanghai. Darauf lösten sich die KMT-Truppen auf. Mao rief vom Tor des himmlischen Friedens in Beijing am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus; die Reste der KMT flohen nach Taiwan und ins Goldene Dreieck.

Die Aufbaujahre

1950 erfolgte der Abschluß eines chinesisch-sowjetischen Bündnispaktes; China übernahm das sowjetische Wirtschafts- und Verwaltungsmodell. In diese Zeit fällt der Ausbruch des Koreakrieges. Chinesische Freiwillige wurden entsandt. 1957 initiierte Mao Zedong seine Hundert-Blumen-Kampagne. Die Schrift „Zur richtigen Behandlung der Widersprüche im Volk“ erschien, in der die Partei die Bevölkerung, insbesondere die Intellektuellen aufforderte, Kritik an Partei und System zu üben (Faulheit, Inkompetenz, Bestechlichkeit, Korruption und Mißwirtschaft). Zunächst wurden Kritik und Kritiker gefördert. Nachdem die Ratten aus den Löchern gekrochen waren, drehte die Partei aber den Spieß um. Aus Anklägern wurden Angeklagte; eine mögliche Opposition sollte ausgeschaltet werden. Ob diese Kehrtwendung auf Mao zurückzuführen ist oder auf den starken sowjetischen Einfluß, ist ungeklärt.

Der grosse Sprung nach vorn (1958)

Die Nachahmung des sowjetischen Wirtschaftsmodells (1950-1957), welches den Schwerpunkt des Aufbaus des Sozialismus in der Schwerindustrie sieht, führte zu ernsten Problemen in der dadurch automatisch vernachlässigten Landwirtschaft. Um die Nachteile auszugleichen, orientierte Mao das Land auf die Erfahrungen des Kriegskommunismus. In Yanan, dem Hauptquartier während des Bürgerkrieges, stand die örtliche Selbstversorgung und -verwaltung, gestützt auf die Massenbewegung der Bauern, im Zentrum der KP-Wirtschaftspolitik. Dieser Massen- und Kollektivbewegungsgedanke sollte jetzt wieder aufgegriffen werden.

Spontane Massenzusammenschlüsse auf Kreisebene zur Durchführung von Wasserbauprojekten führten 1958 zur Gründung der Volkskommunen, so jedenfalls die Propaganda. Dezentralisierung statt Bürokratisierung hieß die Devise der Partei. Einfache Techniken unter Zusammenwirken von menschlicher und maschineller Arbeitskraft waren gefragt. Jede Wirtschaftseinheit sollte möglichst auf eigenen Beinen stehen. Politisch war der selbstlose Diener am Volke gefragt. Die Volkskommunen sollten Schlüssel zum Wirtschaftsaufbau sein und verdeutlichen, daß in kurzer Zeit der 'Ostwind' - der Sozialismus - den 'Westwind' - den Kapitalismus - überflügeln könne.

Es war dies die Zeit, in der man in Europa von 'Gulaschkommunismus' redete. Natürlich wollten die Chinesen schnell den Westen überflügeln. So wurden ohne Rücksicht auf Verluste z.B. Stahlöfen im ganzen Land errichtet, um durch eine hohe Produktionszahl nachzuweisen, daß man dem Westen auf Dauer überlegen sei. Ein fataler Irrtum, wie sich schnell zeigen sollte.

Die neuen Volkskommunen wurden in Einheiten von bis zu 20 000 Menschen organisiert. Bis zum Jahr 1967 entwickelten sich in China ca. 53 000 Volkskommunen (andere Quellen gehen bis zu 70 000). In den Volkskommunen wollte die KPCh das gesellschaftliche Leben sinnvoll vereinheitlichen und gestalten. Auf sie wurden die staatlichen Kompetenzen für Handel, Planung, Investition, Industriebetriebe aller Ebenen, Schulen, Kindergärten, Altenheime, Volksmilizen u.a.m. übertragen. Man schuf öffentliche Kantinen, Wäschereien und Kindergärten, um den Frauen mehr Raum bei der 'produktiven Arbeit' einzuräumen. Die Volkskommunen als gesellschaftliche Organisationsform entwickelten sich laut offiziellem Sprachgebrauch zur Grundeinheit der entwickelten sozialistischen Gesellschaft.

Jedoch stimmten viele ansprechende Zielvorstellungen der Parteispitze um Mao mit der realen Lage nicht überein. Zudem beging die Parteiführung auch politische Fehler von Gewicht, die in einem Land, wo Richtlinien von unteren Funktionären mit Rücksicht auf die Furcht vor Verantwortung schematisch umgesetzt werden, schnell zu schweren Schäden führten. Vor lauter Dezentralisierung wurde vergessen, daß nicht alle Regionen Chinas gleich entwickelt waren. Viele Gegenden waren auf die Hilfe anderer Regionen oder Provinzen geradezu angewiesen. Die verordnete Klein oder Lokalproduktion schädigte zudem die erst in den Anfängen begriffene Schwerindustrie. Gleiches galt für andere Schlüsselindustrien in den Ballungszentren. Auf der anderen Seite bedingten ehrgeizige Kollektivunternehmen (Wasserbau- und Straßenbauprojekte) eine Belastung der örtlichen Produktion. 

Die Umstrukturierung und Kollektivierung auf dem Land veränderte das traditionelle chinesische Land und Familienleben erheblich. Der Entzug der eigenen Scholle lähmte den Arbeitswillen vieler Bauern. Als schließlich Naturkatastrophen auftraten (1959-1961) scheiterte das Experiment definitiv. Alle Faktoren zusammengenommen führten zu großen Hungersnöten. Experten gehen heute davon aus, daß diese Hungersnöte mehr als 25 Millionen Menschenleben forderten.

1959 schlug Peking den von den USA gestützten Aufstand in Tibet nieder. Der Dalai Lama floh nach Indien.

Der Mißerfolg des Großen Sprungs führte zur Regierungsumbildung. An die Stelle Maos tritt 1959 Liu Shaoqi als Staatspräsident, Deng Xiaoping wird sein Vize. Die Kollektivierungspläne wurden nach und nach zurückgedrängt. Leistungsprämien wurden eingeführt. Die Wirtschaft erholte sich rasch, und die Erfolge in der Landwirtschaft stärkten die Position Liu Shaoqis. Die Partei stand (bis auf die Kreise um Mao Zedong) voll auf seiner Seite. 

Die Große Proletarische Kulturrevolution (1966 - 1976)

Die seit 1958 andauernde Parteiauseinandersetzung um die Frage des Aufbaus des Sozialismus in China spitzte sich wieder zu, nachdem Mao Zedongs realer Machteinfluß und sein Konzept der Masseninitiative an Bedeutung verlor. Infolge der relativen Freiheit nach 1961 setzten sich im Wirtschafts- und gesellschaftlichen Leben zunehmend 'kapitalistische Elemente' durch. Maos Wunsch, 'den neuen Menschen, der selbstlos dem Volke, denn der eigenen Geldbörse' diene, zu schaffen, schien unrealisierbar. Übrig blieb ihm die ungeheure Achtung im Volk als Begründer des neuen China. Zum Ausgleich des Machtdefizits initiierte Lin Biao den Personenkult um Mao. Maos Frontstellung zur Sowjetunion und das schlechte Verhältnis beider Staaten seit 1960 gaben genügend Anlaß zur Kritik, die sich gegen Liu Shaoqi richtete. Dieser wurde als Revisionist und Landesverräter (an die UDSSR) bezeichnet. Von Shanghai aus setzte Mao zum Gegenschlag an und mobilisierte die Roten Garden gegen den Staatsapparat. Die Armee hielt sich aus den Kämpfen heraus. Die Folgen der anschließenden Auseinandersetzung sind noch heute sichtbar. U. a. kam es zum Generalangriff auf die Überreste der verhaßten feudalen Kultur, der die Hauptschuld für den kapitalistischen Ungeist gegeben wurde. Aber auch die Intellektuellen traf herbe Kritik. Ihnen gab Mao die Schuld an der Restauration bürgerlicher, elitärer Gedanken. (Auf dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in China werden Maos Gedanken übrigens immer bedeutsamer) Die Intellektuellen sollten nicht abgehoben leben und arbeiten, sondern voll und ganz dem Volke dienen. Um dies auch unter richtiger Anleitung zu erlernen, wurden Millionen von ihnen aufs Land zur manuellen Arbeit beordert. Auch die in den Städten verbliebenen Intellektuellen, Ärzte und Funktionäre  einschließlich der Parteimitglieder - mußten praktisch arbeiten. Wer sich widersetzte, fand sich in einem der vielen Arbeitslager wieder.

Seit 1973 scheinen die Dinge ohne Mao verlaufen zu sein. Die praktische Politik lag z.T. in den Händen der sogenannten Viererbande, der nur noch die Fraktion Zhou Enlais gegenüberstand. Alle anderen Parteikräfte waren ausgeschaltet worden. Die Viererbande bestand aus der Ehefrau Maos, Jiang Qing (Kultur und Massenmedien), dem Shanghaier Arbeiter Wang Hongwen, dem Ersten Sekretär der Shanghaier Parteiorganisation 'Zhang Chunqiao' und dem Chefredakteur der Shanghaier 'Tageszeitung', Yao Wenyuan. Sie wollten Zhou Enlai ausschalten, dieser jedoch wurde vom greisen Mao nachhaltig gestützt. Als neue wirtschaftliche Probleme auftraten, feierte sogar Deng Xiaoping eine Wiederkehr in die Politik.

1976 starb Zhu De, der Kommandeur der Volksbefreiungsarmee, und kurz danach auch Zhou Enlai. Am 5. April 1976 kam es anläßlich der Trauerfeiern zu Massenkundgebungen gegen die Viererbande. Das Volk trauerte um Zhou, der immer wieder dafür gesorgt hatte, daß das Chaos der Kulturrevolution nicht vollends zum Ruin des Landes führte. Im gleichen Jahr forderte ein Erdbeben Millionen von Todesopfern. Beijing und Tianjin wurden schwer beschädigt. Am 9. September starb Mao Zedong im Alter von 82 Jahren. Kurz danach wird die Viererbande nach einem Putschversuch durch Hua Guofeng und die Palastwache Maos verhaftet.

Der 11. Parteitag der KP Chinas und der V. Volkskongreß (1978) läuteten die Wende in der Innen- und Außenpolitik ein. Die Öffnung Chinas zum Westen begann. Im Jahr 2000 sollte China Industrienation sein. Vier große Modernisierungen wurden in Angriff genommen. Man sprach vom 'Pekinger Frühling'. Deng stützte die Massenbewegung, solange seine Position noch nicht gefestigt war. Hinter Hua Guofeng, dem Kompromißkandidaten der KP für die Führung, wurde Deng Xiaoping der eigentliche starke Mann im Staat. Als Deng schließlich an der Macht war, wurden die Freiheiten eingeschränkt.

1980-1981 fand der Prozeß gegen die Viererbande statt. Den zunächst zum Tode Verurteilten wurde später die Strafe zur Haft ausgesetzt.

1982 10 Jahre diplomatische Beziehungen bestanden zwischen der VR China und der Bundesrepublik Deutschland. China öffnete sich dem Einzeltourismus. 1984 schloß China Verträge über die Nutzung von Kernenergie mit den USA und der BRD-Deutschland ab. Kritik an der Rüstungspolitik der Supermächte. Rückbesinnung auf die 60er Jahre. China geht den pragmatischen Weg. Es ist wieder egal, ob die Katze weiß oder schwarz ist. Die Abschaffung der Volkskommunen wird vorbereitet. Keimzelle der Gesellschaft wird neben der Partei wieder die Familie. Die staatliche Struktur sieht in Zukunft in den Provinzen wie folgt aus: Dorf (Gemeinde), Kreis, Bezirk, Provinz. Der Erlaubnis nun auch Ausländer heiraten zu dürfen, steht das verstärkte Vorgehen gegen die Kriminalität gegenüber. Von 50 000 Kriminellen des Jahres 1984 wurden per Dekret 10% zur Abschreckung liquidiert, der Rest zur Arbeit nach Qinghai beordert.

1985 Die Partei überdenkt offen die alte Mao-These: die Massen sind die Triebfeder der Geschichte. Tibet öffnet seine südliche Grenze dem Tourismus. Im März kam es zu Grenzgefechten mit Vietnam. Die Partei beklagte die zunehmende Korruption in der Verwaltung. Im Mai kam es zu Demonstrationen in der Beijinger Innenstadt. Ehemals aufs Land 'Verschickte' fordern ihr Recht auf Rückkehr. Im Juli öffnete in Shenzhen das erste Spielkasino Chinas seit 1949. China und die USA unterzeichneten im August 1985 ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie. Am 22. Dezember demonstrierten Studenten nationaler Minderheiten auf dem Tianamenplatz in Beijing gegen die Atomversuche am Lop Nor-See in Xinjiang.

1986 Anti-Atomkraftdemonstrationen dehnten sich auf Shanghai aus. Deng Xiaopeng wird vom TIME Magazin zum Mann des Jahres gewählt. In Shanghai wurden zwei Söhne ranghoher Parteikader wegen Vergewaltigung zum Tode verurteilt. Die Partei setzt damit gegenüber den eigenen Leuten ein deutliches Zeichen. Trotzdem werden neue Korruptionsfälle bekannt. Im Mai wird die Grenze nach Pakistan für den Individualtourismus geöffnet.

1987 stand im Zeichen der weiteren Öffnung des Landes nach Westen hin. Im Sommer besuchte der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl das Land und sprach den folgenschweren Satz: Tibet gehört in jeder Hinsicht zu China.ä aus. Dies mobilisierte die nationalistischen Exil-Tibeter in Dharemsala (Indien), die genau zum Besuch des Dalai Lama in den USA eine Erhebung der Mönche in Lhasa organisieren. Als zwei tibetische Mörder öffentlich hingerichtet wurden sollten, kam es in Lhasa zur militanten Aktion, die eine unbekannt gebliebene Zahl von Toten forderte. Tibet wurde für Individualreisende geschlossen. Offizielle Begründung: zu viele Rucksackreisende hätten sich an Steinwürfen beteiligt. In Beijing tagte inzwischen unbeeindruckt der Nationale Volkskongreß, der den Reformkurs im Lande bestätigte und eine Verjüngung der Führungsspitze beschloß. Die alten Herren traten formal zurück. Fortan wirkten sie aus den hinteren Reihen weiter.

1988 kam es im Frühjahr zum Abschluß des Monlam-Festes in Lhasa zu erneuten Auseinandersetzungen zwischen tibetischen Mönchen und der Polizei. Da dies aber seit Jahrhunderten ohne besondere politische Bedeutung geschieht, nahmen die Chinesen die Demonstrationen zunächst nicht allzu ernst. Bald steht das Land wieder allen offen. In China wurde zur gleichen Zeit erstmals eine schwere wirtschaftliche Krise vermeldet. Die Preise stiegen und die Inflation (10-15%) nahm zu. Die Preisreform wurde auf allen Ebenen vorsichtig vorbereitet. Noch wagte die Führung nicht, soziale Konflikte offen in Kauf zu nehmen.

Das Jahr 1989

Das Jahr beginnt mit rassistisch geprägten Angriffen von Chinesen gegen schwarze Kommilitonen in Nanjing und Beijing. Der 10. Panchen Lama verstarb unerwartet bei einem Tibetbesuch an einem Herzschlag. Kurz darauf fand der Besuch des damaligen KPdSU Generalsekretärs Miachael Gorbatschow in Beijing statt. Gorbatschow besuchte die Stadt in einem Augenblick, in dem die Hauptstadt ihre größten politische Manifestation seit der Kurturrevolution erfuhr. Chinas Volk, an vorderster Front die Studenten der Hauptstadt, erhoben sich gegen die Diktatur und Korruption der Partei und besetzten den Platz des himmlichen Friedens, um damit ihrer Forderung nach Freiheit und Demokratie Ausdruck zu verleihen. Wochenlang stand der Tiananmen im Zentrum des politischen Interesses im Lande. Aber die kommunistischen Machthaber wollten dem Ruf des Volkes nicht nachkommen. Die Enkel Stalins entschieden sich für den Terror und in der Nacht vom 3. zum 4.ÿJuni 1989 veranstaltete ein unter Drogen gesetztes Militäraufgebot das grausamste Massaker der chinesischen Neuzeit. Eine unbekannte Anzahl von Demonstranten wurde erschossen, ihre Leichen verstümmelt und verbrannt. Tausende Menschen wurden in den Säuberungsaktionen danach verhaftet, gefoltert und inhaftiert. Das Sinnbild des demokratischen  Protests, die von Studenten vor dem Kaiserpalast errichtete Göttin der Demokratie wurde nieder-gerissen. Nach offizieller Verlautbarung wurde im Juni ein konter-revolutionärer Aufstand unterdrückt. Die Demonstranten und die Weltöffentlichkeit wußten es besser. Nur die Regierung der damaligen DDR begrüßte freudig die Niederwerfung der Demokratie. Sie sah im Vorgehen der chinesischen Kommunisten ein Beispiel für das eigene Land. Sie wurde selbst schneller als erwartet eines besseren belehrt. Im November 1989 fällt die Mauer in Berlin und damit die Spaltung Europas.

Die Zeit seit 1990

Seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa und der Welt sieht sich das kommunistische China einer großen Herausforderung gegenüber. Die USA und Europa sind neben dem maroden Russland einem großen Wandlungsprozeß unterlegen, dessen Ende noch lange nicht absehbar ist. Während sich das Land einerseits immer weiter ausländischen Investitionen öffnet, um die notwendigen Mittel der Finanzierung der Transformation des Landes in eine modernde Industriegesellschaft zu erhalten, wird das überkommene politische System ohne jede Strukturveränderung aufrechterhalten. Die sich daraus ergebenden dynamischen Widersprüche beinhalten die Gefahr eines Problemexports. Erste Anzeichen dafür ist das Bemühen Chinas, den Einfluß der Nachbarländer und vor allem der USA im südchinesischen Meer notfalls militärisch zurückzudrängen. Das „neue Jahrtausend wird ein chinesisches Jahrtausend“ heißt es immer wieder in der Presse. Diese Herausforderung wird sich beweisen. Vorerst scheint die feudale Sitte wieder hoffähig zu werden, wonach vor allem diejenigen mit China ins Geschäft kommen, die sich den chinesischen Wünschen in jeder Hinsicht unterwerfen.

 

Deutsche Asienpolitik ausreichend ?
Kein Profil erkennbar
Zu wenig Kompetenz der Politik
Investitionen fehlen
Umweltinvestment strategisch erforderlich
Ohne Wirtschaft läuft gar nichts
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