UMWELTSCHUTZ: DER WASSERMANGEL
AM GELBEN FLUSS GEFÄHRDET NORD-CHINA
Shanghai/Berlin:
Die
Wiege der chinesischen Kultur, der Gelbe Fluss "Huanghe", nach
dem Yangzi zweitgrößter Fluß Chinas droht in naher Zukunft zu
versickern. Immer seltener erreicht sein Wasser die Mündung am
chinesischen Meer. Der Raubbau an Natur und Ressourcen macht sich tragisch
bemerkbar. Das bleibt für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas nicht
folgenlos.
Von
seiner Quelle in West-China (Provinz Qinghai) durchfließt er auf 5.500
Kilometern neun Provinzen und entwässert ein Einzugsgebiet von 750.000
Quadratkilometern mit einer Gesamtbevölkerung von rund 150 Millionen
Menschen.
In
den letzten Jahren geben bestimmte Erscheinungen
Anlass zur Sorge. Der 1 Fluss trocknet immer mehr aus. 1997 blieb der
Unterlauf 226 Tage völlig ohne Wasser. Dieses Extremereignis hatte sich
über einen längeren Zeitraum angebahnt. Während in den 50er und 60er
Jahren in Lijin nahe der Mündung im Schnitt ein Abfluss von 50 Milliarden
Kubikmeter pro Jahr registriert wurde (mit starken Schwankungen von Jahr
zu Jahr), waren es in den 90er Jahren nur noch weniger als 25 Milliarden
Kubikmeter. Entsprechend ist auch die Sedimentfracht zurückgegangen. Für
das Flussdelta und die angrenzenden Küstengewässer hat das erhebliche
negative Folgen. Der Garnelenfang in der Bohai-Bucht ist rückläufig, und
in Teilen des Deltas hat sich die Küstenlinie landeinwärts verschoben,
ganz im Gegensatz zum normalen Trend, dass sich das Delta ständig weiter
ins Meer vorschiebt.
Die
Regenfälle am Ober- und Mittellauf sind gegenüber den 50erJahren um zwölf
Prozent zurückgegangen. Deshalb ist dort zum Ausgleich mehr Wasser für
Bewässerungszwecke aus dem Fluss entnommen worden, was die ohnehin schon
verringerte Wasserführung noch mehr reduzierte. Auch der steigende
Wasserverbrauch durch die Industrie hat sich ausgewirkt.
Der
Gelbe Fluss ist die wichtigste Wasserressource für die nordchinesische
Ebene, aber schon in normalen Zeiten ist das Wasserangebot knapp. Während
am Jangtse 40.000 Kubikmeter Wasser pro Hektar Ackerland zur Verfügung
stehen, sind es am Gelben Fluss nur5.000 Kubikmeter; eben so krass sind
die Unterschied de pro Kopf der Bevölkerung, 2.300 gegen 400 Kubikmeter.
Ein Andauern der Trockenheit würde die Lebensgrundlagen in der
nordchinesischen Ebene in Frage stellen; denn ein noch stärkerer Rückgriff
auf das Grundwasser verbietet sich. Schonjetzt sinkt der
Grundwasserspiegel jährlich uni ein bis zwei Meter. Deshalb hat die
chinesische Regierung jetzt beschlossen, ein Projekt in Angriff zu nehmen,
da schon seit den 50er Jahren in Planung ist Den Transfer von
Jangtse-Wasser in den Norden. In umfangreichen Machbarkeitsstudien sind
drei Strecken untersuch worden: Eine Ost-, Zentral- und eine Westlinie. im
Osten würde zwischen Nanjing und Shanghai Wasser aus dem Jangtse
entnommen und teilweise dem "Großen Kanal" folgend bis Tianjin
geleitet. Dazu wären 30 Pumpstationen nötig um eine Höhendifferenz von
insgesamt 65 Metern zu überwinden. Der Gelbe Fluss würde mit einem
Syphon unterquert.
Gigantische Umsiedlung nötig
Die
Zentrallinie würde vom 150 Mete hoch gelegenen Danjiangkou-Stausee am
Oberlauf des Han-Flusses ausgehen und das Wasser würde dem natürlichen
Gefälle folgend bis nach Peking (50 Meter) fließen. Dabei wären 210 Flüsse
zu überqueren, darunter der Gelbe Fluss mit einem 9,5 Kilometer langen
Viadukt. Zu Vergrößerung des Speicherraums müsste der Staudamm um 15
Meter erhöht werden. Das würde die Umsiedlung von 220.000 Menschen
notwendig machen.
Bei
der Weststrecke soll vom Oberlauf des Jangtse, der dort Tongtianhe heißt,
und den Nebenflüssen Yalong und Dadu, Wasser in den Oberlauf des Gelben
Flusses eingespeist werden, zehn Milliarden Kubikmeter aus dem Jangtse
undjeweils fünf Milliarden aus dem Yalong und Dadu. Unter dem Eindruck
der Krise am Gelben Fluss soll dieses Projekt nun als erstes realisiert
werden. Die Bauarbeiten sollen mit dem neuen Fünfjahresplan ab 2001
beginnen und werden sich mindestens i bis 2010 hinziehen. Es müssen drei
Tunnel von 120 bis 140 Kilometer Länge und zehn Meter Durchmesser gebohrt
werden. Für die Reservoirs sind Staudämme von 200 bis 300 Metern Höhe
zu errichten, und das im Hochgebirge unter Dauerfrostbedingungen. Das
Projektgebiet ist nur dünn besiedelt, so dass kaum Menschen betroffen
sind. Die Wasserentnahme wird jedoch die Wasserkraftnutzung am Yalong und
Dadu beeinträchtigen, wo bereits mehrere Wasserkraftwerke in Betrieb und
weitere geplant sind. Im Mittelund Unterlauf des Jangtse wird die
Wasserentnahme von insgesamt 20 Milliarden Kubikmetern dagegen kaum noch
zu spüren sein, da weitere wasserreiche Nebenflüsse einmünden. In den
"Drei Schluchten" beträgt der Durchfluss 450 Milliarden
Kubikmeter pro Jahr, an der Mündung bei Shanghai sind es 1 .000
Milliarden Kubikmeter.
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